Es war das Jahr Uno nach „Basic Instinct“ und Hollywood schien nicht genug von Sharon Stones Körper zu bekommen. Kann man verstehen, oder? Der mit der heißen Nadel gestrickte und schnell heruntergekurbelte „Sliver“ bedient sich natürlich derselben Motive – nämlich Sex und Mord. „Dead Calm“ – Regisseur Phillip Noyce wurde zwischen seinen beiden Tom- Clancy-Knüllern „Patriot Games“ und „Clear and Present Danger“ also aufgefordert dem Publikum dass zu geben, was es sehen will. Und zugeben muss man es, auch wenn der Film weit von Noyces Prunkstücken entfernt ist, enttäuscht wird hier im Endeffekt niemand. ;-)
Sharon Stone gibt Carly Norris, eine junge Frau, im Beruf nicht ohne Erfolg, optisch einiges hermachend und dazu noch frisch geschieden. Man könnte Autor Joe Eszterhas (u.a. „Basic Instinct“ und „Showgirls“) natürlich Einfallslosigkeit vorwerfen, denn es entwickelt sich bald darauf alles nach dem selben Raster, einem grundsätzlichen Schema, wie so ein softer Erotikthriller funktioniert. Bei der Wohnungssuche wird man sofort fündig, dass die vorherige Mieterin, nicht nur tot ist, sondern ihr auch verdammt ähnlich sah, nimmt man nebenbei mit. Als Tatverdächtige dürfen sich ein paar Mitbewohner hervortun und schon bald feiert der Voyeurismus Hochkonjunktur.
Denn in diesem schmucken Hochhaus scheint ein Fremder alle Zimmer verkabelt und sie mit Kameras ausgestattet haben. Warum auch nicht? Wer würde sich Sharon Stone nicht mal gern in der Badewanne räkelnd und masturbierend angucken? Nachdem eher Füllstoff wie der Job oder die anfängliche Angst vor Stromausfällen abgehandelt worden ist, dürfen sich Tom Berenger, der hier, obwohl nicht mal gut aufgelegt, in seinen kurzen Auftritten alles und jeden an die Wand spielt, und William Baldwin als einzig in Frage kommende Täter vorstellen, die schon bald heftigen zu balzen fangen.
So ist dann auch das Bettgehoppel mit Sharon Stone das einzig Knisternde am Film, obwohl man hier nichts zu sehen bekommt, was man nicht aus „Basic Instinct“ schon kennt. Vielleicht abgesehen von Dauerlutscher William Baldwin, der seine Vollkörperaufnahmen von vorn später streichen lassen hat und zwei Jahre später mit Cindy Crawford in den Nahkampf gehen durfte. Etwa Minderwertigkeitskomplexe?
Doch lassen wir die nackte Haut doch mal für einen Augenblick beiseite und konzentrieren uns auf den Film, beziehungsweise auf den Plot, aus dem er besteht. Entwickeln tut sich hier zwar herzlich wenig, genauer ausgedrückt kommt der Plot bis zehn Minuten vor Ende nicht mal von der Stelle, aber dafür knüppelt das überhastete Ende dann doppelt in die Pedalen, als gäb’s kein Weihnachten. Der eigentliche Witz dabei ist, dass ursprünglich der „andere“ der Killer war, das Ende aber neu gefilmt wurde. Spricht Bände über das Drehbuch, gelle? Ach ja, die Suche nach dem Killer? Interessiert bis zum Schluss sowieso niemanden so richtig…
Fazit:
Was ist „Sliver“ nun also? Ein Thriller der nicht thrillt, ein Drama, das nicht dramatisch ist? Nein, eigentlich nur eine überlange Wichsvorlage für Sharon-Stone-Fans und viel mehr sollte Noyce damals wohl auch nicht auf Zelluloid bannen. Der einfallslose, teilweise unlogische Plot ist spätestens nach zwanzig Minuten vorhersehbar, der Film total inhaltslos und die Schauspieler maximal durchschnittlich.