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Wieder ein kleiner, feiner Film, diesmal sogar eine HBO TV Produktion, der es schafft eine tolle, spannende Geschichte mit großartigen Darstellern zu erzählen, die nicht nur mitreißend ist sondern daneben auch noch zu reichlich Diskussionen anregen dürfte. Anmerken sollte man dabei, dass die Ereignisse im Film sich in 1994/95 wirklich ereignet haben und einen Skandal heraufbeschworen, die das Bildungssystem der USA zwar nicht ins Wanken brachten aber zumindest schwer erschütterten.

Gerald Plecki (Jeff Daniels) ist Lehrer an einer typischen Chicagoer High School. Die Schule ist Schmelztiegel der Kulturen, am Eingang werden die Schüler all morgendlich auf Waffen kontrolliert und die Zukunftsaussichten sind eher düster. Wie jedes Jahr wird auch im Schuljahr 1994/95 ein landesweiter akademischer Wettbewerb ausgetragen, an dem sich Teams aus unterschiedlichen Schulen messen. Wie auch die Jahre zuvor fällt es Plecki zu, das Team aufzustellen. Eine erste Interessierte findet er in Jolie (Jena Malone), mit deren Hilfe er ein kleines Team zusammen stellt, das es tatsächlich schafft sich in der ersten Runde als 5. für den Landeswettbewerb zu qualifizieren. Durch Zufall fallen Einem aus dem Team die Fragen inklusive Lösungen in die Hände und Plecki steht nun vor der alles entscheidenden Frage ob er diese Verwenden soll um sein Team zum Sieg über die 9-maligen Sieger einer Elite High School zu führen. Von seinen Schülern überredet, willigt er schließlich ein und das Team siegt. Doch schon bald sorgen Missgunst und Neid dafür, das sich Gerüchte über den Betrug verbreiten und es wird zu einer gnadenlosen Hetzjagd der Medien und Behörden auf Plecki geblasen.

Der Film stellt dabei weniger die Frage in wie weit es moralisch ist zu betrügen, sondern es steht eher der etwas augenzwinkernde Grundsatz "wenn man schon betrügt, sollte man sich wenigstens nicht erwischen lassen" im Mittelpunkt. So ist es Plecki, gleichermaßen wie sein Team aus jungen, engagierten aber letztlich chancenlosen Schülern, die sich gemeinsam entschließen den Betrug zu begehen. Dabei geht es ihnen weniger darum zu gewinnen als vielmehr das System des Wettbewerbs aufzubrechen, das es zulässt, dass das Institut das für den Wettkampf zuständig ist, seinen Sitz in den Gebäuden der Schule hat, die seit 9 Jahren in Folge gewonnen hat, sich auf Grund ihrer elitären Schülerschaft und deren nicht weniger elitären Eltern keinerlei Vorwürfe hinsichtlich dieser augenscheinlichen Ungerechtigkeit dulden. Auch die Medien kommen in "Cheaters" nicht ungeschoren davon, denn wie anders als grotesk kann man es bezeichnen wenn Plecki vorgeworfen wird er sei der Anführer einer Sekte und hätte die Kinder mittels Gehirnwäsche zu dem betrug gebracht, er hätte sie wie "willenlose Schafe zur Schlachtbank" und an die "Pforten der Hölle" geführt. Es wird eine gnadenlose Hetzjagd, geführt von Vertretern der Behörden und Medien ebenso wie Eltern veranstaltet, die in keinerlei Verhältnis zu dem Grund steht der zu al diesem geführt hat.

Regisseur John Stockwell (Blue Crush, Verrückt/schön) gelingt es dieses Ereignis zu einem großartigen Film zu verarbeiten, der sich hinter keiner großen Produktion verstecken braucht. Es gelingt ihm dazu durch den Einsatz von außergewöhnlichen Kameraeinstellungen, Zeitraffer Effekten, Überblendungen und Ähnlichem eine mitreißende Atmosphäre zu schaffen. Einen Großteil dazu bei, tragen natürlich auch die fabelhaften Jungstars, die der einfühlsamen und zu tiefst menschlichen und nachvollziehbaren Darstellung Jeff Daniels in nichts nachstehen. Insbesondere Jena Malone als Pleckis´ engste Verbündete unter den Schülern, zeigt hier eindrucksvoll was sie schauspielerisch Leisten kann. Ähnlich gute Leistung hat man von ihr ja danach auch in "Donnie Darko" als Gretchen und Lost Heaven gesehen, wo sie neben Jodie Foster überzeugte. Auch die anderen Darsteller, die mit "Cheaters" teilweise ihre Schauspieldebüts gaben zeigen faszinierende Leistungen.
Um den an sich schon großartigen Gesamteindruck des Films noch zu vervollständigen gibt es auch noch einen in allen Szenen absolut passenden und angemessenen Soundtrack, der unter Anderem Songs von Transister, Portishead, Cracker und den Cranberries beinhaltet.

"Cheaters" ist ein großartig gespieltes Drama, das aber durchaus auch seine komischen Seiten hat und durch eine fantastische Jungschauspielerriege und einen Jeff Daniels in Bestform überzeugt. Eine absolute Empfehlung für jeden, auch wenn man die Schulzeit schon lange hinter sich gelassen hat, denn wie heißt es so schön am Ende des Films: 80% aller Schüler einer repräsentativen Umfrage geben zu gemogelt zu haben. 8 von 10 Punkten für diese TV Produktion, die qualitativ einen Großteil der Kinoproduktionen locker in die Tasche steckt.

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