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Trampen ist und bleibt für beide Seiten eine dubiose Angelegenheit, denn als Fahrer weißt du nie, wen du dir ins Auto holst, als Anhalter nicht, bei welchem Irren man einsteigt. Aus dieser Prämisse bastelte J.M. Logan seine bisher einzige Regiearbeit, während er ansonsten für Trickeffekte und Make-up ("Die Passion Christi") zuständig ist. Sein Debüt wirkt nicht nur wie ein billig produzierter TV-Film, er sieht auch direkt zwanzig Jahre älter aus als er eigentlich ist.

Diebin Jean (Renée Humphrey) ist soeben die Flucht aus dem Gefängnis gelungen, doch während der Fahrt auf der Route 69 macht ihr geklauter Truck schlapp. Als Anhalterin wird sie von Eldon (Boyd Kestner) und seinem zehnjährigen Sohn Cole (Tanner Richie) aufgegabelt, die ziellos durchs Land brausen, um die ländlichen Ecken Amerikas zu entdecken. Doch während der Fahrt berichtet ihr Cole heimlich, dass er in Wirklichkeit Jeremy heiße und Eldon gar nicht sein Vater sei...

Vorab muss gesagt werden, dass es sich um die schlechteste Synchro ever handelt, denn so ungelenk betont und noch nicht einmal lippensynchron hat man deutsche Stimmen in einem amerikanischen Film wohl noch nie gehört, was natürlich dazu führt, binnen weniger Minuten auf Originalton umzustellen und sich zu wünschen, dass die Stimmen mittlerweile andere Jobs weit weg von Mikrophonen gefunden haben.

Ansonsten steigt die Handlung ansprechend ein, auch wenn die Kleinkriminelle nicht gerade als Sympathieträgerin fungiert, indem sie ein sozial schwach gestelltes Paar um Bargeld und Fahrzeug erleichtert. Als Eldon die junge Frau mitnimmt, ahnt er selbstverständlich nichts von ihrem Background, doch als Zuschauer hegt man bereits einen gewissen Verdacht gegenüber dem Familienvater, zumal der Sohn auf dem Rücksitz völlig eingeschüchtert wirkt und kaum ein Wort von sich gibt.

So geht es zu dritt eine Weile durch Arizona, doch was fehlt, sind interessante Entwicklungen der Figuren. Die Dialoge bleiben vage und oberflächlich, - bloß nicht zuviel über persönliche Hintergründe verraten, um eventuelle Wendungen unvorhergesehen erscheinen zu lassen, doch diese Taktik geht nach hinten los. Bei einer Dreierkonstellation dieser Art würde allenfalls überraschen, wenn der Zehnjährige seinen Vater entführt hätte, alles andere ist von A bis Z durchschaubar.

Aber nicht nur der Plot gibt sich recht simpel und ohne Ecken und Kanten, auch die Aufmachung bleibt unaufgeregt und komplett lahm. Die Kamera variiert kaum und hält bei Dialogen im Auto ausschließlich auf die Gesichter, was nach kurzer Zeit zu Ermüdungserscheinungen führt, während ein Score fast nicht wahrnehmbar ist. Zudem ist die Bildqualität ungewöhnlich schwach, da bei dunkleren Szenen sogar eine leichte Blockbildung festzustellen ist, während bei einer nächtlichen Sequenz die Ausleuchtung vergessen wurde und für zwei Minuten fast gar nichts zu sehen ist.

Zwar sorgen zwei, drei weitere Figuren im letzten Drittel für minimale Abwechslung, darstellerisch ist den drei Hauptakteuren wenig anzukreiden, nur das Drehbuch wirkt furchtbar oberflächlich und erzeugt selbst beim Showdown allenfalls Spannung auf unterster Sparflamme. Die Kernidee ist gut und die erste halbe Stunde macht zunächst Hoffnung auf eine passable Umsetzung, doch mit der Zeit offenbart die altbacken aufgezogene Handlung eklatante Schwächen und weiß spätestens ab Mitte des Geschehens rein gar nicht mehr zu überzeugen. Ein schwacher Psycho-Thriller, den man sich selbst in der Spätvorstellung eines Privatsenders nicht anschauen sollte, - man denke an die nicht abstellbare Synchro...
3,5 von 10

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