Review

Der Schweizer Schriftsteller Albrecht Dürrenmatt hat im Laufe seiner Karriere jede Menge herausragende Werke geschrieben, die so gut bei Kritikern ankamen, so dass auch mehrere davon mit Verfilmungen gewürdigt wurden.
So auch sein bekanntestes Werk „Der Richter und sein Henker“.
Bereits 1957 bekam der Roman einen Fernsehfilm unter der Regie von Franz Peter Wirth spendiert, an dessen Drehbuch auch Dürrenmatt persönlich mitwirkte.
Doch mit einer Fernsehproduktion schien man sich nicht zufrieden zu gegeben zu haben, und so folgte 1975 eine „größere“ Adaption.
Wenig überraschend war auch dieser Film ein voller Kritiker-Erfolg.

Doch so gut der Film damals auch angekommen sein mag (unter anderem heimste er zweimal den deutschen Filmpreis ein), mit so einigen Schwierigkeiten hat der Film (vor allem aus heutiger Sicht) dennoch zu kämpfen.

Hauptproblem ist natürlich, und daran krankt jede Buchverfilmung, dass Kennern der Buchvorlage die Spannung vorweg genommen wird.
Die Geschichte des sterbenskranken Kommissars Bärlach, der einer alten Wette wegen mithilfe seines neu zugeteilten Kollegen Tschanz einem Mordfall nachgeht, den scheinbar des Kommissars Wettgegner, nämlich „Gastmann“ begegangen haben soll, ist in dieser Form auch im Film zu finden.

Erstaunlich dabei ist, mit welcher Konsequenz einige Dialoge aus dem Buche hier wiedergegeben werden.
Und auch die Inszenierung wichtiger Schlüsselsequenzen wurden bis auf wenige Details 1 zu 1 übernommen.
Kleinere Veränderungen um einige Details seien dem Film verziehen, während die „neuen“ Ergänzungen eine weniger gute Figur machen.

Da haben wir zum Beispiel Anna (Jacqueline Bisset), die Freundin und Verlobte des ermordeten „Schmieds“, die im Roman lediglich ab und zu in Nebensätzen erwähnt wurde, während ihr hier nun eine unwahrscheinlich große Relevanz für die Handlung zugeschrieben wird.
Äußerst überflüssig, wie sich herausstellt.
Abgesehen davon, dass sie sich nun regelrecht als Schlampe erweist, da sie noch am Tag der Beerdigung ihres „geliebten“ Schmieds gleich im Anschluss mit Tschanz ins Bett steigt, dabei noch nicht einmal dessen Namen kennt und außerdem nebenbei noch eine Affäre mit Gastmann am Laufen hat, entpuppt sie sich als recht überflüssiges Beiwerk.
Mehr als in ihren Dialogen davon zu schwafeln wie sehr sie Schmied liebte, dabei auch von anderen Kerlen spricht und hin und wieder die Besorgte spielt, hat die gute Anna nicht wirklich zu tun.
Eine Nebenrollenbesetzung mit einigen wenigen essenziellen Zeilen hätten es auch getan.

Da muss man sich über Albrecht Dürrenmannt, der hier ebenfalls als Co-Drehbuchautor tätig war wirklich wundern, wenn er außerdem noch solch fragwürdige Einfälle wie den abgetrennten Kopf auf dem Schreibtisch oder den Leoparden in Gastmann’s Anwesen zulässt.

Ein anderes, ganz großes Problem ist die Figur des Tschanz, oder besser gesagt, der Schauspieler, der dahinter steckt.
Ausgerechnet Jon Voight, der einzige dieses Casts, der sich als internationalen Star feiern darf, und auch heute noch in Hollywoodgroßproduktionen wie Mission Impossible, Tomb Raider oder Transformers zu sehen ist, liefert von allen Schauspielern die mieseste Leistung ab.
Ständig mit einem dämlichen Dauergrinsen im Gesicht gurkt er durch den Film, und schafft es dabei auch tatsächlich sich als wahrer Mörder zu verraten.
Wer das Buch kennt, weiß es ohnehin, doch darüber lässt der Roman den Leser über weite Strecken noch im Dunkeln tappen, während der Jon Voight – Tschanz dagegen bereits im ersten Gespräch mit Bärlach sich selbst (und das war sicher ungewollt) verrät.
Verblüfft fragt er nach, weshalb 2 und nicht nur eine Kugel in Schmieds Kopf gefunden wurde, und schließt bei Vermutungen ständig auf einen Mann , was er erst im Nachhinein durch blödes Grinsen mit der Klarstellung, dass es auch eine Frau gewesen sein könnte revidiert.
Zugegeben, auch hier ist das Drehbuch nicht ganz unschuldig, doch spätestens am Ende, beim Abendessen, wo Bärlach wie ein Tier das Essen in sich hineinschaufelt, und dabei Stück für Stück alle Motive und Vorgehensweisen von Tschanz entlarvt, und diesen damit bloßstellt, wird es ganz zappenduster um Jon Voight.
Im Buche bricht Tschanz an jener Stelle der kalte Schweiß aus, was auf ein entsetztes und verzweifeltes Gesicht schließen lässt.
Jon Voight dagegen sitzt auch hier mit einem blöden Grinsen am Tisch, zuckt seine Waffe, lässt sich von Bärlach die Ausweglosigkeit einreden, steckt also die Waffe wieder ein, und grinst dabei weiterhin so blöde wie eh und je.
Furchtbar!!

Martin Ritt als Hans Bärlach dagegen macht eine sehr gute Figur, so in etwa habe ich mir auch jenen Charakter aus dem Roman vorgestellt.
Den alten, krankhaften, aber dennoch smarten Kommissar mimt er ausgezeichnet.
Und auch Robert Shaw spielt den kriminellen Edelmann „Gastmann“ hervorragend.
Lediglich das peinliche Acting, als er von der Kugel getroffen wird, spricht gegen seine ansonsten sehr annehmbare Leistung.

Doch das ändert auch nichts an dem eher blöden Eindruck, den man nach wie vor von dem Film hat.
Nichtkenner des Buches werden Tschanz, der sich so ziemlich in jeder Szene verrät von Anfang an entlarven, die schicksalhafte Wette wird ebenfalls gleich zu Beginn dem Zuschauer eingetrichtert, die Spannung geht dabei den Bach runter, schier wichtige Dialoge können dabei nur noch bedingt bei Laune halten, und einige bescheuerte Einfälle wie der abgetrennte Kopf, oder das übertrieben, fürchterlich gestellte Umherwackeln von Schmieds Leiche im fahrenden Auto hinterlassen nur noch gehöriges Kopfkratzen.
Traurig aber war, die „beste“ Szene des Filmes war jene zu Beginn, als eine junge Frau plötzlich von der Brücke geknockt wird. Die Szene kam so unerwartet (selbst für Kenner des Buches) und wurde so perfide mit einem deutlichen „Punch“ Sound dargestellt, dass man einfach nur noch drüber lachen konnte.
Und so etwas ist eines ernstgemeinten Romans eigentlich gar nicht würdig.

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