Review

Ein Viertel Jahrhundert Abwarten und eine groß angelegte Petition haben es bewirkt. Richard Donners eigene Version der Fortsetzung seiner, inzwischen als Klassiker geltenden, „Supermen“ – Version ist nun auf DVD veröffentlicht worden.

Nun gibt es für die Film – Fans wieder etwas zu entdecken und für die richtigen Film – Freaks gibt es sowieso nichts Schöneres als Filmfassungen zu vergleichen.

Leider ist der Richard Donner – Cut nicht die Offenbarung, auf die manche vielleicht gehofft haben. Obwohl der Film sich sehr stark von der bisher bekannten Kinofassung unterscheidet, ist er nicht besser als diese.

Gleich zu Beginn fällt auf, dass der Bezug zu Teil 1 noch sehr viel stärker betont wird als in der Kinoversion, die ja eigentlich schon nahtlos an Teil 1 anschloss. Diesmal erleben wir in einer Exposition noch einmal wichtige Punkte aus der Story von „Superman“. Die Verurteilung der drei Krypton – Evils durch Jor – El, sowie die Vereitelung von Lex Luthors Vernichtungsplänen. Der Vorspann ist im gleichen Stil gehalten wie der von Teil 1 und wir bekommen Jor – El nun wieder in persona zu sehen (aufgrund von Marlon Brandos Ableben hat sich der Rechtsstreit dahingehend wohl verflüchtigt).
Vor allem aber ist hier die Befreiung von General Zod und Co. Eine Konsequenz von Supermans Rettung des Staates Kalifornien, da eine der Nuklearraketen die Phantom – Zone zerstörte. Dies macht die gesamte Paris–Episode überflüssig und die ist hier folglich auch nicht vorhanden.

Dafür gibt es eine lange neue Szene, in der Lois Lane im Daily Planet Supermans Bekenntnis durch Suizid – Versuch erpressen will. Sehr hübsch gemacht und ebenfalls mit Bezug zu Teil 1. Inhaltlich deckt sich dies aber mit der bereits bekannten Szene aus der Kinofassung, in der sie aber nicht aus dem Fenster sondern in reißende Fluten springt.

Ebenfalls anders ist das schlussendliche Selbstbekenntnis Supermans durch einen forschen Trick von Lois (auch auf der SE – DVD von „Superman“ zu sehen, da ursprünglich Testszene der Schauspieler), statt durch dummen Zufall.

Es fällt auf, dass trotz zahlreicher Änderungen inhaltlich nichts dazu gekommen ist, die inhaltlichen Punkte nur etwas verschoben wurden. Ob dieser stärkere Bezug zu Teil 1 den Film nun besser macht, muss jeder für sich wissen. Ich persönlich finde es nicht.

Die wirklich interessanten Neuerungen finden sich stets in den kleineren Details. Vor allem die zusätzlichen Momente mit Lex Luthor. Oder aber auch zusätzliche Zeilen von General Zod, z. B. am Ende im Palast der Einsamkeit.
Wenn man das Gesamtwerk betrachtet krankt der Film jedoch an einer großen Schwäche: Es wurden einfach viel zu viele Szenen aus der Kinofassung entfernt (Laufzeitunterschied 123 zu 111 Min. PAL). Dabei spreche ich nicht von dem Weglassen der Paris – Episode oder der deutlichen Straffung des Niagara – Teils. Es wurden Szenen weggelassen, die einfach für den harmonischen Fortlauf der Handlung wichtig sind. Z. B. das Auftauchen der Krypton – Fieslinge in der Kleinstadt East Houston. Im Donner – Cut findet diese mit der Ankündigung des Fernsehreporters statt. Da auch bei den vorhandenen Szenen viele Einstellungen gegenüber der Kinofassung verkürzt und teilw. auch einige schneller abgespielt werden, wird klar, dass man die neue Schnittfassung den Sehgewohnheiten des 21. Jahrhunderts anpassen wollte, die von Tempo und nochmals Tempo geprägt sind. Dabei wirkt der Film sprunghaft, Hektik macht sich bemerkbar und der Showdown ist viel zu schnell wieder vorbei.

Dabei ist generell der Action – Anteil gesenkt worden. Die Paris – Episode fehlt, die Kämpfe, mittels derer die Krypton – Evils aufgehalten werden sollen wurden reduziert und eine physische Auseinandersetzung zwischen Superman und dem Trio im Palast der Einsamkeit gibt es auch nicht mehr.

Positiv registriert man natürlich im Vorspann, dass diesmal nur John Williams als Komponist angegeben wird. Doch sind hier mitnichten neue Kompositionen zu hören. Man hat den Soundtrack stattdessen mit Stücken aus der Score von „Superman“ zusammengestellt. Das ist zwar nicht schlecht, zumal es ja nun mal das Sequel ist, doch hat man mit dem ursprünglichen „Superman II“ – Soundtrack eigentlich im Prinzip schon das gleiche gemacht.

Ein wirkliches Ärgernis ist jedoch der neue Schluss des Films. Das hier noch einmal der Schluss von Teil 1 wiederholt wird ist noch nicht mal das Ärgernis. Witzigerweise regen sich im Audiokommentar Regisseur Donner und Autor Mankiewicz noch darüber auf, wie dumm es doch wäre Lois Lane durch einen Kuss von Superman das Gedächtnis verlieren zu lassen, da diese Fähigkeit ja auch nicht den Comics entspricht. Na also ob die Idee, durch links herumdrehen der Erde würde die Zeit zurückgedreht werden, intelligenter sein soll wage ich zu bezweifeln. Zumal nach der (Un)Logik eigentlich die gesamte Welt betroffen wäre. Dennoch bleibt die Szene erhalten, in der sich Clark Kent an dem Pöbel – Trucker rächt, obwohl der ja dann auch nichts mehr wissen dürfte. Dieses Ende, das schon bei Teil 1 albern war, ist hier einfach nur ärgerlich und dumm.

Bleibt schlicht zu sagen, dass die Vorzüge, die der Richard Donner – Cut gegenüber der alten Kinofassung hat, deutlich geringer ausfallen als die Nachteile. Daher, nettes Experiment, aber keine verbesserte Version des Films.

6 / 10

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