Jeremiah Johnson (Robert Redford) flüchtet sich Mitte 1800 in die Wildnis und Einsamkeit der Rocky Mountains. Abgestossen von der Zivilisation will er sich dort als Mountain Man durchschlagen.
Bereits den ersten Winter überlebt er allerdings nur mit Hilfe eines alten Trappers (Will Geer), der ihm die zum Überleben notwendigen Tricks und Kniffe beibringt.
Nach Beendigung seiner Trapper-Lehre ist es aber mit der ersehnte Ruhe und Einsamkeit auch schon bald vorbei. Nachdem Johnson den Trapper verlassen hat gabelt er einen stummen Jungen und eine Flathead-Squaw auf und zieht mit ihnen weiter durch die Rockies bis er meint den richtigen Ort um sich niederzulassen gefunden zu haben.
Bald ist eine Blockhütte gebaut, Johnson fühlt sich inmitten seiner kleinen Familie zusehends wohler, als plötzlich eine Truppe Soldaten vor der Tür steht und ihn bittet ihnen den Weg über die Berge zu einer Gruppe eingeschneiter Siedler zu zeigen.
Die kürzeste Distanz zu den Siedlern führt Johnson und die Soldaten durch eine Begräbnisstätte der Crow-Indianer. Ohne Rücksicht auf die Heiligkeit dieses Ortes zu nehmen durchqueren sie den Indianer-Friedhof und können so die Siedler retten.
Bei seiner Rückkehr muß Johnson allerdings feststellen, dass die "Schändung" der Grabstätte nicht ungesühnt blieb. Seine "Familie" wurde von den Crow ermordet!
Mit dem Frieden ist es nun vorbei, Jeremiah macht sich auf um die Mörder zur Strecke zu bringen und wird dadurch zum mächtigsten Feind der Crow, aber auch zu einem über lange Zeit Gejagten....
"Jeremiah Johnson" ist wie man schon anhand der geschilderten Handlung bemerken dürfte, nicht der typische Old-School-Western. Wenn man das Produktionsjahr 1972 betrachtet, dürfte dies auch klar sein. Der "alte" Western hatte zu dieser Zeit schon ausgedient und das Genre versuchte sich neu zu definieren.
Vorbei waren die Zeiten der bösen, mordenden Indianer und des edlen von ihnen attackierten weissen Mannes, der den armen Wilden doch bloß was gutes in Form von etwas Zivilisation geben will.
Eine neue Herangehensweise an die filmische Darstellung des Wilden Westens waren u.a. eine realistischere Schilderung der damaligen Lebensumstände und auch des Umgangs der Weissen mit den amerikanischen Ureinwohnern.
Sydney Pollack`s Film ist einer der frühen Neo-Western, der sich durch eine solche, damals noch recht neue , Sicht auf das Ur-Genre auszeichnen konnte. Hier gibt es deshalb auch nicht die wilden Schiessereien, Duelle und Verfolgungsjagden zu sehen sondern einen realistischen Einblick in eine andere Zeit, der die Gefahren, Entbehrungen und auch die Anziehungskraft und Schönheit dieser neuen Welt sehr gut transportieren kann.
Massgeblichen Anteil an der positiven Wirkung des Film auf mich als Zuschauer haben verschiedene Faktoren.
Zuerst wäre da mal ein Drehbuch, dass es locker schafft die ersten etwa 2/3 Drittel der Spielzeit zwar grösstenteil aktionsarm, dafür immer unterhaltsam und gespickt mit interessanten Details, zu einem wirklichen Höhepunkt zu führen und dabei auch noch mit kleineren Überraschungen aufwartet.
Mit den Überraschungen meine ich u.a. die Tatsache, dass man natürlich nach den Morden an Johnson`s Familie erwartet, dass dieser Rache nimmt.Überraschend war allerdings, dass die Rache relativ schnell befriedigt war und Johnson plötzlich auf eine ganz spezielle Art zur begehrten Trophäe der Crows wird.
Als weiterer absoluter Plus-Punkt erweist sich speziell im Schlussdrittel die Kameraarbeit. Bereits im Rest den Film wurde die nahezu überwältigende Natur grandios dargestellt, gegen Ende geht die Landschaft aber eine perfekte Partnerschaft mit den Geschehnissen ein, als z. B. der erste einsame Indianer wortlos durch die Winterlandschaft auf den angelnden Johnson zureitet und es dann zu einem wortlosen aber intensiven Kampf kommt.
Auch wenn es sich hier um einen der früheren Spielfilme von Regisseur Sydney Pollack handelt zeigen sich schon einige seiner Qualitäten, die Jahre später mit "Jenseits von Afrika" ihre volle Blüte entfalten konnten.
Überraschenderweise kann sogar Robert Redford als einsilbiger Mountain Man überzeugen, obwohl er mir im Vorfeld nicht gerade als bester Kandidat für eine solche, auch action-Anforderungen genügende, Rolle erschien.
Der Rest vom Cast agiert ebenfalls ok, wobei neben Redford eingentlich bloß Will Geer in Erinnerung bleiben dürfte.
Interessant dürfte noch sein, dass "Jeremiah Johnson" bis vor wenigen Jahren nur geschnitten hierzulande veröffentlicht wurde. Mir war bis zum heutigen Tag nur die vor Jahren im TV gesehene Fassung bekannt, inzwischen ist aber auch hierzulande die Originalfassung erhältlich, die aber durch keinerlei zusätzliche Gewalt- oder sonstwie anstössige Szenen ergänzt erscheint.
Die Unterschiede beziehen sich lediglich auf Szenen, die der Charaktervertiefung dienen aber trotzdem entscheidende Auswirkungen auf das Erleben des Films haben.
Durch die fehlenden Szenen in der bisherigen Fassung war der Streifen insgesamt ca. 15 Minuten kürzer und wirkte dadurch auch etwas straffer und kompakter - für ein breiteres Publikum dadurch auch etwas attraktiver.
Die Originalfassung ist länger, macht Johnson`s Charakter und auch seine Beweggründe deutlicher, zieht den Film aber auch im Hinblick auf die actionmässigen Schauwerte etwas in die Länge.
Welche Fassung die bessere ist vermag ich nicht zu beurteilen. Ich kenne und liebe die gekürzte Fassung, allerdings halte ich es für durchaus gut und interessant die Originalfassung einmal gesehen zu haben!
In Deutschland existiert neben der im TV gezeigten geschnittenen Fassung seit einigen Jahren eine DVD der Originalversion, die der mir vorliegenden US-DVD entsprechen soll.
Achtung!!
Die US-DVD sowie deren dt. Pendant wurden für das DVD-Release nicht digital remastered und die Bildqualität der mir vorliegenden DVD entspricht gerade mal gehobenen VHS-Ansprüchen, was der Film absolut nicht verdient hat!!!
Fazit: "Jeremiah Johnson" ist ein sehenswerter Neo-Western, der zwar keinen Klassiker-Status erreichen konnte, den ich persönlich aber immer wieder gerne sehe (in der gekürzten Fassung)