“Hochmut kommt vor dem Fall“
Als Mrs. Crawford am Abend von einem Rendezvous mit ihrem Liebhaber nach Hause kommt, wartet ihr Ehemann (Anthony Hopkins) bereits auf sie. Begrüßung und anschließendes Gespräch fallen wenig herzlich aus und lassen auf eine schon länger abgekühlte Beziehung schließen. Kurz darauf schießt Crawford seiner Frau aus nächster Nähe eine Kugel in den Kopf. Lebensgefährlich verletzt, fällt sie ins Koma. Crawford stellt sich daraufhin den Behörden und legt ein umfassendes Geständnis ab.
So beginnt der neue Film von Gregory Hoblit (Das Tribunal, 2002). Und wer sein Erstlingswerk Zwielicht (1996) kennt weiß, das ist erst der Anfang.
Der ehrgeizige und erfolgsverwöhnte Staatsanwalt Willy Beachum (Ryan Gosling) steht trotz seiner jungen Jahre kurz vor dem Sprung in die finanziell weit lukrativere Privatwirtschaft. Gelangweilt übernimmt er den vermeintlichen Routinefall, überzeugt, dass es nie zur Verhandlung kommen wird. Als Crawford bei der Vorverhandlung plötzlich auf „Nicht schuldig“ plädiert und seine eigene Verteidigung übernimmt, beginnt es Bleachum zu dämmern, dass er Fall wie Gegner unterschätzt hat. Spätestens mit dem Fehlen der Mordwaffe - obwohl Crawford das Haus nach dem Schuss nicht verlassen hatte - sowie dem Wegbrechen seines Hauptbelastungszeugen, entwickelt sich die Angelegenheit zu einem Albtraum.
Die Einführung der beiden gegensätzlichen Protagonisten in nur wenigen Minuten ist eine Stärke Hollywoods. Mit nur wenigen prägnanten Einstellungen und Accessoires skizziert Hoblit den Flugzeugingenieur Ted Crawford als luxusverliebten (450.000 Euro teurer Porsche Carrera GT, edel ausstaffierte Designer-Villa) und hochintelligenten Kontrollfreak (selbst gebaute Rube-Goldberg-Maschine) sowie Junganwalt Willy Bleachum als selbstverliebten, betont lässigen (flapsige Sprüche) Individualisten (top gepflegter 60er Jahre BMW) und Gewinnertypen (93% Erfolgsquote). Bereits das Aufeinanderprallen dieser unterschiedlichen Charaktere verspricht spannende Unterhaltung und macht neugierig.
Ein perfektes Verbrechen lebt dann auch weniger von Hochspannung und überraschenden Twists (wie Hoblits themenverwandter Justizthriller Zwielicht), sondern vielmehr von der Konfrontation der beiden Hauptakteure. Einem Kammerspiel gleich entwickelt sich ein Katz-und-Maus-ähnliches Psychoduell, bei dem der jüngere Bleachum lange Zeit erhebliches Lehrgeld zahlen muss. Staatsanwalt und Angeklagter liefern sich einen zermürbenden Abnutzungskampf. Wie zwei Schachprofis versuchen beide, den jeweils nächsten Zug des Gegners vorauszusehen und ihn letztlich Schachmatt zu setzten.
Dass dieses Konzept für den Zuschauer bis zum Schluss aufgeht, liegt eindeutig an den hervorragend agierenden Darstellern. Oscarpreisträger Anthony Hopkins hat ja bereits Erfahrung mit hochintelligenten Psychopathen (drei Auftritte als Hannibal Lecter) und spielt Crawford gewohnt souverän mit einer Mischung aus Bedrohlichkeit, Gelassenheit, kühler Präzision und gewitzter Schlagfertigkeit. Jungstar Ryan Gosling (Oscar-nominiert für Half Nelson, 2007) gelingt das Kunststück, neben dem Ausnahmemimen Hopkins zu bestehen. Wie er sich im Verlauf der Handlung vom arroganten-schnöseligen Sieger über zahlreiche Demütigungen und Nackenschläge schließlich zum geläuterten und sich auf seine Stärken besinnenden, ebenbürtigen Gegner mausert, ist allemal das Eintrittsgeld wert.
Die beste Szene findet sich in der Mitte des Films. Crawford hat Bleachum die Anklageschrift zurückgeschickt, woraufhin dieser den Mordverdächtigen im Gefängnis aufsucht. Bei dem sich entwickelnden verbalen Schlagabtausch erkennt Bleachum, dass er den Flugzeugingenieur unterschätzt hat und beginnt zu begreifen, dass er lediglich ein Puzzleteil in einem minutiös geplanten Verbrechen ist. Der folgende Dialog steht stellvertretend für das Psychoduell der beiden:
Crawford: „Jeder Mensch hat eine Schwachstelle, Mr Bleachum.“ Auf Bleachums Frage „Und was ist meine?“ antwortet Crawford süffisant lächelnd: „Sie sind ein Gewinner, Willy!“
Bleachum bleibt nichts als ein verblüfftes Grinsen. Die Runde ging an Crawford.
Mit Das perfekte Verbrechen gelang Regisseur Gregory Hoblit nach Zwielicht erneut ein großer Wurf im Justizthriller-Genre. Wiederum lässt er einen etablierten Starschauspieler (damals Richard Gere, hier Anthony Hopkins) gegen ein hoffnungsvolles Jungtalent zum Charakterduell antreten. Wie einst mit Edward Norton (American History X 1998, Fight Club 1999) in seiner ersten Filmrolle, gelingt es Hoblit auch mit Ryan Gosling, seinem Jungstar eine Spitzenleistung herauszukitzeln. Beide Filme leben vom Duell ihrer ebenbürtigen Hauptdarsteller.
Der finale Auflösung bleibt bis zum Schluss offen und ist vorher kaum zu erraten, steht allerdings auch nicht im Zentrum des Interesses. Die Handlung wird schnörkellos erzählt, so dass nie Langeweile aufkommt. Die Charakterzeichnung ist Hollywood-typisch knapp gehalten, ohne allzu oberflächlich zu wirken. Über die bloße Unterhaltung hinaus erhält man interessante Einblicke in das doch recht komplizierte US-amerikanische Justizsystem. Alles in allem ein rundherum gelungener Genrebeitrag, der jedem Thrillerfreund uneingeschränkt zu empfehlen ist.
Fazit:
Das perfekte Verbrechen ist ein von Genreprofi Gregory Hoblit (Zwielicht) souverän inszenierter Justizthriller Marke Hollywood. Nach kurzen aber prägnanten Charaktereinführungen lässt er den Zuschauer schnell in die Untiefen eines vermeintlich klaren Mordfalles eintauchen.
Die Stärken des Films liegen weniger in knisternder Spannung - die sich eher schleichend entwickelt - , als vielmehr in einem packenden Psychoduell der beiden Protagonisten. Von Altmeister Anthony Hopkins (als angeklagter Mörder) und Jungstar Ryan Gosling (als arroganter junger Staatsanwalt) fulminant gespielt, entwickelt sich ein wendungsreiches Katz-und-Maus-Spiel, das den Zuschauer bis zum überraschenden Schluss in Atem hält. Absolute Empfehlung für Freunde des anspruchsvoll-unterhaltsamen Thrillers.
(8,5/ 10 Punkten)