Selbstironie ist eine seltene, wie wichtige Eigenschaft, welche leider viel zu wenig Menschen besitzen. Betrachtet man die Schauspieler Hollywoods, wird diese Eigenschaft noch seltener. Die meisten dieser doch eigentlich vom Glück verwöhnten Personen sind auf ihr Image bedacht und gelten nicht selten als selbstverliebt und eingenommen, was ihr Schaffen angeht. Bruce Campbell, seines Zeichens einer der beliebtesten B-Darsteller unserer Zeit, geht da einen anderen Weg. Selbstironie hat er scheinbar mit der Muttermilch aufgesogen, schließlich veröffentlichte der Star aus den "Evil Dead"-Filmen (und vielen ebenso unterirdischen, wie witzigen anderen Streifen) eine Autobiografie mit dem Namen "If chins could kill: Confessions of a B Movie actor". Doch damit nicht genug, jetzt gibt es also auch einen Film, in dem er sich selbst, ungeschönt (eher im Gegenteil hoffentlich) spielt. Folgerichtig heißt das Werk "My Name is Bruce".
Dabei lässt er kein gutes Haar an sich und seinem Schaffen. Viele seiner erfolgreichen, aber auch weniger erfolgreichen Filme werden zitiert oder erwähnt. Der Film quillt dabei nur so über vor Referenzen, und richtet sich damit an eine nicht unbedingt kleine Anzahl an Filmfreunden: Den Fans von Bruce Campbell! Für diese ist der Film eine wahre Wonne, denn bei der Masse an versteckten Anspielungen ist es schon eine Aufgabe alle zu entdecken, zu identizieren und einzuordnen. Dabei geht Campbell nicht zimperlich mit sich selbst um, sondern zeichnet sich selbst als zynischen, abgebrannten und versoffenen Schauspieler, der nicht nur beruflich auf keinen grünen Zweig kommt, sondern auch privat viele Probleme hat und zudem auch seine Fans nicht gerade gut behandelt. Gerade Szenen, die dies thematisieren machen dem Fan Spaß und belegen deutlich, dass sich Bruce Campbell nicht allzu ernst nimmt und einen ausgeprägten Sinn für Humor hat.
Verpackt wird dieses selbstreferenzielle Konstrukt in eine Story, die an Filme wie "Drei Amigos" oder "Galaxy Quest" gemahnt, und ist also eigentlich nicht originell. Eine Kleinstadt wird von einem chinesischen Dämon terrorisiert, der mit Vorliebe die Köpfe der Einwohner abtrennt. Ein glühender Bruce Campbell-Fanatiker entführt kurzerhand seinen großen Helden, damit dieser sich dem Dämon stellt. Bruce, ganz arrogant, nimmt die Bedrohung nicht ernst, sondern denkt, dass er einen Auftritt hat. Als er dann merkt, dass mit dem Dämon nicht zu spaßen ist, nimmt der "Held" schnell reißaus...
Auch wenn die Story nicht originell ist und auch die eingeflochtene Liebesgeschichte nicht Pulitzer-verdächtig ist, wirkt der Film jederzeit frisch und zu keiner Zeit langweilig. Dies liegt ganz klar an der One-Man-Show von Mr. Campbell, der immer noch genauso witzig ist, wie zu besten "Evil Dead 2" oder "Armee der Finsternis"-Zeiten. Doch auch die anderen Darsteller wirken frisch, gut und unverbraucht. Ein gutes Beispiel ist dabei die bezaubernde Grace Thorsen, die nicht nur Bruce Campbell um den Finger wickelt, sondern mit ihrer natürlichen Aura auch den Zuschauer verführt.
So ist "My name is Bruce" ein rundum rundes, wie ungewöhnliches Filmvergnügen mit einem gut aufgelegten Hauptdarsteller, einer erfrischenden Besetzung und guten Special Effects. Fanboys sollten sich diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen, denn mehr Bruce Campbell geht einfach nicht. Dass sich diese Ikone des B-Filmes auch auf den Arm nehmen kann und dabei viele selbstironische Seitenblicke zulässt, ist dabei das Sahnehäubchen, das aus einem guten Film einen sehr guten macht. So entstand nach "Bubba Ho-Tep" ein weiterer Volltreffer mit Mr. Campbell. Man fragt sich, warum Mainstream-Hollywood nicht öfter auf die Qualitäten von Bruce Campbell zurückgreift, der nach seiner Trademark-Rolle als Ash aus den "Evil Dead"-Filmen auf billige Horror-/Trashfilme festgelegt wurde und doch so viel mehr kann. Vielleicht erbarmt sich Sam Raimi ja noch mal und versteckt seinen guten Freund nicht in winzigen (wie köstlichen) Nebenrollen seiner "Spider-Man"-Filme sondern zimmert ihm die große Bühne, die ihm eigentlich zusteht. Diesem witzigen, wie talentierten Menschen wäre es eigentlich zu wünschen!
Fazit:
9 / 10