Erdmännchen-Swing im Renard Rouge: Langsam pirscht sich die Kamera zur Bühne des Tanzetablissements. Alles swingt und groovt. Im Vordergrund die Band, die den munteren und zum Mitwippen einladenden "Erdmännchen"-Song darbietet. Dahinter auf dem Podium die sechs Mädchen von der Guntersblumer Tanzformation "Magic Moves" am Performen. In der Runde sich dazu gesellend die Füchsin, Céline, die Attraktion des Lokals. Dieser Vorspann macht Spaß und scheint bis ins Mark einstudiert. Zuvor wurde ein Ritus vorgestellt, der sich in Gang setzt, wenn irgendjemand Toni Oswald ans Bein pinkelt. Toni Oswald ist der Pate des Renard Rouge und Ehemann des Tanzstars Céline. Sein Zahnarzt hatte ihm kürzlich den falschen Zahn gezogen. Beim Verhör setzt es darob rituelle Schläge. In einer Einstellung, die das Opfer von hinten zeigt, fängt es einen von links, dann einen von rechts und Oswald stülpt seinen Hut übers Haupt. Auch dies ist ganz genau durchchoreographiert.
Im unmittelbaren Vergleich mit Dennis Knickels Debüt, dem Kurzfilm "Die Treppe", ist der "Füchsin" ein immenser technischer Fortschritt anzusehen. Autodidakt Knickel hat fleißig dazugelernt; Licht, Ton, Kamera, Schnitt - all das hat einen gediegenen Standard erreicht. Mit dem Einhergehen von Solidität scheint leider jedoch auch etwas Unverzagtheit eingebüßt. So verliert sich die zunächst noch um Bewegung bemühte Kamera alsbald in Statik. Dies ist der Szene vor allem dann nicht zuträglich, wenn sie von Theaterschauspielern zu beleben versucht wird. Das Spiel ist nicht schlecht - gerade Lothar Wirth kann als Toni Oswald Akzente setzen -, zeugt allerdings latent von Staksigkeit und lässt einen Dialogvortragscharakter durchschimmern, der sicherlich auch einem Drehbuch geschuldet ist, für dessen Zeilen die Luft für kaum mehr als diese fünfundzwanzig Minuten gereicht hätte. Mal ist es wirklich ganz frech und komisch: "An ihrer Tür steht Céline?" - "Ja, und unten drunter ’privat’.", muss dann aber noch weniger originell überziehen: "Ist das ihr Nachname oder teilen sie sich die Garderobe mit einer Freundin?" Hm.
Die Handlung selbst, eine Gangsterkurzgeschichte angesiedelt in den dreißiger Jahren (wahrlich beachtlich ist die Requisite, inklusive Oldtimer!), weiß mehr zu gefallen, als sich eingangs vermuten lässt. Denn nach kaum einer Minute gibt es die erste gebrochene Nase. Und hierbei bleibt es nicht. Immer mitten in die Fresse rein heißt es die ganze erste Halbzeit über. Die Bemühung um Skurrilität ist Knickel jederzeit anzusehen und das ständige Nasenbrechen dabei befremdet sehr, geschieht tatsächlich und glücklicherweise aber nicht nur des grotesken Runninggags wegen. Am Ende haben wir dann wirklich einen ausgebufften Kurzfilm gesehen, der sich stilistisch und inhaltlich vor Mobster-Genre und Film Noir verbeugt, ihnen nacheifert und es schließlich vermag, selbst ein neues Kapitel, wenn auch ein ganz kleines, dazuzudichten.