Review

Niemand hat ernsthaft etwas Umwerfendes erwartet!
Nicht beim vierten Teil der „Saw“-Filmreihe, die alljährlich eine weitere Folge auf den Markt erbricht, weil die ursprünglich reizvolle Idee einer sadistischen kleinen Nervenmühle im weiteren Fortsetzungsverlauf wie üblich langsam aber sicher zu Tode geritten wurde, wobei die schlüssige Rätselstimmung zugunsten von Dauerverwirrung und erhöhtem Ekelfaktor aufgegeben wurde.


Zum dritten Mal in Folge heißt es jetzt also Darren Lynn Bousman am Ruder und da kann man natürlich erwarten, daß der bisherige Macher auch jetzt alle Fäden in der Hand behält.
Das würde für die Genrefans bedeuten: viele fiese Todesfallen, einige moralische Lektionen über das Leben, etwas Gore und ein sauberer Schlußtwist, der auch beim vierten Aufguß alle uninspirierten Allesfresser wie ein Autobus überfährt.

Um es kurz zu machen, das alles ist auch in „Saw IV“ irgendwie enthalten, insofern werden sich die Die-Hard-Fans der Reihe ohne weiteres auch an diesem Film wieder erfreuen können.
Aber inzwischen haben die Macher um Bousman sich selbst ein Bein gestellt, indem sie angekündigt haben, bis Teil 6 munter weiterzumachen, Ideen und Drehbücher schon mikrowellengerecht aufbereitet, alles inclusive.

Mag so ein Plan bei einer TV-Serie noch funktionieren, im Kino verwandelt sie eine Franchise automatisch in einem Zwischendurchsnack ohne sättigende Wirkung.
Und so merkt man „Saw IV“ dann auch in jeder Phase an, das es sich um ein Füllsel, einen Übergangsfilm handelt, der zwar auf das Übliche unterhalten soll, aber natürlich reichlich Fußangeln und rote Heringe samt offenen Handlungssträngen für Teil 5 auslegen muß, damit auch alle am nächsten Halloween wieder in die US-Kinos laufen.

Daß das so deutlich spürbar ist, raubt dem Geschehen reichlich an Bedeutung und gibt dem Film den Anstrich eines Vorwärmers. Denn nach dem Tod des Moralkillers „Jigsaw“ am Ende von Teil 3 muß ein neuer Ausgangspunkt her und den liefert man dann auch in Teil 4, obwohl die Zahl hinter dem Titel fast schon der größte Twist hier ist.

Generell ist die Idee jetzt sowohl etabliert wie abgenutzt, man kennt das Prinzip und wartet nur darauf, wie man als Zuschauer und wie die Figuren im Film wieder aufs Glatteis geführt werden. Doch auch hier wird der mehrfach erzählte Witz langsam schaler mit jeder Neuauflage.

Natürlich wird hier neues Kanonenfutter in die Löwengrube geworfen: ein Polizeibeamter mit Rettungstick, der einen Fallen-und-Opfer-Parcours durchlaufen muß; zwei FBI-Beamte auf heißer Spur, ein weiterer Polizeiermittler, der buchstäblich unter Strom steht und nicht zuletzt der lang vermißte Donnie Wahlberg als Inspektor Matthews (aus „Saw II“) ist auch dabei.
Jigsaw ist zwar tot, aber Fallen gibt es genug und man darf natürlich darauf herumkauen, wer denn diesmal sich die fiesen Sachen ausgedacht hat. Am Ende gibt’s da zwar eine kleine Überraschung (die sich eher auf die zeitliche Einordnung der Ereignisse bezieht, als auf den Täter), jedoch bleiben die meisten Fragen offen wie ein Scheunentor, da hilft auch wenig die Hinzuziehung von Jigsaws Exfrau. Ein paar Rückblenden werfen endlich ein ordentliches und klareres Bild auf den Killer und diese ruhigen Momente sind dann auch das Beste am Film.

Der ganze Rest ist reiner Standard, aber leider diesmal ohne Gefühl für langsames Anziehen der Spannungsschraube fragmentarisch inszeniert und chaotisch durcheinander geschmissen. Suspense gibt es da wenig, immer wieder verliert man Figuren aus dem Blick und ist dann überrascht, wenn die Story zu ihnen zurück kehrt.
Das ist aber wenig verwunderlich, denn sorgte man sich in Teil 1 und 3 wenigstens um einen Teil der Betroffenen, sind einem fast sämtliche Charaktere herzlich scheißegal, sind sie doch durch die Bank weg alle unsympathisch. Der finale Twist rund um eine großangelegte Falle ist zwar nett konstruiert, doch leider sind a) die Fallen allesamt teilweise so unübersichtlich, daß man kaum sieht, was vorgeht und b) wird der Ausgang der Falle praktisch mittels eines Dialogsatzes in den ersten 5 Minuten vorweg gegeben, wenn man seine fünf Sinne beisammen hat.

Dazu ist das alles überhektisch gefilmt, als müsse man die buchstäbliche Einfallslosigkeit nun auch durch Stakkatoschnitt kaschieren. Immerhin, der Gorefaktor hat sich nicht erhöht, allerdings ist die Obduktion Jigsaws zu Beginn des Films wirklich ein harter Brocken – extrem lecker in allen Belangen.

Letztendlich ist „Saw IV“ ein typisches Fertigprodukt geworden, Massenware, Fast Food. Die Franchise läuft nur, weil sie eben läuft und auch wenn die Schlangen vor den Kinos kürzer werden, für weitere zwei Teile wird es noch reichen, allein weil das Ende die Neugier lockt.
Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, das den Machern die Ideen ausgegangen sind, schematische Wiederholung bekannter Muster heißt jetzt die Devise, die Pappcharaktere werden zunehmend austauschbarer.
Der Produktionsstandard ist immer noch erstaunlich hoch und das sadistische Potential hat noch immer seinen Reiz, doch das kann nicht darüber hinweg täuschen, das die Reihe inzwischen so mechanisch ist wie die stupiden Mordmaschinen, die der Killer hier ständig ausheckt. (4,5/10)

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