Plattformen wie Youtube reizen die Werbestrategen dazu und Trent Reznor präsentierte im letzten Jahr wohl die umfangreichste Schnitzeljagt unter dem Banner des viralen Marketings. Doch auch Cloverfield versuchte so auf sich aufmerksam zu machen. Das wäre mir wunderprächtig am Gesäß vorbeigefluppt, wäre da nicht die Diskussion aufgekommen, welches Monster da durchs Kleefeld huschen könnte. Godzilla kam da irgendwo zur Sprache, doch nach einem enttäuschenden US Remake, das noch unnötiger war als Peter Jacksons King Kong Adaption, war daran nicht zu denken.
So harrte man der Dinge, bis es ins Kino gehen sollte, schließlich hat man als kleiner Steppke durchaus ein Faible für diese Gummimonster mit Zerstörungswut gehabt. Als Double Feature mit John Rambo konnte man da ja auch kaum etwas falsch machen. Im Gegenteil! Schließlich befand ich Cloverfield sogar knapp für den besseren Film des Abends. Und das, obwohl Cannibal Holocaust (für jüngere Generationen meinetwegen Blair Witch Project) schon Jahre zuvor alles gezeigt hatte, was man von einem Film mit wackeliger Handkamera so herauskitzeln kann. Naja nicht ganz. Zum einen passt Cloverfield wie die Faust aufs Auge in Sachen Zeitgeist, wo doch praktisch jeder eine Videocam im Mobiltelefon und jeder dritte zumindest eine billige Videocamera besitzt, zum anderen, weil tatsächlich eins noch nicht ausgelotet wurde und das war die Quasi - Froschperspektive gegenüber einem riesigen Ungetüm, das New York in Schutt und Asche legt. Wohl makaber von den vielen 9/11 Augenzeugenberichten inspiriert, belasten die Bilder den Sehnerv aber weniger schmerzhaft als kürzlich die wackligen Shoots aus 28 Weeks Later oder Alien vs. Predator 2. (Wo wir gerade bei Innovation waren...)
Der Dramatik ist das gewählte Format natürlich eher zuträglich. Zunächst lernen wir über die Heimvideoausschnitte einen intimen Kreis kennen, ein Erdbeben erschüttert die Stadt, langsam muß die Bedrohung erst ausgemacht werden und dann geht es ums Überleben. Und die Liebe ist mal wieder schuld daran, daß das Leben mehr als nötig aufs Spiel gesetzt werden muß. Mit einer recht kurzen Spielzeit von knapp 85 Minuten ist Cloverfield dann auch gerade so nicht zu lang. Dabei bleiben allerdings noch ein paar Fragen offen, die man nun wahlweise über beliebig viele Perspektiven oder ein endgültiges Sequel aus militärischer Sicht aufklären könnte. Gesünder wäre es vermutlich aber, den Film für sich stehen zu lassen.
Einige Ungereimtheiten bleiben bei einem Film, der eine Kontinuität aufgrund des eingeschränkten Blickwinkels erzwingen muß, natürlich nicht aus. Insbesondere Kernfragen gegenüber, wie eine Consumer - Cam den Dolby Surround Sound einfängt, ob es nicht schlauer wäre hinter der Cam zu laufen, wenn diese die einzige Lichtquelle ist oder warum das Militär das Gerät nicht konfisziert, muß man dem Filmgenuß zu Gute auf Durchzug stellen. Wer auf klassische Monsterstreifen steht, sollte dazu wohl in der Lage sein.
Das Szenario Monsterbedrohung und improvisierte Militärbasis oder die rasanten Kleinmonster, auch diese Elemente meint man schon in anderen Filmen gesehen zu haben. Das nimmt man jedoch gern in Kauf, für das, was Cloverfield im Endeffekt erzeugt, nämlich Unterhaltung. Und das einen Hauch frischer als manch anderer aktueller Film. Dafür würde Cloverfield von mir noch keinen Preis bekommen, aber eine Empfehlung. Sollte man mal gesehen haben.