Review

Ach wie schön, dass man mich immer noch positiv überraschen kann.

Nun gut, ich gebe zu dass meine Erwartungen bezogen auf „Tropic Thunder“ sowieso schon recht hoch waren. Doch bei einem Ben Stiller Film weiß man ja nie. Klar, „Meine Braut …“ war schon ganz nett – aber der absolute Brüller war das nicht. Und schaut man sich den Rest „seiner“ Werke an, zieht sich das filmische Fastfood-Gefühl wie ein roter Faden durch seine Filmografie. Keiner war wirklich schlecht, aber leider blieb auch keiner wirklich lange in der Erinnerung haften.

Jetzt also seine neueste Regiearbeit und gleichzeitig eine Persiflage auf den Kriegsfilm (insbesondere Vietnam-Flick) im speziellen und den Hollywood-Betrieb an sich. Schon die Einleitung mit perfekt inszenierten, angenehm trashigen Trailern zu den Werken der jeweiligen Darsteller, gibt die Richtung vor (genial: Toby Maguire, MTV-Award für den „Besten Kuss“ – ich bin abgebrochen!). Dann folgt ein ebenso übertrieben brutal inszenierter, wie perfekt karikierender (eben) Vietnam-Film, der zuletzt auch noch die berühmte Szene aus Platoon eins-zu-eins nachstellt und ein Lächeln in das Gesicht des heutzutage schwer gebeutelten Cineasten zwingt.

Wie viel Realität steckt in Hollywood?

Das stringente Element des Films ist die Verwässerung der Wirklichkeit durch Hollywood-Elemente. Die Schauspieler mitten im Dschungel auf sich allein gestellt – und erkennen es nicht. Ben Stiller redet dauernd davon, man müsse sich „so und so“ inszenieren um den Kameras die besten Bilder zu liefern. Ohne zu wissen, dass sie längst auf dem falschen Weg sind und zwar keine Kameras aber immerhin wilde Drogenguerillas sie beobachten. Hier werden sämtliche Starallüren aufs köstlichste durch den Kakao gezogen, etwa der einzig schwarze Darsteller des Ensembles der (trotz Herkunft aus der Rap-Szene) längst nicht an Black-like-coolness an den eigentlich weißen Method-Actor heranreicht (was dieser ihm auch mehr als einmal deutlich macht). R. Downey junior hat hier definitiv seine beste Rolle seit „Kiss kiss bang bang“. Selten sah ein weißer so schwarz aus. Um nicht zu sagen: nie sah ein Schwarzer so schwarz aus. Respekt an die Maske (hör ich da irgendwo „Oskar“ ?).

Es gibt viele Gründe warum ich „Tropic Thunder“ nicht nur genossen, sondern regelrecht geliebt habe beim ansehen. Die Darsteller, die allesamt, hätte ich sie nicht schon vorher gemocht, ihren Weg direkt in mein Herz gespielt haben, die Kunst, selbst vielgehassten Arschkrampen wie Tom Cruise (wiederum geniale Maske – es dauerte eien ganze Zeit bis ich ihn erkannte) einen Sympathiebonus zu bescheren und nicht zuletzt die aufwendige Inszenierung und die ausgewogene Mischung zwischen infantilem „Naked Gun“ Humor und treffsicherer Film-Biz-Parodie.

Es bleibt mir eigentlich nicht mehr zu sagen als:

Für euch: ANSEHEN!

Für mich: WANN KOMMT ENDLICH DER DIRECTOR´S CUT !?!

8,5/10

PS: Apropos Diskussion (ihr habt ja alle die Beschwerde von Behindertenverbänden mitbekommen, oder ?) - schauen diese Leute heutzutage kein Fernsehen mehr? Ich meine, etwa Southpark und Drawn Together spielt doch in einer ganz anderen Liga der (perfekten) Geschmacklosigkeit - zudem hat sich soweit ich weiß, bei Forrest Gump (der offensichtlich als Pate stand) niemand beschwert.

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