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Es ist kein Zufall, dass nach der letztjährigen Weltraumschlacht aus dem Hause Lucasfilm, dem berauschenden „Rogue One: A Star Wars Story", nun, mit „Star Wars: The Last Jedi", wieder ein neuer, alter Kurs gesteuert wird. Denn das für das Franchise die Strippen ziehende Disneysche Filmimperium kennt seine Pappenheimer. Und es weiß, wie man möglichst alle Mitglieder der potentiellen Fan-Gemeinde zum alljährlichen Gottesdienst abholt. Zum Beispiel, indem man zweigleisig fährt - und Auswahl bietet. Da ist die originale, eigentliche Reihe der mitunter ikonischen „Episoden", und da sind die nun wohl ebenfalls im Zweijahrestakt vom Stapel gelassenen Spin-Offs, die das märchenhafte Universum der Sternenkriege erweitern und vertiefen und einträglicher machen. Da sind nämlich solche, die ihre mit „Star Wars" verbrachte Kindheit zu einem gesunden Teil hinübergerettet haben in ihr Erwachsenendasein und die es der Reihe getreulich nachsehen, wenn sie sich sozusagen etwas kindhaft geriert. Und da sind wiederum andere, die Vorschusslorbeer und Fanboytum beiseite lassend, ganz unnostalgisch einen tollen Science-Fiction Film sehen wollen. Vielleicht sogar einen, der juveniles Gemüt (gleichmütig) mit einem ausgereiften Gepräge kombiniert. Doch so ein Film ist „Star Wars: Episode VIII" nicht. Beinahe kindlich naiv wird sich hier ein zwar durchaus unterhaltsamer Schlagabtausch zwischen Gut und gar nicht Gut geliefert, der erzählerisch allerdings (einmal mehr) nicht allzu viel Neues zu bieten hat.

Am Anfang war das (Schnell-)Feuer - und die Prämisse. Doch die zündet bei „Star Wars: The Last Jedi" nicht ganz so, wie man sich das als kritischer Freund der Reihe gerne vorgestellt hätte. Wie schon in „The Empire Strikes Back" gesehen, flieht die Rebellion (aka der Widerstand) eingangs vor den sich nähernden überlegenen Kräften des Imperiums (aka „Die erste Ordnung"). Unerfreulich neu ist nun, dass man sich nicht einfach in den Hyperraum flüchten kann vor der Bedrohung. Denn die Schufte des Lord Snoke und seines Adlaten Kylo Ren (wieder toll gespielt vom eigentlich aus dem Substanz-Kino stammenden Adam Driver) verfügen über ein Gerät, das den Feind selbst bei Lichtgeschwindigkeit zu orten vermag. Im Gegensatz zum Publikum bieten sich den Helden im Film nun nicht viele Optionen. Sich in den Tiefen des Alls zu verstecken, ist (vorübergehend) nicht (mehr) möglich. Nur bei vollem Schub knapp außerhalb der Reichweite imperialer Waffen zu bleiben, sichert wenigstens für ein paar Stunden das Überleben. Also, und das ist das Gerüst des Films, liefert sich Gut mit Böse ein Elefantenrennen durch den Weltraum, in der Hoffnung, dass es einem Teufelskerl gelingt, die Vorrichtung Snokes außer Betrieb zu setzen. Und im etwas drögen Oscar Isaac hat sich so jemand auch schon gefunden. Doch die Zeiten Testosteron induzierter Männlichkeit sind in den Tagen Donald Trumps womöglich (vorübergehend) vorbei. So bedarf es gegebenenfalls einer besonnenen Geistesarbeiterin, ganz unprätentiös und doch aristokratisch den Tag zu retten.

Rundum gelungen ist „Looper"-Regisseur Rian Johnson dreierlei. Die Visualisierung der von ihm übernommenen Arbeit, der einfallsreiche Schluss und der Unterhaltungswert des Disputs zwischen Poe Dameron (Oscar Isaac) und dem befehlshabenden Offizier auf der Brücke, dem weiblichen Admiral Holdo (Laura Dern). Es wirkt wie eine bewusst angestellte Analogie zu dem, was derzeit in der Wirklichkeit passiert, wenn hitzköpfige Männer in Führungspositionen Dampf ablassen. Ob Frauen im echten Leben an deren statt weniger launisch wären, mag zwar (lieber) dahingestellt bleiben, doch belebt das Hin und Her zwischen den beiden einander widersprechenden Persönlichkeiten die ansonsten etwas bemühte Dramaturgie des Films. Dass neben der chromosomalen Frage nach der strategischen Vernunft auch sonst dieser Blockbuster politisch dezent daherkommt, stand zu erwarten. So werden bei grobem Überschlagen wirklich alle Ethnien (bis auf die Indianer) mit ins Raumschiff geholt und geschäftig in den Fokus gesetzt, damit sich wirklich jeder (und jede) weltweit mitgenommen fühlt. Ein wenig künstlich wirkt das zwar (immer noch), doch ist das die Welt des ausgehenden Jahres 2017. Und die ist nicht nur globalisiert, die ist auch kommerzialisiert. So zivilisiert das ist.

Wo sich allerdings zuletzt „Rogue One: A Star Wars Story" inspiriert seinen Weg durch die Finsternis des Universums bahnte, hat „Star Wars: The Last Jedi" seine uninspirierten Schattenseiten. Zwar sind erneut die Kämpfe von atemberaubenden Trickeffekten und unkonventionellem Waffenspiel aufgewertet, doch ist die achte vollwertige Episode gut fünfzehn Minuten zu lang geraten. Episch soll es sein, was sich da an Geschichte zur Mitte hin Zeit nimmt, doch fällt dadurch nur umso mehr auf, dass die mitunter auch etwas albernen Späßchen, die schon einst die ersten zwei Episoden prägten, auf ein Publikum abzielen, das gewohnt ist, einem umherhüpfenden Ironman zuzugucken. Da fällt der hier als Clown aufspielende Finn (John Boyega) schusselig vom Kranken-Bett, um mit der aus ihm heraussprudelnden Infusionsflüssigkeit für Heiterkeit zu sorgen, und da wuseln wieder einmal die wohl obligatorischen Knuffelviecher umher, die bei Hochgeschwindigkeit an Scheiben kleben oder sich wie die Minions im Cockpit des fliegenden Falken ihren Spielplatz einrichten. Das muss man mögen (Man muss es aber nicht mögen).

Und dann ist da die einnehmende Rey (Daisy Ridley), die als Lehrling all das aufwärmen darf, was vor knappen vier Jahrzehnten Luke Skywalker kosten durfte: Das Erlernen des Gebrauchs der Macht. Nur scheint sie ein wenig vifer zu sein als ihr Mentor, denn sie begreift rascher - sozusagen im Schnelldurchlauf. Für was sich die zu Recht gefeierte Ur-Trilogie viel wertvolle Zeit nahm, muss hier trotz eigentlich vorhandener Erzähl-Ressourcen vorgespulter vonstattengehen. Was vielleicht schade ist, denn bestechend gerät dieser dramaturgische Aufguss hauptsächlich von „The Empire Strikes Back" nicht. Doch wird von dieser (notwendigen) Erkenntnis mit wunderschönen Aufnahmen Irlands und nostalgischer Freude im Angesicht Mark Hamills wohlig abgelenkt. Und das darf ruhig so sein, denn wenn auch zu viel das Imperium zurückschlägt, gelingt es Rian Johnson durchaus, der Geschichte, die er selbst (mit)geschrieben hat, die nötige (zur Mitte hin strapazierte) Kurzweil unterzuheben. Zu erwähnen bliebe, dass auch das Motiv des mit seinen Sehnsüchten ins Dunkle abdriftenden Auszubildenden (???) erneut Verwendung findet. Aber lassen wir die Mäkelei, die ohnehin unter Umständen nur deshalb angezeigt zu sein scheint, weil der Vorgängerfilm des Franchise die Erwartungen so gut wie unerfüllbar in die Höhe schraubte.

„Star Wars: The Last Jedi" überzeugt ebensowenig als (dunkle) Bedrohung wie einst Episode 1 anno 1999. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das von ihren Gegnern wiederholt an der Nase herumgeführte „imperiale" Chefpersonal zu sehr wie ein Karnevalsverein wirkt, dessen hampelige Führungsriege sich gegenseitig beim bunten Kehraus im Weg steht. Und er mag eine kleine Enttäuschung sein, wenn man die erwachsene Märchengeschichte von „Rogue One" vor Augen hat, die selbstredend für sich ins Feld führt, dass sie gar keine echte Fortsetzung ist. Rian Johnsons Film hat seinen Reiz, wenn er auch nicht den alten, neuen Zauber von „Star Wars: The Force Awakens" versprüht. Er ist opulent. Er ist schick. Er ist sympathisch. Er ist gutartig. Und er ist artig.

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