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Staffel 1

In Villefranche, einem kleinen Dorf inmitten eines riesigen Waldgebietes in den Vogesen, gehen die Uhren noch ein bißchen langsamer. Für die wenigen Bewohner genügt daher ein kleinerer Gendarmerie-Posten, in dem Major Laurène Weiss (Suliane Brahim) mit nur drei Kollegen (zwei Altgedienten und einer Polizeischülerin) Dienst tut. Der Teufel steckt jedoch bekanntlich im Detail, und da die Statistik eine deutlich erhöhte Mordrate in dem kleinen ostfranzösischen Örtchen ausweist, kommt eines schönen Tages der Staatsanwalt Franck Siriani (Laurent Capelluto) des Weges, um sich vor Ort selbst ein Bild der Lage zu verschaffen. Dabei lernt er die einzige Kneipe/Bar kennen, das Eldorado, wo er sich vorerst in einem der nicht den allerneuesten Standards genügenden Gästezimmer einquartiert. Von dort aus begleitet er die Polizisten bei Einsätzen, stellt selbst Ermittlungen und Nachforschungen an und gerät bald mit den etwas urtümlichen Verhältnissen von Villefranche über Kreuz. So gehören die meisten Betriebe der Familie des Bürgermeisters Bertrand Steiner (Samuel Juoy), in welcher dessen patriarchalischer Vater Gérald als graue Eminenz das Sagen hat und seine Vorstellungen, wie es im Ort laufen soll, schon mal mittels finsterer Handlanger durchsetzen läßt. Im Gegensatz dazu versucht Bertrand, ein smarter Mittvierziger, den eine lange Freundschaft mit Laurène verbindet, den heiklen Spagat zwischen Familieninteressen und Bürgeranliegen, was ihm mal mehr, mal weniger gelingt. Dabei plagt ihn und seine ihm entfremdete Frau Léa am meisten jedoch die Sorge um ihre seit einem halben Jahr spurlos verschwundene Tochter Marion, die beste Freundin von Laurènes Tochter Cora. Diese wiederum rebelliert altergemäß gegen das Establishment und schließt sich heimlich und von ihrer Polizisten-Mama unbemerkt einer Gruppe Umweltaktivisten an.
Viel zu tun also für die toughe Alleinerzieherin Laurène und ihre Truppe, die oftmals in den tiefen, das Landschaftsbild prägenden Wäldern ermitteln muß und einen ganz eigenen Zugang zu dieser Flora zu haben scheint, seit sie vor 20 Jahren, von Unbekannten entführt, dort eine zeitlang verweilen mußte. Welche Geheimnisse verbirgt der Wald, lebt dort tatsächlich ein mythisches Wesen aus grauer, keltischer Vorzeit?

Die erste Staffel der französischen Krimireihe zone blanche weist schon durch ihren Titel (zu deutsch: Funkloch) darauf hin, daß in dieser speziellen Gegend im Schatten des vieles verdeckenden Waldes manche Dinge möglich scheinen, die man sich rational nicht erklären kann: ob es das Verschwinden von Personen, seltsame Halluzinationen oder ein merkwürdiger Geist ist, der die Menschen beeinflußt, stets streift das Drehbuch an mystische Thematiken an, ohne dabei aber konkret zu werden - im Gegenteil, oftmals präsentiert sich im Nachhinein eine einleuchtende Erklärung für das eine oder andere Phänomen.

In insgesamt 8 Folgen zu je etwa 50 Minuten lösen Major Weiss und ihr kleines Team jeweils neue Fälle, wobei die einzelnen Teile aufeinander aufbauen und stets miteinander zu tun haben. Hauptdarstellerin Laurène, die von Optik und Herangehensweise her ein wenig an ihre dänische Kollegin Kommissarin Lund erinnert, wurde, wie in Rückblenden ersichtlich, vor 20 Jahren im Wald angekettet und konnte sich nur dadurch befreien, daß sie sich selbst 2 Finger absäbelte - mit diesem einprägsamen Erlebnis, das nie aufgeklärt wurde und das sie mit der Schutzbehauptung, ein Wildschwein hätte ihr die Finger abgebissen auch sorgsam verdeckt, scheint sie prädestiniert für die Aufklärung von Verbrechen, die alle irgendetwas mit dem Wald zu tun haben. Eine Baby-Entführung, ein Erpresser, ein Spanner, eine seltsame Höhle und erhängte Leichen gehören neben Mord, Selbstmord und Brandstiftung oder auch sexueller Nötigung zu ihren täglichen Routinen.
Ihre Mitstreiter hierbei sind der von allen nur Nounours (Teddybär) genannte Martial Ferrandis (Hubert Delattre), ein vollbärtiger Riese, der zur Entspannung mit einem Meerschweinchen am Schreibtisch spielt (und dieses zur Not schnell in der Schublade verschwinden läßt) und nebenbei schwul ist, der bodenständige Louis Hermann (Renaud Rutten), ein begeisterter Angler, den auch eine Schußverletzung nicht vom Dienst abhalten kann sowie die stets nervöse und unsichere junge Polizeischülerin Camille, die sich sicher ist, ihre bevorstehende Prüfung nicht zu schaffen und die allgegenwärtigen Raben, von denen sie sich gestört fühlt, am liebsten mit der Dienstwaffe abschießen würde. Dazu gesellt sich noch die Pathologin Leila Barami (Naidra Ayadi), eine stets hellwache und lebenslustige Frau mit nordafrikanischen Wurzeln, die in Villefranche auch gleich noch als Allgemeinärztin fungiert.
Zu diesem nicht sehr homogen wirkenden, aber stets 100%ig zu seiner Chefin stehenden Team gesellt sich nun der stocksteife, äußerlich (allerdings nur äußerlich) an Peter Falks Columbo erinnernde Staatsanwalt Siriani, ein Bürohengst und Paragraphenreiter allererster Güte, dem nie ein Lachen auskommt und der (fast) jede Situation mit einem bemerkenswerten Phlegma durchsteht. Seine lehrbuchhaften Herangehensweisen stehen in deutlichem Kontrast zu dem oft von persönlichen Beziehungen geprägten Ermittlungsverhalten von Laurène und Co.

Neben den üblichen Kriminalfällen unternimmt das Drehbuch auch immer wieder Ausflüge in den ganz normalen (Dorf-)Alltag, beispielsweise wenn die Arbeiter des größten Unternehmens vor Ort, eines Sägewerks im Besitz der Familie Steiner, gegen dessen Schließung protestieren, die jungen Leute der Gegend auf einem Techno-Event tanzen und sich besprechen oder eine konspirativ agierende Gruppe von Umweltschützern, die sich nach einer keltischen Gottheit Kinder von Arduinna nennt, Material gegen die übermächtige Familie Steiner zusammenträgt, was von dieser nicht unbemerkt bleibt und Konsequenzen nach sich zieht. Eine Gemeinderatssitzung, in der es um Grundstücksverkäufe geht, gehören ebenso dazu wie das Geschehen im Eldorado, dessen resolute aber von allen geachtete Pächterin Sabine in Opposition zur Familie Steiner votiert, obwohl die Bar ebenfalls den Steiners gehört.

Mit diesem Mix aus Thriller und Polizeialltag, einigen eingestreuten Dramen, einer Portion Mystik wie auch einer kleinen Prise trockenen Humors weiß die französisch-belgische Serie zone blanche durchweg abwechslungsreich zu unterhalten - auch dank der teilweise durchaus schräg wirkenden und ebenso agierenden Charaktäre, die erfreulicherweise nie die Bodenhaftung verlieren, wird das Zuschauen zum Vergnügen. Diese erste Staffel aus dem Jahr 2017 hat sich daher 8 Punkte verdient.

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