Review

Hollywood Pictures Corporation B-Movie Double-Feature:

Teil 1: The Killer Shrews

Die glorreichen fünfziger Jahre neigten sich bereits dem Ende zu, da befand der Besitzer mehrerer texanischer Radiosender und Kinos, Gordon McLendon, daß die Drive-Ins noch ein für den nationalen Markt konzipiertes Double Feature benötigen würden und gründete die kurzlebige Produktionsfirma Hollywood Pictures Corporation - nicht zu verwechseln mit der Firma, die ihre Lebensspanne über die 30er Jahre mit Filmen wie Son of Ingagi abgeschlossen hatte. Als Co-Produzenten holte er sich dazu den Schauspieler Ken Curtis ins Boot, der zudem in The Killer Shrews eine Rolle übernahm und in The Giant Gila Monster, der anderen Hälfte des Programms, als Stuntman aufgeführt wird. 1959 startete er übrigens auch seine langjährige Figur Festus Haggen in Rauchende Colts.
Die Regie für beide Filme übernahm Ray Kellogg, der im zweiten Weltkrieg unter anderem die Nürnberger Prozesse dokumentiert hatte und später für viele Filme unter anderem der 20th Century Fox im Bereich der visuellen Effekte tätig geworden war. Dazu gehören auch Western wie Der rote Reiter, der Elvis Film Love Me Tender und Streifen mit Jayne Mansfield oder Marilyn Monroe. Das klingt bis hier noch recht glamouresque, doch Kellogg hatte erst im zarten Alter von knapp fünfundfünfzig Jahren das Fach gewechselt, debütierte mit diesem filmischen Duo in der Position des Directors. In mehrjährigen Abständen folgten noch spärliche Highlights wie die Co-Regie mit John Wayne an Die grünen Teufel und einen Second-Unit-Job an Tora! Tora! Tora!, das war es aber auch.

Wir befinden uns in einer Provinz des Kinolandes, in der ein 'B' riesengroß geschrieben wird, wo diesem Buchstaben oftmals sogar die Lettern 'A' und 'D' wie selbstverständlich folgen. Es ist eine Welt der Karrieren die nicht hatten sollen sein, an die niemand mehr geglaubt hätte oder von denen niemand Notiz genommen hat. Ausnahmen würden diese Punkte ihrer Vergangenheit vielleicht auslöschen wollen. Doch immer lauern möglicherweise unentdeckte Perlen in den Massen belangloser Titel, die im Fahrwasser erfolgreicher Trends schwammen, geben die Hoffnung auf überraschend gute oder doch zumindest unfreiwillig komische Momente.
Hier tuckert im (Fahr-)Wasser ein Schiff und das durch gut 75 Rollen hier und da vielleicht schon bekannte Gesicht des später als Sheriff Rosco P. Coltrane in Ein Duke kommt selten allein zum Star avancierten James Best in der Rolle des Thorne Sherman steuert auf eine Insel zu, während der dunkelhäutige Judge Henry Dupree als übergewichtiger Quotennobody, der den geneigten Genrekenner schon seine Bestimmung voraus ahnen läßt, den Handlanger mimt.
Wo wir gerade über Instantrezepte sprechen: Insel, das kann zu dieser Zeit natürlich noch keine nazihaft geführte Sträflingskolonie mit Hang zu FKK und weiblicher Bisexualität bedeuten. Es bleiben also noch Urzeitwesen, Zombies oder Mutanten. Der phonetisch so griffige Titel The Killer Shrews gab hier eigentlich schon die Antwort, denn der dem Deutschen weniger geläufige, dafür recht martialisch klingende Begriff formt sich übertragen zu Die Mörder-Spitzmäuse, was erneut beweist, welchen Dummfug man in einer fremden Sprache wohlklingend verhüllen kann.

Wie Sherman anlandet, und sich wie selbstverständlich ob des aufkommenden Windes trotz energischer Gegenargumente der (natürlich) wenigen Bewohner entschließt über Nacht zu verweilen, wird nach und nach klar, daß dieses Menschengrüppchen, zu denen sich oben erwähnter Ken Curtis zu Schauspielern schart, von denen Baruch Lumet gerade mal als Größe des Jiddischen Theaters und Eye-Candy Ingrid Goude als ehemalige Miss Schweden hervorstechen, nicht nur eine autarke Nahrungsmittelversorgung bevorzugt, sondern sich nachhaltig in wissenschaftlichen Experimenten dem Thema Überbevölkerung widmet. Entgegen dem Konzept in Tarantula wollen die klugen Köpfe dem Problem hier nicht per nährwertpotentierten Ersatzspeisen begegnen. Hier denkt man über eine Verkleinerung des Metabolismus nach, um damit auch dem Platzproblem eine Lösung entgegen zu setzen.
Aufgrund der weit unter siebzigminütigen Spielzeit ist es nun sehr abhängig vom eigenen Empfinden, ob man das Tempo für eher mäßig erachtet oder doch behaupten mag, Sherman würde innerhalb der nächsten Minuten von den Tieren erfahren, die eine lebensbedrohliche Gefahr darstellen und nach alkoholbedingter Unachtsamkeit die Nacht beleben, was ein Verlassen des Hauses zu dieser Zeit unmöglich macht. Bei diesen Monstern handelt es sich um die erwähnten Spitzmäuse, in der Welt von The Killer Shrews in Flokati verkleidete Hunde, denen man schätzungsweise auch Schwanz und Zähne angefertigt hat.

Gar nicht mal so gut? Diese Viecher sehen mindestens so bescheuert aus, wie es klingt und sind mindestens einen Lachkrampf wert. Da hier nun keine Größenunterschiede zu überbrücken sind, wird sogar die Interaktion möglich, die in so vielen Gigantenfilmen der Fünfziger und so auch The Giant Gila Monster fehlt.
Der Wurm frißt hier jedoch an anderer Stelle. The Killer Shrews leidet nicht nur an dem Phänomen der Isolation, mit dem B-Movies gern die wenigen Darsteller erklären. Es sind zu wenig, besonders für - und das muß man hier wirklich bemerken - die vielen Überlebenden.
Was hier so frei nach Die Insel der verlorenen Seelen abläuft, ist im großen und ganzen sehr linear. Nachdem Sherman nun um die Probleme des Eilands weiß, mucken die 200-300 buchstäblich auch noch giftigen Biester, die wohl ihren Hunger im Ernstfall auch durch Kannibalismus zu stillen versuchen würden, was erklären könnte, warum man nur ein bis fünf Tiere auf einmal sieht, fröhlich auf. Es gibt also einen Fluchtplan, der Mad-Scientist-Part kann sich nicht von seinem Werk trennen und auf dem Höhepunkt der bedingt mitreißenden Panik bauen sich die drei Guten dann einen Schildkrötenpanzer aus Ölfässern um zum Schiff zu gelangen. Ürks, das A-Team gab es doch noch gar nicht.

Obwohl The Killer Shrews noch der ernstere, nämlich eigenwerbungfreiere Teil dieses Features ist, erweist er sich als ziemlich jugendfreundlich. Nur über den pädagogischen Wert der andauernden Sauferei im Wohnhaus könnte man streiten, und die Figuren sind eine ganze Zeit im Wohnhaus, sie können ja nicht raus.
Man mag sich fragen, wem man die Schuld für die ganze Langeweile um die zwei Lacher in die Schuhe schieben muß. War es Kelloggs uninspiriertes Regietalent, oder Jay Simms, der in diesem Double-Feature seine ersten Drehbücher verfaßte, bevor er unter anderem für Serien wie Am Fuß der Blauen Berge, Westlich von Santa Fe, Tausend Meilen Staub und Rauchende Colts die Feder schwingen durfte? Sogar die unvermeidliche Romanze verpufft so beiläufig, daß es keinen Anlaß gibt, über zuviel Schmalz zu wettern.
Es gibt genau einen Grund, sich dieses zwar nicht übertrieben schlecht, aber über weite Strecken zu belanglos gestaltete Machwerk anzutun. Als Fan unkonventioneller Filmeffekte muß man diese Spitzmaus-Hunde einmal in seinem Leben gesehen haben. Glücklicherweise fällt der Film unter das Public Domain Recht, so daß es nicht schwer fällt, eine preisgünstige Veröffentlichung zu erhalten. Vermutlich wird man dennoch jeden zuviel investierten Cent bereuen, denn Unterhaltung ist etwas anderes.

Teil 2: The Giant Gila Monster
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