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Im Spanien der Gegenwart handelt Hasta el cielo vom Ein- und Aufstieg eines jungen Automechanikers in kriminelle Machenschaften: Ángel (Miguel Herrán) schraubt berufmäßig an Kisten herum und trifft sich nach der Maloche mit Freunden zum Abtanzen in Clubs. Dort wirft er ein Auge auf die attraktive Estrella (Carolina Yuste), die dummerweise aber schon als schmückendes Beiwerk auf Polis (Richard Holmes) Sportwagen-Beifahrersitz eingeplant ist. Der eher schmächtige Ángel, deswegen auch Angelito genannt, riskiert allerdings eine kleine Boxeinlage an Ort und Stelle, was ihm und dem kriminellen Gangleader Poli einen Rausschmiß beschert, dem Automechaniker allerdings auch einen gewissen Respekt einbringt: Statt eines vereinbarten Matches im Boxclub engagiert ihn Poli kurzerhand für seinen nächsten Raubüberfall. So beginnt Ángels kriminelle Karriere mit einem Geländewagen-Rammstoß in die Auslage eines Juweliers, und auch wenn dabei nicht alles glatt läuft, hat er mit seinem Anteil an der Beute einen Batzen Geld und ein paar neue "Freunde", denen er nur zu bereitwillig weiterhin zu Diensten ist. Fast noch wichtiger: auch Estrella, die sich nicht recht zwischen Poli und Ángel entscheiden kann, bleiben seine Aktivitäten nicht verborgen. Als Ángel kurzfristig in den Knast muß, weil er beim Betanken des Fluchtfahrzeugs gefilmt wurde, holt ihn die Anwältin der Gang, Mercedes (Patricia Vico) nach kurzer Zeit wieder raus. Und da er dicht gehalten hat, steht seiner weiteren kriminellen Karriere nicht mehr viel im Weg. Doch Ángel will mehr: er will nun bei den "ganz Großen" mitmischen, und die Tochter des lokalen Paten, eine ehemalige Schulkameradin, scheint für den Einstieg in diese Top-Liga geeignet...

"Himmelhoch hinaus", die sinngemäß beste Übersetzung des Titels Hasta el cielo, wollte vermutlich auch Regisseur Daniel Calparsoro (Die Stille des Todes) mit seiner Gangster-Story um den jungen Ángel, scheitert dabei aber schon beim Aufbau der Geschichte und erst recht im weiteren Verlauf, ganz abgesehen vom zwar ordentlich performenden, der Titelrolle aber nicht gewachsenen Hauptdarsteller: Ángel beweist am Anfang zwar einen gewissen Mut, macht jedoch (wie übrigens keiner der Filmcharaktäre) irgendeine Entwicklung durch und verändert sich im ganzen Film auch nicht, es fällt ganz einfach schwer zu glauben, daß dieser junge Bursche Anfang Zwanzig im dargestellten Zeitraum von über 3 Jahren eine solche Karriere hinlegen kann, zumal das Drehbuch auch die aus ähnlich gelagerten Heist- und Mafia-Filmen gewohnten Gewaltszenen konsequent ausspart und stattdessen nur die glamourösen Seiten des Gangsterlebens beleuchtet.

Das Weglassen von unpopulären Entscheidungen innerhalb einer Gruppe und überhaupt der Verzicht auf jeglichen Background allein der Überfälle schaffen eine künstlich anmutende Atmosphäre, die immer weniger mit einer möglichen Realität zu tun hat. So benutzen die durch die Bank sehr jungen Kriminellen ein ganz erstaunlich ausgereiftes Arsenal an Hilfsmitteln (wie manipulierte Überwachungskameras, Sprengsätze und dergleichen, über deren Herkunft man nie etwas erfährt), fahren fast ausschließlich in Luxusschlitten der Marken Audi, BMW und Mercedes herum und sind bei ihren teils technisch ausgefeilten Coups stets erfolgreich, was in krassem Gegensatz zu seltenen Momentaufnahmen der einzelnen Gangmitglieder steht, die wie Couch-Potatoes mit einem IQ unter Raumtemparatur wirken. Dazu kommt, daß die zuständige Polizei dem Geschehen stets einen Schritt hinterherhinkt und es dem Hauptdarsteller erstaunlicherweise gelingt, tatsächlich mit dem obersten Don von Madrid geschäftlich zusammenzuarbeiten. Mehr noch, er darf dessen Tochter ehelichen (inklusive nachfolgendem Baby) und hat trotzdem immer noch etwas mit seiner heimlichen Geliebten Estrella (die klischeebetont eine einfache Friseuse bleibt) am Laufen, was diese nach zwischenzeitlichem Herumzicken offenbar sogar akzeptiert. Vollkommen unlogisch auch das gegenseitige Ausbooten zwischen Ángel und Polis bei einem Coup und das sich später zufällig(?) im Knast ergebende Wiedersehen, was in neuerlicher Zusammenarbeit mündet - wtf?

Eine herbe Enttäuschung ist auch der Auftritt des geschätzten Luis Tosar, der den Paten zwar überzeugend mimt, insgesamt jedoch auf kaum 5 Minuten Screentime kommt. Nichts auszusetzen gibt es indes an Kameraführung und Schnitt, auch der bis auf ein paar Techno-Einlagen unauffällige Score paßt stets zum Geschehen, doch die vielen zeitlichen Lücken, die mangelnde Charakterzeichnung und der fehlende Background lassen hier weder Spannung noch irgendein Mitfiebern aufkommen.

Insgesamt wäre der Stoff durchaus interessant, dadurch daß das Drehbuch in den immerhin zwei Stunden Laufzeit aber viel zu viel auf einmal will und zusätzlich auch nicht nachvollziehbare Zeitsprünge von einmal zwei und einmal einem Jahr einbaut, stiftet Hasta el cielo mit zunehmender Laufzeit immer mehr Verwirrung. Ein kaum überzeugendes (offenbar unter Zeitdruck entstandenes) Ende, das eine Fortsetzung zumindest nicht ausschließt, bildet dann den Abschluß dieses unausgegorenen,  insgesamt mißlungenen Mischmasch aus Coming of Age-Story, Drama und Thriller. 4 Punkte.

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