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Staffel 1

Im Spanien der frühen 1960er Jahre kellnert eine junge Frau schon beinahe ein Jahr in einem Restaurant mit dem deutschen Namen "Haus". Sie ist nicht zufällig dort, sondern beobachtet einen ganz bestimmten Gast unter den vielen älteren Deutschen, die hier regelmäßig ein- und ausgehen: Otto Bachmann (Stefan Weinert), einen früheren SS-Offizier, der im Lager Mauthausen ihren Vater getötet hatte. Isabel Garrido (Blanca Suárez) mußte dies damals, als kleines Mädchen, mit eigenen Augen mitansehen. Eine Laune des Schicksals ließ sie selbst als Dienstmädchen in einer Aufseher-Familie in der Nähe des Lagers überleben - seither hat sie nur noch ein Verlangen, nämlich den Mörder ihres Vaters zur Strecke zu bringen. Zunächst versucht sie es mit einem Gift, das sie in den Nachtisch kippt, welches sich allerdings als Fälschung herausstellt, doch als die schon beschwipste Gruppe aufbricht, verfolgt sie sie bis in einen Park, wo sie eine Pistole zieht und auf Bachmann zielt...
Im letzten Moment wird sie von einem jungen Burschen daran gehindert und muß fliehen - doch es sind gleich mehrere Leute hinter ihr her, denen sie gerade noch entkommen kann. Die aus 4 Leuten bestehende Gruppe überwältigt sie dann aber doch noch und verschleppt sie in ihr Domizil. Nach einigen Befragungen stellt sich heraus, daß das Kleeblatt unter der Führung von Lucena (Iván Marcos) selbst hinter Bachmann her ist - auch sie wurden Opfer der NS-Gewaltherrschaft: Der Mittvierziger Lucena hat Angehörige in Mauthausen verloren, der "Stumme" Sordo (Adrián Lastra) war dort inhaftiert, genauso wie der "alte Mann" Marsé (Francesc Garrido), und der gerade erwachsen gewordene Castro (Óscar Casas) verlor dort ebenfalls seinen Vater.
Doch ist Bachmann, den die Gruppe schon länger observiert, für sie alle zu wichtig, um ihn einfach zu töten: er fungiert als Kontaktmann für Altnazis, die sich, begünstigt vom Franco-Regime, nach Spanien absetzen wollen, um der Verfolgung in Deutschland zu entgehen. In einer Woche wird ein besonders übler Täter erwartet: Aribert Heim, der "Schlächter von Mauthausen", der als Lagerarzt dort zahlreiche fürchterliche Verbrechen begangen hat. Mindestens bis zu dessen Ankunft darf Bachmann also nichts passieren. Isabel entscheidet sich nach kurzer Bedenkzeit, bei der Gruppe mitzumachen, schließlich hat Heim auch ihren älteren Bruder grausam ermordet...

Aus der durchwegs interessanten Prämisse, untergetauchte NS-Verbrecher dingfest zu machen und vor Gericht zu stellen, um deren Gräueltaten einer breiten Öffentlichkeit vor Augen zu führen (was damals in den 1960er Jahren keineswegs so selbstverständlich war wie heute) macht die spanische Produktion Jaguar (der Titel rührt, wie man erst in den letzten Filmminuten erfährt, von aztekischen Kriegern) leider nur einen mittelprächtigen (Retro-) Giallo, in dem bis auf die epochegetreuen Fahrzeuge nicht allzuviel zusammenpasst - in Look and Feel dem trashigen italienischen Vorbild nicht nur durch penetrant in den Vordergrund gemischte Musik nacheifernd, verfolgen die 5 Jäger ein paar ständig blöd grinsende Nazi-Knallchargen, die ihnen zunächst meist einen Schritt voraus sind, bis sie am Ende dann, oh Wunder!, den Verfolgern doch noch ins Netz gehen.

Besonders schwach agiert hier Hauptdarstellerin Blanca Suárez, deren Mimik sich über volle 6 Folgen zu je etwa 45 Minuten fast nur in einer einzigen, ernst dreinblickenden Form offenbart. Das fällt einem allerspätestens dann negativ auf, wenn sie mit Lucena als vorgeblichem Gatten das Vertrauen Bachmanns gewinnen soll und stocksteif und grantig am Tisch sitzt, während der weltmännische Kopf der Verfolger den redseligen SS-Offizier einzuwickeln versucht - die Spanierin ist hier eine glatte Fehlbesetzung, auch wenn sie am Schluß dann doch einmal die Initiative ergreifen darf.
Den anderen Mitgliedern des Teams kann zwar eine durchschnittliche darstellerische Leistung bescheinigt werden, ihre jeweils eigene Geschichte gibt jedoch zu wenig her, um den müden Plot voranzubringen: der eine war ein Priester, der andere ein Kapo, der junge Mann ist schwul, doch als Bachmann türmt, ziehen alle wieder  an einem Strang und nehmen die Verfolgung auf - eine Charakterentwicklung findet zu keiner Zeit statt.

Ein weiteres Stilmittel sind u.a. Cartoons, in denen das Lagergeschehen in kurzen Rückblenden dargestellt wird, übrigens auch im - für das an sich ernste Thema - viel zu larmoyant und möchtegern-flippig daherkommenden Vorspann. Neben diversen Logiklöchern gibt es auch Szenen, über die man nur noch den Kopf schütteln kann: Bachmann bittet den vermeintlichen Geschäftspartner Lucena auf sein Anwesen, wo er ihm seine edlen Pferde vorführt - dann nimmt er ein Messer und sticht eines davon (schwach getrickst) ab. Einfach so - wtf?? Kein Pferdekenner würde so etwas tun, zumal diese Aktion auch für die Filmhandlung völlig bedeutungslos, folgenlos und damit sinnlos ist.
Anhand solcher Absurditäten wundert es dann schon nicht mehr, daß die Verfolger mit einem kleinen Motorboot nachts ein größeres Schiff rammen, nachdem an dessen Reling mehrere Männer MP-Salven auf sie abfeuern (und natürlich nicht treffen), und die nachfolgende Explosion beide Schiffe sinken läßt - um nach einem harten Cut am nächsten Morgen(!) die Überlebenden beider Seiten (also fast alle) ans Ufer schwimmend bzw. schon wieder zuhause zu zeigen. Später sprengen die an sich diskret vorgehenden Verfolger eine Etage eines Krankenhauses in die Luft, in dem sich dutzende Soldaten befinden, die, man ahnt es schon, vergeblich ganze Salven auf die Verfolger abfeuern. Manche dieser Szenen sind derart lächerlich, daß man an eine Komödie denken mag, doch Drehbuch und Darsteller nehmen sich absolut ernst.

Am Schluß ertrinkt ein vergeblich erwartetes, furioses Ende in einem Herz-Schmerz-Finale, das eine weitere Staffel von Jaguar notwendig zu machen scheint - zu dieser ist es jedoch bislang gottseidank nicht gekommen. Die Punkte gibt es ausschließlich für den stellenweisen Retro-Charme einiger Einstellungen, die einen wie erwähnt zumindest optisch an Mario Bava und Konsorten erinnern, den Rest dieses verkorksten Serien-Mülls kann man getrost in die Tonne treten. 2,51 Punkte.

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