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Irgendwo im ländlichen Polen: der junge Polizist Adas (Mateusz Wieclawek) versieht eher mißmutig seinen langweiligen Dienst, ist da draußen doch so gut wie gar nichts los. Während er also für seinen patriarchalischen Chef Wurstsemmeln besorgen muß, ergeht er sich lieber in Tagträumen, in denen er seine hübsche Kollegin Wanessa (Zofia Wichlacz) aus einer mittelalterlichen Zombiegesellschaft rettet. Doch die Realität, die ihn bald einholt, ist noch viel schlimmer, denn in den Zellen der völlig heruntergekommenen Wachstube sitzen zwei böse entstellte fette Monster sowie eine verängstigte junge Frau - all drei kurz zuvor eingelocht. Die junge Zosia (Julia Wieniawa-Narkiewicz), Überlebende des ersten Teils, soll dann dem glatzköpfigen Polizeichef bei einer Tatortbegehung noch einmal zeigen, wo was passiert ist, doch als sie dort erneut mit Mondgestein (siehe Teil 1) in Berührung kommt und sich in ein Monster verwandelt, erledigt sie den allzu selbstsicheren Beamten im Handumdrehen.
Adas und Wanessa machen sich einstweilen Sorgen, suchen und entdecken den Toten, was dem Hasenfuß Adas das Herz erst recht in die Hose rutschen läßt, während die toughe Wanessa Spezialisten aus Warschau anfordert. Bis die eintreffen verstärkt man sich mit einem Brüderpaar der polnischen Heimwehr, doch auch diese beiden Vollpfosten werden, genauso wie ein am Waldrand wohnendes Ehepaar, recht schnell von der monströsen Zosia in Stücke gerissen. Jetzt geht es den verbleibenden beiden jungen Polizisten an den Kragen: während sich Wanessa gerade noch retten kann, erwischt es Adas, doch wird dieser nicht zerfetzt, sondern ebenfalls in ein Monster verwandelt.
Und da Adas jetzt genauso häßlich aussieht wie Wanessa und überdies auch ihre Monstersprache spricht, beschließen die beiden, ein bißchen Honeymoon im finsteren polnischen Wald zu spielen und in trauter Zweisamkeit ein paar Menschen zu töten...

Nobody Sleeps in the Woods Tonight 2 soll eine Fortsetzung des ersten Teils darstellen, übernimmt aber nur rudimentär ein paar Versatzstücke daraus und geht ansonsten seinen ganz eigenen (eigenwilligen) Weg. Der ist anfangs von allerlei zynischen Sprüchen und Begebenheiten geprägt, doch je länger der Streifen läuft, desto weiter entfernt er sich von jeglichen Horror-Konventionen. Die permanente gegenseitige Verarschung wird zum Selbstzweck, läuft sich dadurch schnell tot und offenbart plottechnisch gähnende Langeweile, da schlicht und ergreifend nichts weiter passiert, als daß das Monster fauchend einen nach dem anderen zerreißt.

Gewiß, in Sachen Gore können sich die computeranimierten Szenen mit abgerissenen Beinen, Händen und Köpfen oder auch einer zur Schlange werdenden Zunge durchaus sehen lassen, allein der Grad der maßlosen Übertreibung, ja geradezu Zelebrierung der Metzelszenen verbannt jegliche Spannung. Stattdessen wird es immer abseitiger, wenn der Warmduscher Adas, inzwischen voller häßlicher Beulen und Pusteln, von der ebenso lieblich dekorierten Zosia durch einfühlsame Erklärungen in die Wonnen des Monsterdaseins eingeführt wird, Kopulationsszene inklusive.

Keine Ahnung, was sich Regisseur Bartosz M. Kowalski dabei gedacht hat, aber Nobody Sleeps in the Woods Tonight 2 ist weder Fisch noch Fleisch, sondern eher ein filmgewordener Egotrip eines detailverliebten Autors, der hier seine äußerst eigenwilligen Ideen (zu was auch immer) umgesetzt hat. Einen Sinn ergibt das Ganze natürlich nicht, und da speziell das letzte Filmdrittel mit dem zuvor Gesehehen überhaupt nichts mehr zu tun hat, kostet es durchwegs Mühe, nicht vorzeitig abzudrehen. Denn diese 2021er Fortsetzung ist leider meilenweit von jenem abseitigen Humor beispielsweise eines Bis das Blut kocht entfernt.

Einige gesellschaftskritische Untertöne zu Beginn sowie eine zumindest erkennbare Liebe zum Detail retten dieses filmische Experiment vor der niedrigsten Bewertung, doch mehr als 3 Punkte (für den immerhin technisch einwandfrei dargebotenen Goregehalt) sind dafür beim besten Willen nicht drin. Das geneigte Horrorpublikum, vor allem das dem Mainstream zugetane, sollte diesen zweiten Teil, der nahezu nichts mit dem ersten zu tun hat, unter allen Umständen vermeiden.

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