Die Jagd auf korrupte Kollegen, die seinen Teamleader Charas ermordet hatten, geht Lino (Alban Lenoir) nicht aus dem Kopf. Der Top-Automechaniker, ex-Knacki und seit einigen Monaten in Diensten der französischen Polizei, erholt sich gerade im Spital von diversen Verletzungen, nachdem es ihm zuletzt mühsam gelungen war, sich - durch Intrigen und gefälschte Beweismittel selbst in die Schußlinie geraten - vor seiner Chefin zu rehabilitieren.
Doch während die Polizei das Haus des flüchtigen Areski (Nicolas Duvauchelle) observiert, bleiben dieser und sein Scherge Marco (Sébastien Lalanne) weiterhin verschwunden. Entgegen den Anordnungen ist Lino schnell auf eigene Faust ebenfalls vor Ort und findet durch ein unvermittelt dort auftauchendes Hitkommando schon bald eine heiße Spur - der offiziell gesuchte Marco ist nämlich gar nicht flüchtig, sondern hat sich auf einen geheim gehaltenen Kronzeugen-Deal mit der Polizei eingelassen und wird an einem konspirativen Ort versteckt gehalten. Reichlich sauer stellt Lino daraufhin seine Chefin, Dezernatsleiterin Moss (Pascale Arbillot), zur Rede, hatte Marco doch seinen Ziehbruder Quentin erschossen. Aber da ist noch ein Problem: die Hintermänner von Areskis und Marcos illegalen Geschäften (sie hatten einen Teil der mühsam beschlagnahmten Drogen weiterverkauft) sitzen ganz weit oben bei der französischen Polizei, und so taucht just in diesem Moment ein schwerbewaffnetes Sondereinsatzkommando des Innenministeriums auf, das den Kronzeugen ganz offiziell "überstellen" soll. Doch die Herren haben nicht mit dem zu allem entschlossenen Lino gerechnet...
Knapp zweieinhalb Jahre nach dem Erstlingswerk Verirrte Kugel präsentiert Regisseur und Drehbuchautor Guillaume Pierret nun also den 2. Teil des gleichnamigen Action-Spektakels, das ohne größere Zeit- und Handlungssprünge nahtlos dort anschließt, wo Teil 1 aufgehört hatte: Lino ist rehabilitiert, die Mörder aber noch frei. Was also wird der nahkampferprobte, wortkarge Mechaniker machen? Natürlich versuchen, die Schuldigen zur Strecke zu bringen. Daß dies wieder mit rasanten Verfolgungsjagden mit getunten Fahrzeugen in reichlich bleigeschwängerter Luft einher geht, liegt auf der Hand, schließlich legt das Drehbuch darauf sein Hauptaugenmerk. Und dies gelingt auch durchwegs: wie im 1. Teil macht es auch diesmal einen Riesenspaß zuzusehen, wenn dutzende Autos in Flammen aufgehen, sich überschlagen oder sonstwie geschrottet werden, von den gut choreographierten Prügeleien ganz zu schweigen.
Zugunsten der Actionszenen tritt die eigentliche Handlung dabei wieder in den Hintergrund: der rastlose Mechaniker will die beiden Flüchtigen fassen, gerät dabei unweigerlich mit seinem Dienstgeber in Konflikt und ist lange Zeit mal wieder auf sich allein gestellt. Seine dunkelhäutige Kollegin Julia (erneut sehr stark: Stéfi Celma) sitzt - wie im 1. Teil - wieder ein wenig zwischen den Stühlen und muß sich entscheiden, der Stimme ihrer Vorgesetzten zu folgen oder doch Lino zu unterstützen. Dazu gesellen sich diesmal spanische Kollegen von der nahen französisch-spanischen Grenze sowie - als neue Gegner - ein schießwütiges SEK.
Viel Charakterisierung ist das freilich nicht, und selbst für die Hauptrolle kann das Drehbuch nur moralische Aspekte für Linos Handeln reklamieren: Rache für die ruchlosen Morde an Quentin, vor allem aber an Teamleiter Charas (Ramzy Bedia), der Linos Mechanikertalent erkannte, ihn aus dem Knast zur Polizei holte und ihm somit eine Chance gab. Seine Verbundenheit mit dem ermordeten ex-Vorgesetzten drückt sich u.a. auch darin aus, daß er dessen ausgebrannten Wagen, einen roten Renault 21 (von seinem Besitzer sehr gepflegt, aber eben schon lange nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik und daher augenzwinkernd auch als "Oldtimer" bezeichnet) aus der Garage holt, herrichtet, tunt und mit dem frischlackierten Fahrzeug dann auf Gangsterjagd geht. Was Lino außerdem noch beschreibt, ist seine Wortkargheit und der völlige Verzicht auf jegliches Pathos und dummes Geschwafel (was ihn in angenehmer Weise von den Jason Stathams und Vin Diesels dieser Welt unterscheidet) - der drahtige, durchtrainierte Vollbart ist ein Mann der Tat - nicht der Worte.
Die anderen Darsteller (Ausnahme Julia) erfüllen ihre weitgehend stereotypen Rollen zufriedenstellend, stellen aber im übertragenen Sinne nichts weiter als rot-weiße Markierungshütchen für Linos wilde Verfolgungsjagden dar.
Den Mangel an überraschenden Plot Twists oder einem ausgefeilteren Drehbuch würde man bei jedem anderen Streifen reklamieren - hier fällt er überhaupt nicht auf, was zum einen an einer gelungenen zeitlichen Aufteilung der wenigen ruhigen Momente zwischen den Actionsequenzen, zum anderen an einer hervorragenden Kameraarbeit und Post Production liegt, die hauptsächlich auf Handgemachtes setzt und die wenigen CGI-Effekte unauffällig zu verstecken weiß.
Wer nun Lust auf frisches, unverbrauchtes französisches Action-Kino verspürt, dem sei vor diesem 2. Teil auch gleich noch (sofern noch nicht bekannt) der Genuß des 1. Teils, quasi als Double-Feature empfohlen (beide derzeit auf Netflix).
Mit der letzten Szene des 2. Teils (auf dem Schrottplatz) übrigens wird dann auch gleich ein zukünftiger 3. Teil angekündigt - groß ist die Vorfreude... 9 Punkte.