1805: Das britische Kriegsschiff "Surprise" kreuzt unter dem Kommando des Kapitäns Jack Aubrey, genannt "Lucky Jack", vor der brasilianischen Küste um das für die Napoleonischen Kriege entscheidende französische Schiff "Acheron" zu finden und zu verhindern, dass es die britische Flotte in Seekriege verwickelt.
Doch es läuft anderherum, denn die baulich überlegene "Acheron" findet die "Surprise" eher und versetzt sowohl dem Schiff als auch der Mannschaft einen herben Tiefschlag. Aubrey und seinen Mannen bleibt nur die Flucht.
Doch nun beginnt die ursprünglich von der Royal Navy auferlegte Fehde für den Kapitän und seine Mannen ein persönlicher Rachefeldzug zu werden, der mit allen Regeln des Krieges über die ganzen Weltmeere verteilt ausgefochten wird...
Peter Weirs Verfilmung der Jack-Aubrey-Geschichten von Patrick O'Brian grenzt in den von hektischem Kino-Klamauk beherrschten Hollywood-Business geradezu an ein Wunder.
Erwartet der geneigte Fan eine gigantische, 133 Minuten andauernde Seeschlacht der Superlative mit kernigen Sprüchen und harten Kerlen (Russell Crowe als Idealbestzung), so muss er sich bereits nach der ersten Seeschlacht von seinen Erwartungen verabschieden.
Gelingt ihm das, so erwarten ihn weitere zwei Stunden schönstes, Schauspielergetriebenes Erzählkino mit grandiosen Bildern, mitreissenden Emotionen und vielen Details für Segelinteressierte!
In heutigen Zeiten mutet "Master and Commander" darum schon geradezu altmodisch an, denn hier gibt es keine aufgesetzten Liebesgeschichten, keine brutalen Gewaltszenen als Schocktherapie und keine ausufernden Kanonenschlachten a la "Fluch der Karibik". Die meiste Zeit wird vom Leben an Bord mit all seinen Vor- und Nachteilen berichtet, von den Konflikten zwischen Pflicht und Wunsch, von Kameradschaft, verletzten Körpern und Stolz.
Russell Crowe gefällt einmal mehr in einer tragenden Rolle eines Vorbildes, das hart aber gerecht den Anführer spielt und in der richtigen Situation immer eine aufbauendes Wort für die größtenteils blutjunge Mannschaft hat. Ganz anders als seine harten Vorstellungen in "Romper Stomper" und "L.A. Confidential", eher eine Steigerung seiner verletzlichen Seite aus "Gladiator" (und meiner Meinung nach dicht an dieser Oscarreifen Leistung dran). Ungewöhnlich von Weir und seinen Casting-Agenten, diesen harten Burschen in einer derartigen Rolle zu besetzen aber Glück für die Zuschauer.
Zwar bleibt bei all der pompösen Inszenierung etwas die Dramatik auf der Strecke, jedoch gelingt dem Australier Peter Weir eine Rückbesinnung an das große Kino der Blütezeiten Hollywoods, in der die Schauspieler und ihre Ausdruckskraft noch die Vorherrschaft über visuelle Effekte und Tontechnik hatten (ironischerweise bekam "Master and Commander" genau für diesen Ton den Oscar).
Für manche mag das Ergebnis demnach langatmig und nicht sonderlich unterhaltsam sein - wer sich jedoch nicht mit den üblichen Blockbuster-Erwartungen an den Film rantraut, dem werden über zwei lohnende Stunden Film präsentiert, die auf eindrucksvolle Weise zeigen, dass visuelle Spielereien als Unterstützung einer Filmhandlung wesentlich eindrucksvoller wirken als als Hauptdarsteller!
Grandios eingebunden die Arbeit von Industrial Light & Magic, sympathische Figuren und jede Menge Meer und Schiff - "Master and Commander" weckt Erwartungen, nur um sie anschließend wieder zu enttäuschen, allerdings nicht im negativen Sinne.
Für mich als Liebhaber von Handlung, jedoch ab und an auch mal für sinnlose filmische Spielereien zu begeistern, ein sehr schöner Kompromiss zwischen Optik und Erzählung und eine gute Gelegenheit, dem verschmähten Russell Crowe eine weitere Chance zu geben, sein schauspielerisches Bild von seinem reellen zu trennen.