James Whale war der Vater von Frankenstein.
Das wissen viele. Doch was noch auf Whales Konto in Hollywood ging, ist anscheinend über die Jahre dem Wissen gewiefter Filmschaffender entgangen.
Bill Condon, verantwortlich für die relativ gute "Candyman"-Fortsetzung nahm sich der Geschichte einer letzten Freundschaft des ehemals bekannten Regisseurs an und schuf daraus eine sehr sehr intensive Charakterstudie, treffend besetzt mit Ian McKellen als Whale und Brendan Fraser als dessen Gärtner.
Kalifornien 1957: James Whale, gerade erst aus dem Krankenhaus entlassen worden, in dem er die Nachwirkungen eines akuten Schlaganfalles auskurieren sollte, entdeckt in seinem Garten in Hollywood den von seiner Haushälterin eingestellten Gärtner Clay Boone.
Whale, bekennender Homosexueller, erkennt vordergründig in Boone einen Gesprächspartner, der ihm anfangs aufgrund seiner gutgebauten Gestalt und später aufgrund seines "architektonischen" Kopfes nützlich sein soll.
Er bittet den jungen Mann, ihn zeichnen zu dürfen - im Profil.
Über diesen ersten Kontakt entwickelt sich eine Freundschaft, in der stets eine sexuelle Spannung herrscht, welche jedoch von keinem der beiden ausgenutzt wird.
Boone macht bald klar, daß er über die sexuellen Präferenzen seines Arbeitgebers keineswegs urteilt doch davon verschont bleiben möchte. Whale gehorcht, sieht er doch seine Rolle schon lange nicht mehr als Halter von Lustknaben, wie es zum Beispiel der alternde George Cukor tut.
Auf einer Party im Anwesen dieses alten Kollegen eskaliert die Situation schließlich und Wahle trifft eine Entscheidung, die die nachfolgenden Dinge beinahe unbedeutend erscheinen lässt...
Dieser Film lebt und atmet alleine durch den großartigen Ian McKellen, der zu Recht für einen Oscar nominiert war. Ausgezeichnet wurde schließlich das Drehbuch von Bill Condon.
McKellen spielt nuanciert und voller leichter Leidenschaft einen offenen alten Mann, der längst niemandem mehr etwas vormachen möchte und damit in den Kreisen Hollywoods eher ein Außenseiter ist.
Ebenfalls als Außenseiter gilt der burschikose Clay Boone, der an der Küste im Wohnwagen lebt und hin und wieder einer weibliche Bekanntschaft abschleppt, die ihn jedoch nicht als ernstzunehmenden Partner haben möchte. In ihm treffen ein poetischer Geist und ein rauhes Äußeres aufeinander.
Gerade deshalb ist der sehr "eckige" Brendan Fraser hier eine Idealbesetzung, holt er zwar mimisch nicht viel aus sich heraus aber kann trotzdem mit seiner physischen Präsenz einiges gutmachen.
Viel geschehen lässt Condon zwar nicht und die Schauplätze sind deutlich beschränkt aber das alles wirkt so liebevoll und sorgfältig platziert, dass man förmlich spüren kann, wie sehr diese Geschichte ihm am Herzen gelegen haben muss.
Als Produzent beteiligt war auch Clive Barker an dem Film und beweist damit, daß auch er im komplexen Kino jenseits von deftigem Horror ein feines Gespür für persönliche Stoffe hat.
So lebt "Gods and Monsters" vornehmlich von den drei Hauptdarstellern, zu denen sich noch eine kongeniale Lynn Redgrave gesellt als Whales schrullige Haushälterin, die immer dann zur Stelle ist, wenn er sie braucht und damit beinahe ein Ehefrau-Ersatz ist.
Unter dem Strich bleibt eine warmherzige Geschichte über Freundschaft und die letzten Lebenswochen eines zeitlebens unverstandenen Mannes, der mit seiner offenen Art doch die eine oder andere Tür zur Zukunft eines anderen Menschen aufgestoßen hat. Wunderschön.