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Glimmendes Großstadtneon und die Lichter der Fahrzeuge auf nasser Straße bestimmen die ersten Eindrücke von Engel, die ihre Flügel verbrennen. Psychedelisch hoch aufgekratzte Musik von Peter Thomas peitscht die Jagd zweier Liebender auf, die sich einem luxuriösen Appartment-Komplex nähern.
Zbynek Brynych läßt in unbestimmtem Rhythmus Stille einkehren, nicht nur, wenn etwas gesagt wird, sondern auch, wenn durch Nichtssagen etwas ausgesagt wird. Unwirsch umfliegt der Blick die Protagonisten wie das endlos rotierende Splatter-Vinyl auf dem Plattenteller der Moni Dingeldey. Die Kamera von Josef Vanis nimmt mal die Ich-Position einer Figur ein und ist sogleich wieder unser voyeuristisches, rastloses Auge.

Ein prismischer Taumel durch einen goldenen Käfig von zeitgenössisch-moderner Architektur beherbergt ein dystopisches Kammerspiel voller Lebenswehmut. In Engel, die ihre Flügel verbrennen dient der trivial kolportierte Krimi der Darstellung eines dekadenten Mikrokosmos einer selbstbezogenen Gegenwart nach dem Wirtschaftswunder und der sexuellen Revolution.
Eltern kennen kaum noch Eifersucht oder Scham. In einem ewig währenden Rausch der eigenen Bedürfnisbefriedigung erfahren die Kinder, doch Zeugnisse einer Liebe, kaum noch Aufmerksamkeit. Sie finden gleichen Leides eine gemeinsame Ebene der Nachahmung bekannter Muster, nur getrennt durch den vollzogenen und bevorstehenden Akt der ultimativen Auflehnung und kurz davor wie die Fetzen eines berstenden Ballons aus den Barrieren dieser Blase geschleudert zu werden, an die man sie gedrängt hat.

Wie unter LSD-Einfluß observiert auf spießbürgerliche Skurrilitäten reduzierte Rollen geben Engel, die ihre Flügel verbrennen letzte Anschlüsse an eine konservative Vergangenheit.
Umso mehr der Druck dieser Umgebung die Atemluft raubt, ein charakteristisch unerwarteter Lynchmob einträchtig das Wort Mörder skandiert, ist der einzige Ausweg an die frische Luft und der flügge Sprung in die Freiheit.
Verzagt gedenkt man der personifizierten Geilheit Nadja Tillers und Susanne Uhlen, wie sie mit rührenden Äuglein und kindlichem Stimmchen verschlagen die Lippen schürzt. Engel, ihr wurdet nicht aus dem Himmelreich verstoßen, ihr habt euch eure Flügel eigenhändig vom Leibe gesengt. Ein schockierter Blick in den Abgrund sägt die Moral in die Köpfe gleich der omnipräsenten, schweren Soundkulisse.

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