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Es gibt Filme die sind wie geschaffen für einen verregneten Sonntagnachmittag. Ein simples Gut-Böse-Schema, eine bis zum Schluss spannende Geschichte, ein Ohrwurmverdächtiger Score und zwei Hauptdarsteller, die man immer wieder gerne sieht. Dazu nostalgische Erinnerungen an die eigene Jugend, als dieser Film zum Standartrepertoire des Fernsehens zählte. Where Eagles Dare ist 60er-Jahre-Popcornkino in Reinstform. Seinen bis heute enormen Unterhaltungswert verdankt er insbesondere seiner völlig Comichaften Überzeichnung, die jegliche Realismus- oder Plausibilitätsdiskussion im Keim erstickt.

Agenten sterben einsam - so der wenig passende, sich offenbar an der seinerzeit immer noch vorherrschenden Bonditis anbiedernde deutsche Titel - spielt zwar während des zweiten Weltkriegs, hat aber mit einer realistischen Abbildung dieses Konflikts ungefähr so viel im Sinn, wie das Hauptdarstellerduo Clint Eastwood und Richard Burton mit Liebeskomödien. Vielmehr bekommt man hier einen lupenreinen Abenteuerfilm geboten, bei dem der Krieg lediglich Kulisse und nicht Thema ist.

Bestsellerautor Alistair McLean zimmerte in nur 6 Wochen ein Drehbuch, dass der gleichen Grundidee wie sein Welterfolg Die Kanonen von Navarone folgte. Ein britisch amerikanisches Spezialkommando tritt zu einem Himmelfahrtsunternehmen gegen die deutsche Wehrmacht an. Diesmal wird es aber zumindest witterungstechnisch erheblich ungemütlicher für die Topagenten. Hier ist nichts mit azurblauer See unter griechischer Sommersonne. In den schneeverwehten bayerischen Alpen sollen sie einen gefangenen US-General - der über geheime Informationen für den geplanten D-Day verfügt - aus einer streng bewachten Felsenburg befreien, die lediglich über eine Seilbahn zugänglich ist. Zu allem Überfluss befindet sich am Fuße des Berges auch noch das Hauptquartier des deutschen Alpencorps, so dass es die sieben Spezialisten mit einer dreistelligen Übermacht zu tun haben.

Natürlich ist diese Ausgangslage ähnlich hanebüchen wie bei der Navarone-Mission. Die schiere Unmöglichkeit dieses Unterfangens macht andererseits aber auch wieder den Reiz des Films aus und man ist mächtig gespannt, was sich der Drehbuchautor ausgedacht hat, um das Unternehmen zum zu erwartenden Erfolg zu führen. Das Zauberwort heißt Twists. Vor allem in der zweiten Hälfte schlägt die Story mehr Haken als ein Hase auf der Flucht vor einer aus allen Rohren feuernden Jägergruppe. Es wimmelt von falschen Fährten, überraschenden Wendungen und undurchsichtigen Figuren. Hier gibt es nicht nur Doppel- sondern sogar Triple-Agenten. Gepaart mit geballter Daueraction wirkt das Filmerlebnis damit wie eine Achterbahnfahrt, so dass dem Zuschauer kaum Zeit bleibt die offene Kinnlade zu schließen oder gar über (die arg strapazierte) Logik nachzudenken.

Inmitten dieses Tumults wirken der souveräne Burton und der Gefrierschrank-coole Eastwood wie zwei Felsen in der Brandung. Als Anführer des Spezialkommandos hat Burton den strategischen Part. Major Smith scheint als Einziger den Überblick über sämtliche Verwicklungen zu haben und trifft alle relevanten Entscheidungen. Eastwood (Ltd. Schaffer) ist dagegen der Mann fürs Grobe und diesen Job erledigt er konsequent, kaltblütig und äußerst effizient. Seine Abschussliste hat durchaus Ego-Shooter-Qualitäten, oder besser gesagt Quantitäten. Der Unterschied zu seinen Auftritten in Leones Dollar-Trilogie besteht im wesentlichen in der unterschiedlichen Kostümierung. Sein Dialog ist wieder einmal auf ein Minimum reduziert, während Burton in den Schusspausen ordentlich plaudern darf. Es gibt sogar eine Schlüsselszene in der er seine langjährige Theatererfahrung voll ausspielen darf. Der Shakespearemime und der Actionstar mögen auf den ersten Blick ein seltsames Gespann abgeben, ergänzen sich hier aber gerade wegen ihres völlig unterschiedlichen Schauspielstils (exaltiert contra reduziert) perfekt und harmonieren prächtig.
Auch hinter der Kamera sollen sich die beiden bestens verstanden haben, beileibe keine Selbstverständlichkeit, schließlich waren sie vom Casting des jeweils anderen zunächst gar nicht begeistert. Burton, der dringend mal wieder einen Hit brauchte, musste die Kröte schlucken einen beliebten Actionstar an seiner Seite als „Erfolgsgarantie" zu akzeptieren. Später hat er behauptet, er wollte endlich mal einen Film drehen, der auch seinen Kindern Spaß machen würde. Eastwood konnte nur mit einer für damalige Verhältnisse enormen Gage von 800.000 Dollar zur Mitwirkung überredet werden, zumal sein Name in den Credits hinter dem von Burton auftauchen sollte.

Neben dem Hauptdarstellerduo, der spannungsgeladenen Geschichte und der Daueraction ist es vor allem das Setting, durch welches Agenten sterben einsam aus dem Genreallerlei heraussticht und dem es seine bis heute ungebrochene Popularität verdankt. Das Drehen an realen Schauplätzen zahlte sich hier voll aus. Die  in der Nähe von Salzburg gelegene Festung Hohenwerfen (Im Film "Schlosss Adler") ist eine majestätische Trutzburg, die in diesem winterlichen Szenario noch bedrohlicher und uneinnehmbarer wirkt. Pikanterweise wurde sie während des zweiten Weltkriegs tatsächlich von den Nazis genutzt, wenn auch nicht wie im Film als Hauptquartier des militärischen Geheimdienstes, sondern als Schulungszentrum der NSAP. Auch die österreichischen Alpendörfer Werfen und Lofen versprühen ordentlich Lokalkolorit und geben ein überzeugendes Double für Bayern ab.

Mit der sprichwörtlichen bayerischen Gemütlichkeit ist es aber spätestens mit Ankunft der Sondereinheit auf Schloss Adler vorbei. Untermalt von Ron Goodwins superbem Score, der das enorm eingängige Hauptthema permanent variiert, wird der Weg nach draußen zu einem fulminanten Feuerwerk, das auch dem typischen Finale eines 007-Abenteuers gut zu Gesicht gestanden hätte. Da gibt es minutenlange Maschinengewehrgefechte, einen fröhlichen Austausch von Handgranaten, einen Hochseilartigen Dreikampf auf einer Gondel und so viele Sprengladungen, dass man sich am Ende wundert die Burg noch einigermaßen heil zu sehen. Die involvierten Wehrmachtssoldaten dienen dabei lediglich als Kanonefutter - vornehmlich für Ltd. Schaeffer (Eastwood) - und stellen sich ähnlich dämlich an wie die amerikanischen Ureinwohner in zahllosen Western der 50er und 60er Jahre. Hier offenbart sich am deutlichsten der Comic-Strip-Charakter des Films, denn wäre dies die Realität gewesen, wäre der zweite Weltkrieg bereits nach wenigen Wochen vorbei  gewesen.

Wer also einen halbwegs realistischen Kriegsfilm erwartet, sollte den verregneten Sonntagnachmittag besser mit anderen Tätigkeiten verbringen. Wer sich aber auf ein launiges und Actionreiches Abenteuerspektakel mit tollen Kulissen und zwei bestens aufgelegten Stars einstellt, kann schon mal Chips und Getränke bereitstellen. Zweieinhalb Stunden rasantes Tempo und knisternde Spannung sind garantiert.

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