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Es war einmal... Auf diese Weise beginnen üblicherweise Märchen. Und da es sich bei Alley Cat um ein verdammt geiles Exploitation-Märchen handelt, ist es nur logisch, meinen Text mit diesen drei unsterblichen Worten einzuleiten. Also, es war einmal eine junge Frau namens Billie, die Heldin dieser Geschichte, kongenial verkörpert von Karin Mani in ihrer ersten und leider auch einzigen Hauptrolle. Leider deshalb, weil Karin Mani aus einem ganz bezaubernden Holz geschnitzt ist. Sie mag keine ausgesprochene Schönheit sein und sie ist gewiß keine gute Schauspielerin, aber sie hat Charisma und Sex Appeal, und das nicht zu knapp. Sie ist der seltene Typ Frau, mit der man erst Pferde stehlen will, nur um mit ihr danach in die Kiste zu hüpfen und Bettakrobatik zu betreiben, bis zur totalen Erschöpfung. Ihre üppigen Rundungen sind atemberaubend und an exakt den richtigen Stellen, ihr Mund lädt zum stundenlangen Küssen ein, ihre Augen versprechen ungeahnte Wonnen. In Alley Cat gibt Karin Mani alles, agiert mit vollstem Körpereinsatz. Und man(n) kann sich an ihr einfach nicht satt sehen.

Gleich zu Beginn müssen zwei selten dämliche Ganoven auf die harte Tour feststellen, daß die Idee, die Zierkappen von Billies Auto zu klauen, so toll nicht ist. Billie verprügelt die beiden nämlich so sehr, daß sie ihre Wunden bei Scarface (Michael Wayne) lecken. Die Narbenfresse ist von den Ausführungen der Gauner ("She's a real tiger") aber wenig beeindruckt und meint so zuversichtlich wie überheblich: "Okay. Since you pussies can't handle it, I'm gonna show you how. When I get done with that tiger, she'll be nothing more than an alley cat!" Zu viert begeben sie sich also auf den Kriegspfad, und nur um zu zeigen, wie unfaßbar böse sie sind, stören sie als erstes das abendliche Fußballspiel einiger Straßenkids und demolieren deren aufgestelltes Holztor! Dann jedoch machen sie ernst und überfallen Billies hilflose Großeltern. Die Oma (Rose Dreifus) überlebt die Attacke nicht, der Opa (Jay Fisher) ist am Boden zerstört, und Billie ist saurig (eine Mischung aus sauer und traurig). Die Polizei von Los Angeles erweist sich nicht nur als unfähig, sie wirft ihr auch noch fröhlich Knüppel zwischen die durchtrainierten Beine. So landet Billie im Knast, nachdem sie bei einer Vergewaltigung im Park energisch eingeschritten ist. Ja, in L.A. wird Zivilcourage tatsächlich mit Gefängnis bestraft. Der einzige, der ihr beisteht, ist Johnny (Robert Torti), ein Rookie-Cop, dem sie bei ihrer ersten Begegnung unabsichtlich die Nase gebrochen hat. Und auch wenn der Film sein Ziel längst aus den Augen verloren zu haben scheint, Billie hat es nicht. Und so macht sie doch noch Jagd auf das verabscheuungswürdige Gesindel, das ihre Oma auf dem Gewissen hat.

Alley Cat steht in der Tradition von Filmen wie Angel oder Savage Streets, wo junge Frauen das Gesetz in die eigenen, zarten Hände nehmen (müssen), weil sie von selbigem im Stich gelassen wurden. Billie hat mit der gewichtigen Last keine Probleme, schließlich ist sie eine Expertin in Karate und beherrscht auch den berühmten Roundhouse-Kick ziemlich gut. Die Männerwelt steht ihren ungemein schlag- und trittkräftigen Argumenten ohnmächtig gegenüber, folgerichtig liegen sie im Anschluß meist bewußtlos im Dreck. Und an üblem Gesindel der Sorte "Guck mal, da ist eine Joggerin, so ganz allein, die vergewaltigen wir jetzt mal, haben eh nichts Besseres vor" herrscht in Alley Cat kein Mangel. Die Figurencharakterisierung ist dabei so schwarzweiß geraten, und das himmelschreiende Unrecht, das Billie widerfährt, ist so over the top, daß man den Film beim besten Willen nicht ernst nehmen kann und ihn fast schon als Parodie durchwinken möchte. Nimmt man dann noch die planlos herummäandernde Storyline, die hirnrissig dummen Aktionen von einigen Beteiligten, die selbstzweckhafte Tittenparade (Billies Ausflug in den Knast zum Beispiel ist ziemlich sinnfrei, gibt den Machern aber die Gelegenheit, dem Publikum das volle Programm an T & A vor den Latz zu knallen) sowie die manchmal etwas unbeholfen choreographierten aber dafür enthusiastisch "gespielten" Kampfszenen dazu, geht jeder Realitätsanspruch unweigerlich flöten. Und das ist auch ganz gut so. Nicht jeder Exploitationfilm muß dahin gehen, wo es weh tut.

Alley Cat ist kein garstiger, intensiver und packender Reißer geworden, oh nein. Alley Cat ist launiger, sleaziger und g'schmackig servierter Grindhouse-Trash der unbekümmert-charmanten Art. Man kann gerne auch Exploitation-Märchen dazu sagen. Wieso dieses knallig-flotte Machwerk drei Regisseure verschlissen hat, erklärt sich folgendermaßen. Alley Cat war ursprünglich ein philippinisches Projekt (erster Regisseur), welches sich nach Amerika verlagerte (zweiter Regisseur). Als finanzielle Probleme auftraten, sprang eine neue Produktionsfirma ein, und abermals wechselte der Regisseur. Die eher schwere, sich über mehrere Jahre hinziehende Geburt sieht man dem Film aber glücklicherweise kaum an. Alley Cat ist äußerst kurzweiliges Exploitationkino, das Fans des Genres für anderthalb Stunden ein breites, zufriedenes Grinsen ins Gesicht zaubern sollte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Richtig toll an diesem amüsanten Streifen ist eben nur eine: nämlich Karin Mani als sexy Billie. Und wenn das taffe Kätzchen nicht gestorben ist, dann ist es bestimmt noch immer fleißig dabei, den männlichen Abschaum nach Strich und Faden zu vermöbeln.

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