Noch ein Buddy-Movie aus Frankreich…
Wie wir wissen, folgt das Genre des Buddy-Movies ehernen Gesetzen. Man mag sich nicht, rauft sich dann aber zusammen, um gemeinsam eine Aufgabe zu lösen. Manchmal nehmen sich Regisseure Zeit, um die Figuren zumindest mit einem rudimentären Charakterbild auszustatten, aber in der heutigen Zeit, dank des permanenten Informationsüberflusses, reicht es zumeist nicht einmal mehr dazu. Ist ja auch egal, mag mancher denken, Hauptsache es knallt ordentlich, was interessieren mich Motive. Gut, das ist eine Meinung. Viel schlimmer aber ist die damit einhergehende Ignoranz gegenüber Sinn und Unsinn eines Films, denn ein Actionfilm wird erst dann zu einem Meilenstein, wenn er einen gewissen Erinnerungswert hat – und dieser ist nun mal nicht der langsam gesprungene Drehkick oder der Zeitlupenflug einer Pistolenkugel. Man mag die „Bad Boys“, weil sie sympathisch sind, man hat Riggs und Murtaugh verehrt, weil die Chemie stimmte und beide noch ein Leben abseits der Gewalt hatten – Leito und Damien aber, die Helden dieses Films hier, hat man keine fünf Minuten nach Ende des Films vergessen.
Leito lebt im Banlieu 13, einer ummauerten Zone inmitten von Paris, insgesamt heruntergekommen und von der Polizei bewacht. Er pflegt eine tiefe Feindschaft mit dem Drogenhändler Taha, die noch viel tiefer wird, als Taha Leitos Schwester zu seinem Hündchen macht – verantwortlich ein Polizist, der von Leito sogleich gemordet wird. Damien nun ist Polizist, ein Einzelgänger der Sorte „Snake Plissken“, der gerade im Alleingang eine große Gang niedergemacht hat. Nun soll er im Banlieu 13 eine Bombe entschärfen, die alle Bewohner des Distrikts umbringen wird. Doch er kennt sich vor Ort nicht aus…also wird flugs Leito freigelassen, und gemeinsam macht sich das ungleiche Duo daran, die Bombe zu entschärfen, die Schwester zu befreien und den bösen Drogenbaron zu richten. Und all das geschieht in nicht mal neunzig Minuten.
Die erste halbe Stunde des Films macht richtig Laune. Da wird gefäustelt und in bester „Parcour“-Manier an Häusern herumgeturnt, es gibt Kickboxen und rüde Schießereien. Warum nun Leito seine Feindschaft mit Taha hat, werden wir leider dabei nicht erfahren. Aber dann geht es zu schnell weiter, keine Minute widmet man sich dem Zusammenspiel der zwei Hauptdarsteller, ruckzuck sind aus Feinden Freunde geworden, wen interessiert auch warum, lieber noch eine Keilerei. Doch irgendwann hat sich der Schauwert erschöpft, obwohl das Niveau der Stunts gleichbleibend hoch ist. Doch das Drehbuch hat so manchen dummen Moment in sich, da bleibt gerne auch die Logik auf der Strecke. Ein beispiel gefällig? Sechs Monate lang ist Leitos Schwester unter starken Drogen – doch kaum ist die Bombe entschärft, ist sie wieder clean und voll bei der Sache. Manch einer mag das Erbsenzählerei nennen angesichts der wirklich hervorragenden Kampfsequenzen, doch zur wirklich guten Note gehört einfach mehr als nur ein klein bißchen Gewalt…7/10.