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Irische Variante der zehn kleinen Negerlein

Wenn man gerne Filme ansieht, dann kommt da zwangsläufig auch eine große Menge heraus, die man sich über Jahre zu Gemüte geführt hat. Und irgendwann beschleicht einen das Gefühl, man habe nun schon wirklich alles gesehen – Neuerscheinungen sind demnach nur Variationen bisheriger Themen, Puzzlespiele aus beliebigen Filmbestandteilen. Es ist aber auch schwierig, etwas ganz Neues auf Zelluloid zu bannen, denn es hat schon alles gegeben im lauf der Kinohistorie. So wird der Filmgenuß eher zu einem Ratespiel – welcher Film war hier wohl Vorbild, wo hat man geklaut, gab es den Effekt schon einmal, handgemacht oder am Rechner, wo hat Schauspieler X bisher mitgemacht und so fort. Das trübt das Kinovergnügen keineswegs, denn lieber sehe ich eine gutgemachte Kopie als ein schlecht inszeniertes vielleicht ein wenig innovatives Stück Kino.

Kopie, genau. Nach dem Tod eines Mithäftlings, dessen Selbstmord durch ständige Unterdrückung eine logische Folge war, verfrachtet man ein Häufchen jugendlicher Straftäter auf eine einsame Insel. Dort sollen sie zu sich selbst finden…finden aber zunächst drei Damen, die eine Exkursion machen. Eigentlich ja ganz nett, dumm jedoch, daß noch jemand auf der Insel ist, und dieser Unbekannte meint es nicht gut. Er hat abgerichtete Schäferhunde dabei und hervorragende Kenntnisse im Fallenstellen, und so dezimiert er die schnell furchtsam flüchtende Truppe Mann um Mann. Es dauert seine Zeit, bis das Motiv dahinter zu Tage tritt, wieder einmal Rache, und klar ist auch, daß nicht alle die Insel lebend verlassen werden.

Und geklaut haben die Macher von Wilderness wirklich überall. „Open Season“ mit Peter Fonda liefert den Grundstoff und erklärt auch gleich den Bösewicht. „Herr der Fliegen“ ist Pate für die Jungs auf der Insel. Horrorfilme aller Art lassen uns die kreativen Tode erleben. Knastfilme sind verantwortlich für die ersten zehn Minuten des Films und Walter Hills „letzte Amerikaner“ war verantwortlich für die Jagd über die Insel. Ein Film nach Baukastenschema also, aber zum Glück darf Sean Pertwee mittun, den ich persönlich irgendwie gern auf der Leinwand sehe. Es geht schnell und ruppig zur Sache, der Film ist kurzweilig und auch in der Lauflänge kurz, die eine oder andere Logiklücke wird dadurch gar nicht erst zur Diskussion freigegeben. Sicher sind die Tötungsvariationen nicht neu, aber Hundehatz ist unangenehm anzusehen, spannend allemal. Keine Perle des Filmschaffens, aber gut gemachte harte und spannende Unterhaltung - 8/10.

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