Eine Kritik von Mr. Hankey (Bewertung des Films: 7 / 10) eingetragen am 16.07.2006, seitdem 601 Mal gelesen
2006 dürfte wohl das Jahr der computeranimierten Filme im Kino sein. Nachdem man den handelsüblichen Zeichentrickfilm schon seit einiger Zeit aus den Kinos verbannt hat, zumindest aus den amerikanischen, sprießen nun seit einiger Zeit, die modern animierten Filme wie Unkraut aus dem Boden. Angefangen hat dieses Jahr alles mit Disneys "Himmel und Huhn", der bei Publikum und Kritik allerdings (leider) nicht so gut ankam. Danach hieß es "Ice Age 2", die lustige Fortsetzung der Geschichte um Faultier Sid und seinen Freunden in der Eiszeit. Und dann noch "Tierisch Wild", Disneys (ebenfalls leider) verpönte Madagascar-Kopie, die eigentlich gar keine ist. Und auch die zweite Hälfte des Jahres soll noch mit einigen animierten Streifen aufwarten, darunter u.a. "Cars", das hoch erwartete Auto-Spektakel von Pixar. In der Jahresmitte gibt es nun mit "Ab durch die Hecke" den neusten Dreamworks-Spaß zu bewundern, jenem Studio das auch hinter "Shrek" steht. Und zu Lachen gibt es auch dieses mal wieder viel. An die ganz großen Filme kann aber auch dieser Spaß nicht rankommen.
Und dafür gibt es viele Gründe. Der erste dürfte schon in der Story zu finden sein, die dieses mal alles in allem wirklich nicht besonders prall ist. Es geht um eine Bande von Waldtieren, die sich, nach ihrem Winterschlaf, plötzlich nur noch auf beengtem Raum wiederfinden, da eine große Hecke sie von einem neu entstandenen Vorstadt-Gebiet trennt. Eines Tages treffen sie auf den Waschbären RJ, der sie dazu überreden will Futter aus der Menschensiedlung zu stibitzen, welches er braucht, um einen großen Bären milde zu stimmen. Doch der Plan entpuppt sich als alles andere als leicht... Wer jetzt meint, dass so eine Geschichte doch rundum zu einem Familienanimationsstreifen passen würde, der hat ohne Frage recht. Es gibt viele nette Ideen, ein Rundumpaket an Gags und Jokes und vor allem viele liebenswerte Figuren, auf die ich gleich noch zu sprechen komme. Doch wenn man die Geschichte mit den abwechslungsreichen Erzählungen von "Shrek" oder "Findet Nemo" vergleicht, dann fällt einem doch auf, dass wirkliche Abwechslung hier nicht gegeben ist. Im Grunde geht es durchgehend nur darum, wie die Tiere versuchen das Futter zu stehlen und wie die bösen Menschen ihnen diesen Plan jedes Mal vereiteln. Da hätte man alles in allem vielleicht doch noch den ein oder anderen Handlungsstrang mehr präsentieren dürfen.
Was dagegen so richtig klasse ausgefallen ist, ist die Zeichnung der Figuren. Ja, hier haben wir es wirklich mit einem ganzen Haufen von schräg-liebenswerten Figuren zu tun, die man allesamt schon nach kurzer Zeit in sein Herz schließt. Egal ob es der listige Waschbär RJ ist, Schlidkröte Vern, der heimliche Anführer der Sippschaft, Hammy, das vollkommen überhyperaktive Eichhörnchen oder all die anderen liebenswerten Geschöpfe. Ein jedes besitzt die (für einen Animationsfilm) nötige Tiefe, wirkt sympathisch und bleibt für die Kiddies leicht identifizierbar. Nicht ganz so gelungen, dafür aber nicht minder witzig, sind die Menschen ausgefallen, allen voran natürlich die völlig übergeschnappte, ungemein bösartige Besitzern des Hauses, in dem unsere Helden noch wüten werden. Was die Figuren angeht, hat Dreamworks jedenfalls alles richtig gemacht.
Und auch die Gags klappen wieder einmal. Wie seit "Shrek" von Dreamworks gewöhnt, gibt es auch hier wieder die ideale Mischung, aus kindgerechten Kinkerlitzchen-Witzen und einigen bissigen Jokes für die Erwachsenen, zu betrachten. Die Futterklau-Versuche unserer tierischen Gang ist wirklich rasend witzig ausgefallen. Wenn Hammy sich z. Bsp. als tollwütiges Eichhörnchen versucht, der Opossum-Papa sich ein ums andere Mal tot stellt wenn er Gefahr wittert, Stinktier Stella ein ganzes Haus in einen stinkenden Tempel verwandelt, oder das Aufreissen einer Tüte Chips fast schon eine atombombenmäßige Auswirkung hat, dann kugelt sich das Publikum nur so vor lachen. Mein persönlicher Lieblingsgag ist dabei der, schon aus dem Trailer bekannte, THX-Gag, in dem die Wucht eines THX-Trailers im Fernsehen für ein heilloses Chaos unter den Tieren sorgt. Einfach nur wunderbar!
Schade nur, dass sich das Witzniveau, trotz der hohen Anzahl der Brüller, dennoch nicht über die gesamte Laufzeit halten kann und immer wieder mal in einige merkwürdig unkomische Momente verfällt. So wirkt es z. Bsp. etwas befremdlich, wenn Schildkröte Vern ein ums andere Mal um sein Leben bangen muss, wenn er schon wieder in irgend ein heilloses Chaos verwickelt wird. Zudem ist auch das Finale etwas ungewohnt rau ausgefallen, selbst für einen Dreamworks-Film. Einige Kiddies in meiner Vorstellung hatten jedenfalls regelrecht Angst gehabt, als unsere Helden auf der einen Seite der Hecke von einem durchgeknallten Bären und auf der anderen Seite von einer Rasenmäher-schwingenden Frau angegriffen werden. Hier hätte man das Treiben jedenfalls durchaus etwas familienfreundlicher abspielen lassen können, ohne gleich Angst haben zu müssen, irgendwie zu harmlos zu werden. Aber nun gut.
Was die Animationen angeht wird dafür aber wieder astreine Arbeit geboten. Bewusst farbenfroh und comichaft gehalten, können die sauberen, detailreichen und wirklich durch und durch vergnüglich gehalten Animationen rundum überzeugen. Auch wenn der letzte Schliff zur Qualität eines Pixars immer noch fehlt, so ist das Gezeigte doch wieder Dreamworks-Qualität at its Best. Dazu eine wunderbar stimmige Musikauswahl und einige Lieder, die allerdings nicht eingedeutscht wurden, was aber auch gut ist. In punkto Animation stimmt jedenfalls alles.
Und auch die deutsche Synchro kann sich hören lassen, jedenfalls größtenteils. Da hätten wir als erstes Götz Otto, der dem Waschbären RJ seine wunderbare Stimme leiht und ihn rundum passend auf den Zuschauer überträgt. Danach Ralf Schmitz, als flippiges Eichhörnchen Hammy, ebenfalls absolut meisterhaft performiert und mit spürbar viel Spaß dabei. Viel Mühe hat sich auch Bernhard Hoecker als Schildkröte Vern gegeben, doch leider schafft er es, im Gegensatz zu seinen Kollegen, nicht seiner Figur ein wirkliches Gesicht zu verleihen. Gleich tut es ihm Janet Biedermann, die in ihrer Rolle als Opossum-Mädchen ebenfalls versagt. Der Rest geht aber soweit in Ordnung. Und auch das Original, u.a. mit Bruce Willis, William Shatner und Eugene Levy besetzt, kann sicherlich überzeugen.
Fazit: Auch "Ab durch die Hecke" entpuppt sich als ungemein spaßiges Familienabenteuer aus dem Hause Dreamworks Animation, das vor allem durch seine liebenswerten Figuren und sehr vielen Brüller-Gags, die sowohl die Kleinen als auch die Großen gleichermaßen ansprechen, punkten kann. Auch wenn der Story durchaus noch ein paar mehr Einfälle gut getan hätten und sich so manche Grobheit zum Schluss als überflüssig entpuppt, so steht einem gemeinsamen Familienausflug ins Kino sicher nichts im Wege. Kein weiterer Meilenstein, aber, genau wie "Himmel und Huhn", "Ice Age 2" und "Tierisch wild", sehr gute Unterhaltung im Jahre 2006, für alle Freunde guter Animationsprodukte. Mal sehen was da "Cars", als nächster Animationsstreifen bei uns, entgegensetzen kann.
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