Dragon Hero“ stellt die (fast) letzte gemeinsame Zusammenarbeit zwischen Regisseur Lo Wei und dem gerade zum Star avancierten Jackie Chan dar. Wei beteiligte sich zwar auch später noch an der miserablen Fortsetzung zu „Fearless Hyena“, aber dort hatte er schon nicht mehr das Sagen. Bekanntlich harmonierten die Beiden nie richtig zusammen, was vor allem daran lag das Lo Wei aus Jackie unbedingt einen neuen Bruce Lee formen wollte. Chan wollte hingegen seine eigenen Ideen verwirklichen, doch das wurde ihm erst während seiner Zeit mit Yuen Woo-Ping gestattet. Vertrag ist aber Vertrag, trotz der Leihgabe an Seasonal musste Chan seinen Verpflichtungen nachkommen und vorerst weiter mit Lo Wei drehen. Herausgekommen ist die vielleicht beste gemeinsame Arbeit der Beiden.
Ein Fehler von Lo Wei war es Jackie immer mit ernsten Rollen zu besetzen, die ihm beiweiten nicht so auf den Leib geschnitten sind wie die des Comedian. Statt an die überaus erfolgreichen Filme „Snake in the Eagles Shadow“ und „Drunken Master“ anzuknüpfen, rückte Wei kein Stück von seiner Grundformel ab. So wird es besonders Liebhaber des Kung Fu Clowns wundern, dass es hier bierernst zugeht und keine Miene verzogen wird. Chan wirkt zwar bei weiten nicht so fehlbesetzt wie in früheren Filmen, so richtig wohl fühlt er sich in seiner Rolle aber auch nicht.
Auch inhaltlich wagt sich „Dragon Hero“ kaum auf neues Terrain. Jackie schlüpft wieder in die Rolle des Kung Fu Schülers Tang How Yuen, der versucht seinen Meister zu rächen. Dieser wurde nach einem Wettkampf von einem anderen Meister herausgefordert und unterlag im Zweikampf. Tang How Yuen ist dem Fremden jedoch nicht gewachsen, schwört aber eines Tages Rache zu nehmen. Es vergehen drei Jahre in denen Tang hart trainiert, jetzt ist er bereit und macht sich auf den Weg den Meister vom „Clan der Geduldigen“ herauszufordern. Dieser hat seinen Fehler unterdessen eingesehen und bereut sein früheres Verhalten. Wohl auch weil sich seine Frau damals aus Verzweiflung sich das Leben nahm. Tang How Yuen weiß nicht so recht wie er mit Quen umgehen soll, der sich sogar als Entschuldigung ein Bein abgeschnitten hat. Der rivalisierende Wai-Clan versucht Tang derweil für ihre Zwecke zu missbrauchen, um ihn gegen Quen und seine Männer als Waffe inzusetzen…
Zwar bietet die Handlung zu Beginn wenig neues, wird durch die Rivalität der beiden Kung Fu Schulen aber immer interessant gehalten. Chan spielt den naiven aber schlagfertigen Kämpfer solide, wenn man auch merkt dass ihm der ernste Part nicht allzu sehr liegt. Dennoch ist es auch mal angenehm Jackie nicht in der Rolle des blödelnden Schülers zu sehen, so darf er wenigstens ansatzweise ernsthaft schauspielern. Das Charisma eines Bruce Lee strahlt er damit aber noch lange nicht aus.
Durch Chans großen Erfolg an den Kinokassen, wurden wohl auch ein paar Hongkong Dollar mehr als üblich locker gemacht. So sind die Schauplätze abwechslungsreich und geizen nicht mit schönen Tempelanlagen, weit weg jedenfalls von den Wald und Wiesen Kloppern jener Zeit. Nennenswert auch die Riege der Co-Stars, so treten besonders die Bruce Lee Weggefährten Nora Miao und James Tien positiv in Erscheinung. Mit Dean Shek ist zudem ein bekanntes Gesicht aus früheren Chan Filmen dabei.
Besonders markant an diesem Film sind die vielen Kampfszenen, die obendrein auch noch sehr ansehnlich choreographiert wurden. Zwar darf man nicht solch anmutige Trainingssequenzen wie unter Woo-Ping erwarten, dennoch kann sich das Gezeigte wirklich sehen lassen. Die Action konzentriert sich auf bodenständiges Martial Arts, von Chans späterer Vorliebe für furiose Stunts ist hier hingegen noch wenig zu sehen. Besonders Liebhaber ausgefeilter Techniken dürften voll auf ihre Kosten kommen, denn bei „Dragon Hero“ stimmt nicht nur das Tempo sondern auch der Mix aus Schlägen, Tritten, Würfen und Hebeln. Ungewöhnlich für einen Chan Film ist das hohe Maß an Brutalität. So drischt Tang How Yuen beispielsweise ununterbrochen auf seine Gegner ein, auch wenn diese schon am Boden liegen.
Fazit:
Auch wenn dieser Film weit weniger populär ist als Chans Comedy Kung Fu Streifen dieser Zeit, lohnt es sich einen Blick zu riskieren. Die Handlung gibt zwar nicht allzu viel her und Chan ist auch nicht wirklich die Idealbesetzung, die formidablen Actionszenen machen das aber locker wett und übertreffen viele seiner bekannteren Frühwerke.