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Eine runde Sache: die Anniversary-Ecke

Vor 50 Jahren: Hochzeit eines italienischen Genres – Giallo-Triple, Vol. V

13. April 2022 | Stichwörter: 1970er, Amadio, Caiano, Celi, Danning, Duella, Erotik, Frank, Frankreich, giallo, Horror, Italien, Jubiläum, Keller, Klassiker, Monaco, Neri, Ronet, Sandrelli, Sollima, Spielfilm, Thriller, Valli


L’occhio nel labirinto (1972) & Il diavolo nel cervello (1972) & Il sorriso della iena (1972)

Manche gialli betonten in ihren Titeln die Sinnlichkeit der Filme, etwa ĂĽber die Erwähnung von Farben, und lenkten somit die Aufmerksamkeit auf das visuell Wahrnehmbare, spielte dieses – und manchmal auch die auditive Wahrnehmung – doch in den Filmen oft genug eine wichtige Rolle, derweil es von Figuren aus ungĂĽnstigen Perspektiven beäugt und falsch kontextualisiert wird oder auch falsch erinnert und interpretiert wird. Andere gialli setzten dagegen darauf, die aus solchen TrugschlĂĽssungen und Täuschungen resultierende Verwirrung in metaphorische Titel zu ĂĽberfĂĽhren, die teilweise fast schon leicht surreale Qualitäten besaĂźen. Mario Caianos am 24. März 1972 uraufgefĂĽhrter “L’occhio nel labirinto” ist solch ein Titel, der im englischen Titel “Eye in the Labyrinth” weitgehend gewahrt bleibt: Das Auge und somit auch der Sehakt wird ebenso herausgestellt wie das Labyrinth, das ja vielfach auch in der Aufsicht oder als Zeichnung seine Lösung nicht – wie man so schön sagt – auf den ersten Blick enthĂĽllt. Labyrinthisch wirkt – nachdem mit einem Borges-Zitat der metaphorische Charakter des Labyrinths betont wird – die Architektur, durch die gleich zu Beginn der Handlung eine Figur hetzt, um grausig erstochen zu werden. Es handelt sich bloĂź um einen Alptraum: den Alptraum der Protagonistin, die ihren Freund, einen Psychologen, in diesem Traum sterben sah und sich im Wachzustand mit seinem Verschwinden konfrontiert sieht. Labyrinthisch wirkt später auch das Scrabble-Brett mit seinen Wortgebilden, die in ihrer Ballung freilich spannende Assoziationen erlauben. Und so unklar wie der Weg vom Ein- zum Ausgang des Labyrinths ist auch der Weg vom Alptraum-Tod des Freundes zu seinem realen Schicksal. Caiano setzt auch immer wieder Augen-Blicke in Szene, gegen Ende vor allem mit raschen Zooms. Und er findet neben dem Labyrinth noch ein anderes Leitmotiv: den Schwindel, die Spirale… Vertigo. Einer von mehreren Hitchcock-Verweisen, die Caianos Film ebenso wie der jazzige Score oder der erlesene Cast – Adolfo Celi, Sybil Danning, Horst Frank, Alida Valli – aufwerten. Am Ende ist freilich vieles klarer: Diese Beruhigung wenigstens haben die gialli nur selten verweigert.
Auch der am 13. April 1972 erschienene “Il diavolo nel cervello” von Sergio Sollima besitzt einen mustergĂĽltigen – und mit “The Devil in the Brain” adäquat ĂĽbersetzten – giallo-Titel: Das Hirn ist freilich zweierlei. Sofern es nicht ums eigene Hirn geht, ist das Hirn ein Objekt, das von auĂźen erst einmal leicht labyrinthisch strukturiert wirkt; man kann nicht hineinschauen und weiĂź kaum, was darin vor sich geht… Geht es ums eigene Hirn, so ist nicht mehr Objekt, sondern allerengster Teil der eigenen Identität, es ist innerster Teil des Subjekts das man ist (und als sein wichtigster Draht zur AuĂźenwelt gelten seit jeher die Augen). Wenn nun der Teufel im Hirn wĂĽtet – oder eine Katze, wie später bei Lucio Fulci –, dann hat auch dies zwei Seiten: bei anderen Personen erkennt man dann leicht (oder vermeint eher, leicht zu erkennen), dass sie nicht richtig ticken; insbesonde dann, wenn aggressives, gemeingefährliches Verhalten im Spiel ist, scheint es offenkundig zu sein, dass jemand nicht mehr ganz richtig im Kopf ist. Geht es ums eigene Hirn, dann merkt man das nicht mehr unbedingt. Dann täuscht und irrt man sich mitunter regelmäßig, ohne es auch nur zu merken. Der Teufel, der dann dort im Hirn wĂĽtet, ist quasi Descartes’ genius malignus. Sollima, der mit Italo-Western wie “Faccia a faccia” (1967) oder dem Poliziottesco “Revolver” (1973) Höhepunkte des italienischen Genrekinos jener Jahre hervorgebracht hat, treibt das Spiel mit IrrtĂĽmern und Täuschungen, mit fehlerhaften Gedächtnisleistungen ziemlich hochwertig auf die Spitze und bedient dabei alle Blickweisen, die man auf den vielschichtigen Titel haben kann: Keir Duella findet eine Freundin nach langer Zeit in einem reichlich labilen Zustand vor, derweil ihr junger Sohn als vermeintlicher Vatermörder in einer Anstalt sitzt. Die Lösung wird in völlig unerwartete Richtungen zielen und nicht bloĂź die Figuren haben ErinnerungslĂĽcken oder falsche EindrĂĽcke, sondern auch das Publikum muss seine Annahmen ĂĽber Bord werfen. Relativ unbekannt, gehört das noch mit Stefania Sandrelli und Maurice Ronet prominent besetzte Werk dennoch zu den besseren gialli.
Der am 4. Mai 1972 uraufgefĂĽhrte “Il sorriso della iena” gehört mit dem zeitnah entstandenen “Alla ricerca del piacere” zu den bekanntesten Filmen Silvio Amadios. Auch hier spricht der Titel Bände, wenn er auch vergleichsweise konventionell anmutet: Aber das Lächeln, das hier auf die Hyäne zurĂĽckgefĂĽhrt wird, verbindet ja nicht allein das positiv Konnotierte mit dem negativ Konnotierten – was der freie englische Titel “Smile Before Death” etwas stärker betont –, sondern macht zudem auch auf eine Täuschung aufmerksam: Man vergisst bei ersten Assoziationen gerne, dass ein Lächeln auch bei missgĂĽnstiger Schadenfreude erfolgen kann; und im Fall der Hyäne handelt es sich bei dem, was wie ein Lächeln oder gar ein Lachen wirkt, nicht einmal um ein Lächeln oder Lachen. Lässt man die Hyänen einmal auĂźer Acht und liest den Titel metaphorisch, dann ist diese Verzahnung von (eben trĂĽgerischer) Sympathiebekundung und Bedrohung doch wieder sehr giallotypisch. Im Vorspann schlägt sich das nieder: denn der albern geträllerte und gekicherte Titelsong kontrastiert natĂĽrlich die Kriminalhandlung, die sogleich mit qualvoller, langwieriger Agonie einsetzt. Zugleich bezieht sich das Lächeln auch auf das (nahezu immer kĂĽnstlich-gezwungene) Lächeln auf Fotografien, denn die Tochter der soeben Verschiedenen wird beim Vater und seiner als Fotografin agierenden Partnerin unterkommen. Das anstehende Erbe sorgt freilich fĂĽr Konflikte – und hat das Ableben der Partnerin/Mutter erst erforderlich gemacht. Und so geht es hier um die gute Miene zum bösen Spiel, um die trĂĽgerischen Fassaden der Menschen, die einer Intention folgend ebenso in die Irre fĂĽhren können wie unzureichend erkundete Sachverhalte. Mit Rosalba Neri und “Fellini Satyricon”-Star Hiram Keller bemĂĽht sich der Film um Schauwerte, die Amadios immerhin routinierte Inszenierung insgesamt doch eher nur sehr begrenzt bietet.


PierrotLeFou



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