Nachdem die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki gefallen, der Kalte Krieg und in der Gefahr des Wettrüstens propagandistische Lehrfilme zum positiven Nutzen der Kernenergie, aber auch verharmlosend Verhaltensmaßregeln bei einem nuklearen Zwischenfall einimpfend allgegenwärtig waren und Meldungen wie der geheimnisvolle Roswell-Absturz die Ängste der von Verschwörungstheorien durchsetzten McCarthy-Ära zusätzlich zu schüren begannen, waren es in den 50er Jahren zwei Filme, die jeweils archetypische Akzente prägten. Dies war zum einen der von bösartigen Invasoren aus dem All handelde Das Ding aus einer anderen Welt und zum anderen der Atombomben als Ursache für eine monströse Rache der Natur verantwortlich machende Dinosaurier in New York. Interessanterweise beginnen beide Filme auch im Eis.
Die Idee zu Dinosaurier in New York basiert auf der Geschichte The Fog Horn von Ray Bradbury, der nicht nur als Autor mit Büchern wie Die Mars-Chroniken und Fahrenheit 451 sowie zahlreichen Arbeiten für Film und Fernsehen Erfolge verzeichnen konnte, sondern auch zu den Jugendfreunden von Ray Harryhausen gehört. Mit ihm zog er begeistert durch die Lichtspielhäuser, um phantastische Filme wie Die verlorene Welt und King Kong und die weiße Frau zu bestaunen. Von der eigentlichen Vorlage blieb allerdings nicht viel mehr als die von einer Illustration inspirierten Szene übrig, in der ein Leuchtturm von einem Saurier angegriffen wird.
Im Zusammenhang mit einem Atomtest untersuchen Wissenschaftler das ewige Eis und machen plötzlich Bekanntschaft mit einem erwachten Urtier. Professor Tom Nesbitt (Paul Hubschmid) steht vor dem nachvollziehbaren Problem, daß ihm niemand glaubt. Er vertraut sich unter anderem dem Paläontologen Professor Thurgood Elson (Cecil Kellaway) an, der sich aufgrund seiner Leidenschaft nichts sehnlicher wünschen könnte, als einem lebenden Dinosaurier zu begegnen, doch hält er dessen Existenz selbstverständlich für unmöglich. Als jedoch Meldungen von Seemonstern durch die Nachrichten geistern, die Schiffe angegriffen haben, wird Elsons Assistentin Lee Hunter (Paula Raymond) stutzig. Sie geht mit Nesbitt Zeichnungen von prähistorischen Lebewesen durch und begibt sich auf die Suche nach weiteren Zeugen, um diese unabhängig den bestimmten Rhedosaurier identifizieren zu lassen.
Als dieser erste Nachweis besteht, läßt sich Professor Elson umstimmen und Professor Nesbitt benachrichtigt sogleich die Militärs über die nun fundierte Unterstützung. Zwar wird die Meldung dort weiterhin ungläubig aufgenommen, doch sich häufende Berichte belegen, daß ein Dinosaurier seine Zerstörungsspur die Ostküste entlang zieht - Richtung New York!
Spätestens wenn Lee van Cleef das Monster mit Isotopen beschießt, sollte klar sein, welch grundlegenden Status der kurz auf die Wiederaufführung von King Kong und die weiße Frau in die Kinos gebrachte Dinosaurier in New York für praktisch jeden folgenden Monsterfilm der kommenden Jahre hatte. Mit einer modernisierten, aber auch dem niedrigen Budget von aus privaten Quellen bezogenen 200.000 Dollar durch deutliche Raffung angepaßten Quasi-Adaption der Filme des Harryhausen Idols und Lehrmeisters Willis H. O'Brien stieß das Team der Jack Dietz-Produktion eine wahre Kettenreaktion an, die in Japan mit Godzilla und in den USA über Formicula zu einer Monstermania anschwoll.
Dabei entstand unter der Regie von Eugène Lourié einer der wenigen Filme des neuen, angehenden Stop-Motion-Idols, die trotz aller Kosteneffizienz noch eher wie ein B-Movie anmuten. Grund dafür ist zum Teil die auch damals schon etwas platte Dramaturgie. Daß hier offensichtlich auch auf Stock Footage zurück gegriffen werden mußte, fällt hingegen weniger auf als bei The Incredible Petrified World, in dem nämlich dieselbe reale Unterwasserszene zwischen Hai und Krake zu sehen ist.
Letztlich sind es nicht die Zwischenstationen, in denen man den Rhedosaurier bereits zu Gesicht bekommt, sondern das recht kurz angelegte Finale, welches zwar mit einem erinnerbaren, theatralischen Ende der Bestie in der Achterbahnanlage auf Coney Island aufwartet und durch die mögliche Verseuchung bei konventioneller Zerstörung einen zusätzlichen, interessanten Faktor ins Spiel bringt, jedoch insgesamt, vielleicht auch weil die natürlicherweise menschlichere und damit umfangreichere Artikulation eines Kong fehlt, nicht so befriedigend ausfällt, wie es ohne Einschränkungen vielleicht hätte sein können.
Rein technisch gehört Dinosaurier in New York für Ray Harryhausen allein deshalb schon zu den bemerkenswertesten Filmen, weil er hier erstmals durch enormen Kostendruck die vorher bei Mighty Joe Young genossene Freiheit komplexer Animationen bei seinen ersten Spielfilmeffekten in kompletter Eigenregie überdenken mußte. So besann er sich auf ein bei Kurzfilmen entwickeltes Verfahren, welches er später als Dynamation bezeichnete. Das Prinzip an sich ist relativ einfach. Anstatt mit komplexen Dioramen, bemalten Vorder- und Hintergründen und Mehrfachbelichtungen zu arbeiten, ließ er die zu bewegenden Teile vor einer Projektionsfläche agieren.
Mit der Splitscreentechnik sparte er Teile der Projektion aus, die später auf einer festgelegten Fläche im Vordergrund eingefügt werden konnten. So entstand mit einfachen Mitteln eine Tiefenwirkung. Es erfordert allerdings gehöriges Fingerspitzengefühl und sehr präzises Equipment, da ansonsten schnell Unruhe ins Motiv kommt. Bis zu Kampf der Titanen arbeitete Harryhausen mit von Harry Cunningham urpsprünglich für Mighty Joe Young gebauten Projektoren und einer Mitchell-Kamera aus den Zwanzigerjahren.
Auch wenn also Dinosaurier in New York nicht unbedingt für den auf alle geschliffenen Kanten achtenden Durchschnittscineasten geeignet ist, finden doch spätestens Genrefreunde und erst recht Effektnerds keinen Weg an dieser Wurzel allen Kreaturenübels vorbei, die Roland Emmerich mit seinem zwiespältig aufgenommenen Godzilla Remake - vielleicht unfreiwillig - re-importierte und die erst jüngst noch in Cloverfield nachhallte.