17. März 2017

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von PierrotLeFou

Vor 50 Jahren: Zweite Bernanos-Verfilmung von Bresson

Mouchette (1967)

Es wäre vermessen zu behaupten, dass Bernanos ohne die gefeierten Verfilmungen seiner Werke (durch Bresson, durch Pialat) wesentlich weniger bekannt wäre; aber zumindest haben die großen filmischen Würfe seinen Ruf immer wieder ein wenig aufpoliert. Erstmals wird Bernanos von Bresson für den Film adaptiert: Dieser machte aus "Journal d'un curé de campagne" (1936), welcher als einer der größten Romane Bernanos' gilt, einen Klassiker der Filmkunst: "Journal d'un curé de campagne" (1951) ist nicht bloß ein finanzieller Erfolg beim Publikum, sondern wird auch von Kritikerseite, insbesondere auch von André Bazin überschwänglich gelobt und erhielt mehrere bedeutende Filmpreise. Vor allem findet Bresson mit diesem Film zu seinem typischen, minimalistischen Stil, welchen Paul Schrader später als transcendental style beschreiben sollte: Nicht zufällig mag ein christliches Thema nach Vorlage eines katholischen Schriftstellers den Film ausgefüllt haben, mit welchem Bresson solch einen transcendental style erschuf. (Martin Scorsese, ebenfalls einer der großen katholischen Filmemacher, zählt Bressons Film dann auch zu seinen prägendsten Filmerlebnissen.) Dabei war das religiöse Thema für Bresson allerdings keinesfalls neu: Schon in "Les anges du péché" (1943) hatte er sich einer solchen Thematik gewidmet - nach einem Drehbuch Raymond Leopold Bruckbergers (welcher später seinerseits mit "Le dialogue des Carmélites" (1960) eine toll besetzte, allerdings weniger geschätzte Bernanos-Verfilmung inszenierte).

Mit dem am 14. März 1967 uraufgeführten "Mouchette" kehrte Bresson - der zwischenzeitlich mit vier weiteren, allesamt zu großen Klassikern avancierten Filmen seinen ureigenen Stil etablieren konnte - wieder zu Bernanos zurück. Zugrunde liegt "Nouvelle Histoire de Mouchette" (1937). Es ist nicht diesselbe Mouchette, welche Bernanos-Leser(innen) bereits aus "Sous le soleil de Satan" (1926) kennen - welchen Maurice Pialat 1987 verfilmte -, aber eine in ihrer Einsamkeit ähnliche Figur: Bernanos selbst weist im knappen Vorwort darauf hin. Ein episodischer, dramaturgisch entschlackter Handlungsverlauf, der ein böses Ende nehmen wird, kommt Bressons minimalistischen Stil entgegen: ein Stil, der dazu beiträgt, dass sich das böse Ende zugleich auch als ein gnädiges Ende, als eine Erlösung erfahren lässt. "Mouchette" ist ein Bresson in Reinkultur und wohl einer seiner besten Filme. (Tarkowskij - ein nicht minder spirituell veranlagter Regisseur - zählte "Mouchette" zu seinen persönlichen Favoriten überhaupt.) Der großartige Film verfügt übrigens auch über einen großartigen Trailer: Jean-Luc Godard hatte diesen seinerzeit erstellt.
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