Anlässlich ihres 92-ten Geburtstags laden die beiden alten Damen Victoria (Anne-Marie Fox) und Elizabeth Remington (Dany Daven) die gesamte Verwandtschaft auf ihr schlossartiges Anwesen ein. Schnell wird klar, dass alle geladenen Gäste nur aus einem einzigen Grund gekommen sind : sie möchten einen guten Eindruck bei ihren Tanten hinterlassen um nach deren Tod im Testament grosszügig bedacht zu werden. Die Feier aber gerät aus allen Fugen als die beiden alten Damen eine geheimnisvolle Holztruhe von ihrem Neffen Christopher, dem schwarzen Schaf der Familie, der einst ein Priester in einer satanischen Sekte war, geschenkt bekommen. Aus der Truhe strömt nämlich ein Gas aus, welches die beiden Omas zu blutrünstigen Bestien werden lässt. Fortan müssen alle Gäste um ihr Überleben kämpfen...
Ja, ja, an der Firma Troma scheiden sich die Geister : neben den Rechten an absoluten Kultfilmen wie dem ungemütlichen Rape & Revenge - Klassiker "Muttertag" und der ausgezeichneten Splatterkomödie "Toxic Avenger" (wobei die Bewertung "ausgezeichnet" nur auf Teil 1 zutrifft !) besitzt die US-Independentfirma auch die Rechte an zahllosen unterdurchschnittlichen bis miserablen Streifen wie "Schrei lauter" und "Surf Nazis must die". Dementsprechend weiss man nie was man bekommt, wenn man sich einen Troma-Film ansieht. "Rabid Grannies" (bei welchem es sich übrigens um eine belgische Produktion handelt !) ist einer der wirklich besseren Filme der Firma. Und wie viele andere Vertreter des Splatter-Genres erlangte auch dieser traurige Berühmtheit durch die Tatsache, dass das US-Tape dieses Filmes im Jahre 1990 in Deutschland bundesweit beschlagnahmt worden ist. Es ist wohl ausschliesslich dem Uncut-Label "Astro Records & Filmworks" zu verdanken, dass der Film überhaupt in deutscher Sprache veröffentlicht worden ist. Diesen Mut bezahlte die Firma mit der Beschlagnahmung ihres Uncut-Tapes im Jahre 2001. Warum die deutschen Jugendschützer sich zu diesem Schritt genötigt sahen, ist nicht ganz nachzuvollziehen. Eigentlich ist dem Film nur vorzuwerfen (das aber durchaus heftig !), dass er Verstümmelung von Kindern zeigt : es ist äusserst geschmacklos zu zeigen, wie eine mutierte Oma ihrer kleinen Enkelin die Beine abreisst und sich danach über die Kleine lustig macht und sie als "Göre" beschimpft. Normalerweise scheuen sich deutsche Jugendschützer aber nicht, solche zu extremen Szenen fein säuberlich zu entfernen und den Film dann unter Schnittauflagen freizugeben. Der Rest des Filmes nämlich ist zwar durchaus blutig, die Effekte sind aber zu leicht zu durchschauen und von eher unterdurchschnittlicher Qualität, so dass man sie nicht wirklich ernst nehmen kann. Für Splatterfans schmälert die nicht immer überzeugende technische Umsetzung der Splatterszenen aber nicht den hohen Unterhaltungswert des Films, zumal die Zahl der Splatterszenen durchaus beachtlich ist.
Vor dem Gore-Fest aber werden zunächst die vielen Figuren eingeführt. Der Regisseur lässt sich hier eine gute halbe Stunde Zeit um die Beziehungen zwischen den Personen zu erläutern. Obwohl während dieser Zeit nichts weltbewegendes geschieht, habe ich mich nicht gelangweilt. Dies liegt daran, dass sich die Gruppe von Menschen aus sehr skurrilen Individuen zusammensetzt : die Palette reicht von der tolpatschigen Maid Alice (Patricia Davia) über den dicken Firmeninhaber Fred (Guy van Riet), der ständig irgendwelche Kraftausdrücke auf den Lippen hat, über den trocken auftretenden Butler Radu (Sebastien Radovitch) bis hin zum schrägen Pfarrer Percival (Robert du Bois). Dies ist nur eine kleine Auswahl der knapp 15 Leute, die sich anlässlich des Geburtstages der beiden Tanten auf dem Anwesen einfinden. Neben einigen witzigen Sequenzen (z.B. schaut sich der Waffenhändler Harvey (Jacques Mayar) mit einem Mitarbeiter ein Werbevideo für einen J 32 -Panzer an, welches speziell auf den islamischen Markt zugeschnitten ist), ist es vorallem köstlich mitanzusehen, wie sich die Personen untereinander piesacken, dabei aber darauf achten, dass sie selbst bei ihren Tanten Sympathiepunkte sammeln um einen möglichst grossen Anteil vom Erbe zu ergattern. Gerade in dieser ersten halben Stunde wird deutlich, dass der Film eigentlich eine (rabenschwarze !) Komödie ist.
Die deutsche Synchronisation ist dabei ordentlich gelungen. Sollte die Firma "Astro" selbst diese Synchronisation vorgenommen haben, so gebührt ihr grosser Respekt. Auch das Ende des Filmes kann überzeugen : es ist wohltuend zynisch und hätte durchaus die Möglichkeit eines Sequels offen gelassen.
Der einzige wirkliche Kritikpunkt, den ich anführen kann, ist, dass der Film keinerlei akustische Unterstützung vorweisen kann. Es gibt keine Musik oder sonstigen spannungsfördernden Klänge - hier hätte man wesentlich mehr machen können.
Fazit : ein kleiner, feiner Splatterfilm, dem aus meiner Sicht weder der sehr dialoglastige Anfang noch die teils mindere Qualität der Gore-Effekte allzu sehr schadet. Und seit seiner Beschlagnahmung besitzt der Film fast schon Kultstatus. Bitte mehr davon !