Das Pariser Opernhaus ist Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Doch die Truppe um Star-Sopranistin Carlotta bangt um ihr Leben, als bekannt wird, das ein Phantom in den langläufigen Katakomben unter dem Haus sein Unwesen treibt. Einige allzu neugierige Handwerker ließen bereits bei einer Begegnung mit dem Mann, der vor Jahren als Knäblein in einem Binsenkorb auf dem unterirdischen Flüßchen unter dem Haus angespült und von Ratten großgezogen worden ist, ihr Leben. Das Phantom ist jedoch angetan von der Nachwuchssängerin Christine, deren glockenhelle Stimme bis in seine Behausung vordringt. Diese verfällt auch schon bald den Verführungskünsten des Mannes, dessen Oberstübchen durch seine Kinderstube bei den Nagern leicht der Wirklichkeit entrückt ist...
Ganz getreu seinem bisherigen Oeuvre hat Dario Argento die klassische Schauermär von Gaston Leroux in eine Psychopathen-Story debilen Zuschnitts verwandelt, in der das Phantom (In dieser Rolle eine glatte Fehlbesetzung: Julian Sands) noch nicht einmal mehr entstellt ist und die gegenüber seiner vor zehn Jahren hingelegten Modernisierung des Stoffes (Das Phantom tobte bereits unter Heavy-Metal-Klängen in "Terror in der Oper") auf fast sämtliche Konventionen betreffend einer Rücksichtnahme auf ein zahlendes Publikum verzichtet. Die Story schleppt sich nämlich förmlich durch ein zerfahrenes Drehbuch, welches noch nicht einmal die blutig-grotesk gestalteten Morde zu Höhepunkten eines Horrorspektakels zu formen wußte. Auf was es Argento allerdings wirklich ankam, sieht man bereits von der ersten Minute an: auf Ausstattung und Dekor. In für ihn selten schwülstigen Bildern wird der Blick freigegeben auf die pädophil angehauchte Welt der großen Opern- und Balletthäuser des 19. Jahrhunderts und läßt damit sein "Phantom der Oper" zu einem künstlerisch ebenso schwierigen wie beachtlichen Film werden, was ihm sogar der "Katholische Filmdienst" (# 4/1999) bestätigte. Fazit: Wie schon bei Argentos letzten Werken, so werden sich auch bei "Das Phantom der Oper" die Geister scheiden. Ich jedenfalls finde seine Filme weiterhin interessant und sehenswert. Nach diesem Ausflug in die Welt des klassischen Horrors wird sich Argento allerdings wieder einem typischen Giallo-Stoff zuwenden („Sleepless“). Auf DVD letterboxed (1,8:1). Mit Julian Sands, Asia Argento, Andrea di Stefano, Nadia Rinaldi u.a.
© Selbstverlag Frank Trebbin