Review

Einer der Filme, die man als Freund des Genres eigentlich einfach richtig gern haben muß. Eigentlich.

Ich verhehle gar nicht, daß ich mit „Re-Animator“ genügend Spaß hatte, um ihn kürzlich gewiß nicht das erste und letzte Mal gesehen zu haben, allein schon wegen seines Kultstatus und weil er unbestritten wie „Tanz der Teufel“ wegweisend für den modernen Horrorfilm gewesen ist; ein wenig Enttäuschung machte sich trotzdem bei mir breit.

In der von Brian Yuzna und Stuart Gordon favorisierten 82-Minuten-Fassung tun sich dermaßen viele Logiklöcher auf und die Charaktere verhalten sich mitunter so fragwürdig und unverständlich, daß es sich, auch wenn man von einem Splatterfilm alles andere erwartet als eine oscarwürdige Story, nicht ohne weiteres gnädig übersehen läßt. An allen Ecken und Enden bemerkt man, daß „Re-Animator“ ursprünglich über eine wesentlich längere Laufzeit verfügte, aus der im Nachhinein eine gute Stunde entfernt werden mußte, zu häufig fehlen entscheidende Handlungsfüllsel, die erklären, warum eine Figur nun gerade dies oder das tut. Dans Motivation, seinem Mitbewohner Herbert West fortwährend bei seinen stets fehlschlagenden Experimenten an jüngst Verschiedenen widerwillig, jedoch dennoch jederzeit mit helfender Hand zur Seite zu stehen, bleibt genauso schleierhaft (was wohl weniger mit den nachträglichen Kürzungen zu tun hat als vielmehr mit schlampigem Drehbuchgekritzel von Seiten des Autors, wenn man bedenkt, daß sich Dans Hilfsbereitschaft trotz sichtlichen Unwillens im Sequel immer noch nicht entscheidend geändert hat) wie seine Entscheidung, seinem Dekan und gleichzeitigem Schwiegervater in spe begeistert von Wests wundersamem Serum zu erzählen, nachdem er eine Szene vorher bei der Reanimation von Megs Katze noch angemessen entsetzt reagiert hatte. Warum er und seine Freundin wenig später in Dr. Hills Büro einbrechen, wüßte ich schon ganz gern, und wie West überhaupt scheinbar problemlos, obwohl akut mordverdächtig, die Schweizer Uni ohne strafrechtliche Konsequenzen verlassen konnte, ist auch ein Geheimnis, das uns nicht verraten wird. Das ist einfach nachlässig zusammengeschnitten worden, da kann ich keine Nachsicht walten lassen, zumal sich solche Fragen unweigerlich und alle paar Minuten aufdrängen.

Doch nicht nur die zahlreichen Straffungen stellen ein Problem dar, nein, mitunter wäre es angebracht gewesen, wenn man schon der Unlogik so viel Platz läßt, einzelne Passagen zusätzlich, insbesondere die nicht sehr prickelnden Dialoge betreffend, zu verkürzen, denn abgesehen von den exzessiven Bluteinlagen hat der Film gar so viel nicht zu bieten, weswegen er sich bisweilen wie Kaugummi zieht.

Für Low-Budget-Verhältnisse sehen die krassen, comichaften und keineswegs ekelerregenden Effekte nicht so übel aus, einiges ist vereinzelt zwar sehr, sehr durchsichtig (alles rund um den abgetrennten sprechenden Kopf), wurde alles in allem aber recht professionell gelöst. Der schwarze Humor indes, der „Re-Animator“ von der Fangemeinde nachgesagt wird, schimmert überraschend selten durch, fast hat man den Eindruck, als käme er manchmal rein zufällig zustande und nicht immer gewollt, und auch West - vom Charakter her wirklich der Archetyp eines Mad Scientists, zudem kongenial gespielt von Jeffrey Combs (neben dem während des Drehs sichtlich tierisch viel Vergnügen gehabt habenden David Gale als Hill der einzige, der nachhaltig in Erinnerung bleibt) - kommt noch nicht so zur Geltung wie im Verlauf der bisherigen Trilogie. Dafür wartet der Film nach dem hysterischen Finale mit einem unerwartet plötzlich einbrechenden und nicht gerade als Happy-End, von dem ich vorher ausgegangen wäre, zu bezeichnenden Schluß auf, was ziemlich reizvoll ist.

Richard Bands „komponierte“ Musik entwickelt sich zum echten Ohrwurm, der einen monatelang verfolgen kann, das kann man nicht anders sagen, ärgerlich nur: Sie ist sowas von dreist von Bernard Herrmanns „Psycho“ abgekupfert, daß es in den Ohren schrillt. Wäre ganz nett gewesen, hätte man dies - wie von Band, auf „Re-Animator“ angesprochen, geäußert - im Abspann mit einem Federstrich erwähnt und nicht schlichtweg vergessen.

Von etwas kompetenterer Hand nachbearbeitet - da bin ich mir sicher - hätte das Resultat besser ausfallen können, als es jetzt der Fall ist. Irgendwie sympathisch und mit viel Enthusiasmus inszeniert, wenn Stuart Gordon auch eher mit dürftigem Talent gesegnet zu sein scheint, und wäre weniger Leerlauf vorhanden, sicherlich etwas, das man sich bei jeder Gelegenheit anschauen könnte. So steht am Ende leider nur: 6/10, vielleicht auch gerade noch 7/10. Ich hätte liebend gern mehr gegeben.

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