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“Re-Animator” basiert bekanntlich auf der Vorlage des Kult-Autors H.P. Lovecraft. Bei Stuart Gordon’s Verfilmung kann man zwar von einer gelungenen Literaturverfilmung sprechen, nicht aber von einer genauen Adaption. Die Atmosphäre des Buches wird aber erstaunlich gut getroffen und auch die Optik des Hauptcharakters passt einfach perfekt zu Hauptdarsteller Jeffrey Combs.

Zwei Jahre vor „Bad Taste“ und im gleichen Jahr wie „Return of The Living Dead“ revolutionierte Gordon die Splatter-Komödie mit einem fulminanten Erstling, der sicher zu den besten Debüt-Werken überhaupt gezählt werden kann. Nicht umsonst erntete „Re-Animator“ bei seiner Uraufführung auf dem allseits angesehenen Film-Festival von Cannes tobenden Applaus. Selbst ein seriöses Publikum war begeistert von der großartigen Inszenierung, der dichten Atmosphäre und den brillant aufspielenden Darstellern.

Hier ist natürlich Jeffrey Combs als erster zu nennen denn er verleiht seinem Charakter eine solch tiefe Glaubwürdigkeit, sodass man ihn als den wohl erinnerungswürdigsten Mad Scientist der Filmgeschichte bezeichnen darf. Doch auch die anderen Schauspieler wie Bruce Abbott als Dan Cain oder David Gale als Dr. Hill sind einfach sehr gut besetzt und können in ihren Rollen überzeugen.

Die Musik von Fließbandfilmer Richard Band ist für „Re-Animator“ erstaunlich gelungen und sehr eingängig ausgefallen. Wie gewohnt wird der Score zwar auf Dauer ein wenig eintönig, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er stets als passende Klang-Kulisse funktioniert.

Der Gewalt-Faktor ist sehr hoch und es gibt einige extrem blutige Effekte zu sehen, inklusive einer berühmten Szene gegen Ende welche recht kontrovers ausgefallen ist. Gemeint ist die Szene in der der geköpfte und anschließend reanimierte Dr. Hill sich über die nackte Megan hermachen will.

Besonders am Ende wird der makabre Humor auf die Spitze getrieben und wird nach und nach immer schwärzer. Der Witz steht dem Film sehr gut und fusioniert perfekt mit der gruseligen Atmosphäre. Nur wenig der rohen Brutalität wird abgemildert, denn letztlich ist „Re-Animator“ ein Horrorfilm, der geschickt mit der Anwendung seiner Gags spielt.

Nahezu perfekt ist die Umsetzung der zahlreichen Gewaltakte, die selbst aus heutiger Sicht nichts für schwache Nerven sind. Peter Jackson überbot mit seiner Gewaltdarstellung in „Bad Taste“ und „Braindead“ alles andere, aufgrund der maßlosen Überspitzung funktionieren dessen Werke längst nicht mehr als Horrorfilme.

„Re-Animator“ ist noch ganz klar einen Schritt entfernt von endgültigem Fun-Splatter. Dafür spricht auch der dramaturgisch sehr lineare Aufbau und die Nähe zu klassischer Theater-Inszenierung, denn Gordon sammelte seine ersten Erfahrungen beim Theater. Das ist zu bemerken an den (gekonnt) überspitzten Charakteren und den fehlenden Außenaufnahmen, sowie an der liebevollen Set-Gestaltung.

Ein ähnliches Konzept verfolgte einige Jahre früher John Landis in „American Werewolf“, „Re-Animator“ ist eine ähnliche Frischzellen-Kur für das Genre. Eine intelligente Hommage und ein innovativer Neuanfang zugleich – Das ist „Re-Animator“, Auftakt einer bisher dreiteiligen Reihe.

Es existieren unterschiedliche Schnitt-Fassungen des Films, unter anderem gibt es eine volle deutsche Version mit allen Splatter- und Handlungsszenen. Am besten funktioniert „Re-Animator“ allerdings im kürzeren und gestrafften Directors Cut, welcher ebenfalls alle Gewaltszenen beinhaltet.

Produziert wurde der Film unter anderem von Brian Yuzna, mit dem Gordon bis heute noch viele weitere gemeinschaftliche Projekte inszenierte, so zum Beispiel „The Dentist“ oder „Dagon“. Das gleiche gilt für Drehbuchautor Dennis Paoli, der mit oder für Gordon viele weitere Skripte schrieb, z.B. „From Beyond“ oder „Castle Freak“.

Fazit: Ein absoluter Kult-Film der nur ganz knapp an der Perfektion vorbei rauscht und zu den Highlights im Horror/Splatter-Genre zählt. Uneingeschränkt jedem zu empfehlen der nicht vor schwarzem Humor und blutigen Effekten zurück schreckt.

9,5 / 10

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