Im Zweiten Weltkrieg werden Dutzende alliierte Offiziere, denen vorher zum wiederholten Male die Flucht gelungen war, in ein deutsches Kriegsgefangenenlager irgendwo in Süddeutschland gesteckt, das zu den am besten bewachtesten überhaupt gehört. Doch kaum inhaftiert, planen die Gefangenen unter Leitung von „Big X“ (Richard Attenborough) bereits wieder den Ausbruch, der alle bisherigen Dimensionen sprengen soll...
Oft kopiert, nie erreicht: „Gesprengte Ketten“ ist der Klassiker unter den Kriegs-Fluchtdramen, bei dem irgendwie alles zusammenpasst und der bis heute kein bisschen Rost angesetzt hat.
Die Story eignet sich natürlich hervorragend für einen Top-Spannungsfilm, aber sie derart raffiniert umzusetzen wie Altmeister John Sturges, dazu gehört schon einiges Können. Der Clou ist ganz einfach der, nicht gleich voll drauf loszuhalten und nur der spektakulären Flucht Augenmerk zu schenken, sondern ein an manchen Stellen sogar humorvolles, actionreiches Drama voller menschlicher Tragödien zu präsentieren. Charakterzeichnung wird groß geschrieben, alle unterscheiden sich gehörig voneinander, aber alle helfen zusammen, ihren Traum zu realisieren, doch am Ende werden die meisten scheitern.
Bis dahin vergeht jedoch eine Menge Zeit, die für uns Zuschauer aber fast unbemerkt vorbeistreicht. Am interessantesten ist es natürlich, den Charakteren, die man mit zunehmender Dauer immer mehr lieb gewinnt, bei den Vorbereitungen zu ihrer Flucht zuzuschauen. Immer wieder erleiden sie Rückschläge und zu allem Überfluss haben zwei von ihnen mit echten Handicaps zu kämpfen (Sehschwäche, Klaustrophobie), als es endlich so weit ist. Neben all den hochkarätigen Spannungsmomenten wird die menschliche Seite nicht vergessen, so stirbt einer der Inhaftierten schon früh, das Resultat einer Kurzschlusshandlung aus tiefster Verzweiflung heraus. Humoristisches Highlight ist das Kartoffelschnapstrinken, wo die Amerikaner kurz ihrem Nationalstolz freien Lauf lassen dürfen (natürlich augenzwinkernd inszeniert, wie überhaupt der gesamte Film nahezu ohne Pathos auskommt), jedoch gleich daraufhin ihre schwerste Niederlage innerhalb des Lagers erleiden.
Wenn das Werk nach der wohl schweißtreibendsten Fluchtsequenz der Filmgeschichte schließlich vollbracht scheint, geht es in Wahrheit erst richtig los. Der Ausflug in die Freiheit ist für die meisten nur von kurzer Dauer, für viele endet er gar tödlich. Sturges opfert wie schon in „Die glorreichen Sieben“ binnen weniger Minuten einige Figuren, die man vorher ins Herz geschlossen hat, sodass „Gesprengte Ketten“ gegen Ende eine immer traurigere Gestalt annimmt. Die Szenen im Freien gehören zu den Stärksten des Films, sieht man hier doch endlich mal etwas von der wunderschönen Landschaft des Voralpenlands sowie eine der legendärsten Verfolgungsjagden der Filmhistorie: Steve McQueen mit Motorrad auf der Flucht vor deutschen Soldaten hat Geschichte geschrieben, besonders die Stelle, als er über einen Stacheldrahtzaun springen will.
McQueen ist schließlich auch der heimliche Star des Films, obwohl die Geschichte nicht auf ihn zugeschnitten ist. Trotzdem steht seine Aura über allem, eine Leistung aus seinen besten Tagen. Nebenher hat Charles Bronson die Sympathien auf seiner Seite, weil er wieder einmal wie kaum ein anderer dazu fähig ist, emotionales schweigsam rüberzubringen. In weiteren Rollen glänzen namhafte Schauspieler wie James Garner, Richard Attenborough, James Coburn und Donald Pleasence.
Nicht vergessen darf man Elmer Bernsteins legendären Score, das jedem bekannte Hauptthema in Form eines Marsches würde man am liebsten mitpfeifen und bekommt man nicht mehr allzu leicht aus dem Ohr.
Wer den spannungsgeladenen und emotional berührenden Ausbrecher-Kriegsfilm schlechthin sehen will, kommt um „Gesprengte Ketten“ nicht herum. Ein unvergesslicher und unvergleichlicher Genre-Klassiker, bei dem fast drei Stunden unbemerkt vergehen, auch zum Mehrfachsehen prima geeignet.