Review

Gefahr ist sein zweiter Vorname


Da will Megaproduzent Dino de Laurentiis Ende der 60er Regiemeister Mario Bava fette drei Millionen in die Hand drücken für die Comicverfilmung „Diabolik“, über einen maskierten, charismatischen Verbrecher, der sowohl der Unterwelt wie der Polizei und vor allem dem Staat auf der Nase herumtanzt - und Bava stellt für nur einen kleinen Bruchteil dieser damals immensen Summe diesen Euro-Spy-Fantasy-Caper auf die Beine, der vor lauter Coolness sprachlos und leicht benebelt macht. Sabber. 

„Diabolik“ war seiner Zeit Jahrzehnte voraus, sein beschwingter, leicht surrealer Style setzte Maßstäbe, war vorlagentreu, die oft photorealistisch gemalten (!) Sets/Hintergründe sehen noch immer täuschend echt und viel größer als sie sind aus, für Marisa Mell würde wohl jeder Mann zum Kriminellen und der Film traf zudem noch vollkommen den Geist der damaligen Zeit. Ein moderner Robin Hood, ein köstlicher Revoluzzer. Vom noch immer kaum erhältlichen Morricone-Soundtrack ganz zu schweigen. Hier stimmt eigentlich alles. Die grüne Hornisse und der Adam West-Batman haben hier so manches gelernt. Und auch James Bond holte sich ein paar Stiltipps und Technikgadgets. Wahrscheinlich sind Bavas Grusel-Meisterwerke seine Höhepunkte, aber „Diabolik“ zeigt ihn verspielt und kreativ wie vielleicht nie. Ein überhöhtes Katz-und-Maus-Spiel mit schwindelerregenden Bonuspunkten in der B-Note. Storytechnisch vielleicht ein Flickenteppich, doch das stört nur beiläufig bis gar nicht. Hier dreht der Swagger einfach dermaßen auf, dass man sich willig ins Delirium zwischen Pop-Art, Lachgas und Swing begibt. Ein Ritt wie auf Zuckerwatte. 

Fazit: der beste seiner Art. Maskierte Italo-Spionage-Super(anti)helden kamen nie stilvoller, bunter und lässiger. 60s-Freudentaumel. Bava nicht in seinem Element und dennoch in Topform! Famos! Als ob Batman 007 eine Gutenachtgeschichte geschrieben von Andy Warhol auf 'nem Trip vorliest. Ein grandioses Kind seiner Zeit. Groovy Stuff! 

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