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"Tattoo" ist ein atmosphärisch düsterer Serialkiller-Thriller im "Sieben"-Stil. Wie das bei (fast) allen deutschen Produktionen ist, kann auch das Regiedebüt von Robert Schwentke (Flightplan) nicht an das amerikanische Vorbild heranreichen. Dennoch ist Schwentke ein ordentlicher Thriller gelungen, der mit neuen Ideen, aber auch Altbekanntem, daher kommt.

Polizei-Neuling Marc Schrader (August Diehl) hat so gerade mal die Prüfung bestanden und muss nun widerwillen mit Kommissar Minks (Christian Redl) zusammenarbeiten. Ihr erster gemeinsamer Fall führt sie zu einer verbrannten Frauenleiche, der Hautteile fehlen. Einzige Spur: ein Finger im Magen der Toten, den sie ihrem Folterer abgebissen haben muss. Bald stoßen Schrader und Minks auf weitere Leichen. Offenbar hat es der Täter auf die Tätowierungen der Opfer abgesehen. Bei Recherchen lernt Schrader Maya (Nadeshda Brennicke) kennen, die Trägerin eines wertvollen, japanischen Tattoos ist...

August Diehl (Anatomie 2) mimt den Neuling ganz solide, wenngleich er nicht ganz mit Christian Redl (Der Untergang) mithalten kann. Zusammen geben sie jedoch ein recht passables Buddy-Duo ab. Nadeshda Brennicke (Antikörper) macht ihren Job als unterkühlte Blonde auch recht ordentlich, wobei man erst später erfährt, was und wer sich hinter ihrem Charakter verbirgt. In Nebenrollen haben wir dann noch Johan Leyson (Der Pakt der Wölfe) als Tattoo-Händler und Ingo Naujoks (Tsunami) als Junkie.

Schon bereits der Anfang von "Tattoo" ist recht schick insziniert worden, wo das fliehende Opfer von einem Bus erfasst wird, der darauf in ein anderes Fahrzeug knallt und explodiert. Bezüglich Pyrotechnik bleibt es dann auch bei dieser Eröffnungsexplosion. Explosive Action darf man desweiteren nicht mehr erwarten, was allerdings auch kein notwendiges Bestandteil dieses Genres ist. Was folgt sind Aufnahmen von einen zugedröhnten Schrader in 'ner Zappelhalle, wo sogleich eine Razzia stattfindet, der Schrader entgehen kann. Kurz darauf sieht man ihn bei der Vereidigung von Polizei-Neulingen, wo hier schon klar wird, dass Schrader nicht gerade ein Musterschüler ist. Dementsprechend ist er auch dem Hohn eines Kollegen ausgesetzt, auf den er im weiteren Filmverlauf noch öfters stoßen wird. Darauf folgt Schraders unfreiwillige Zusammenarbeit mit Minks, die das Duo gleich zu ihrem großen Fall führt. Genau wie Brad Pitt und Morgan Freeman in "Sieben" verkörpern Diehl und Redl auch hier das ungleiche Duo des unerfahrenen Neulings und des erfahrenen Alten. Aber "Tattoo" hat noch einige andere Paralellen zu David Finchers Meisterwerk. Da wäre zum einen die Tatsache, dass der Tattoo-Jäger mit den beiden Polizisten interagiert, um seine Serie zu vollenden. Der Vergleich mit "Sieben" wird schon deutlicher, als das Duo ein Paket mit tätowierter Haut sowie einem Schlüssel erhählt. Zwar haben wir hier keinen abgetrennten Kopf, doch der Vergleich ist unübersehbar. Die Optik und Teile der Handlung spiegeln dann auch noch die Paralellen zu "Sieben" wieder. Doch passt die düstere Optik auch hier und der Dauerregen im dürftigen Finale machen dieses optisch gelungen. So, dass wären dann die Vergleiche mit dem Fincher-Werk und dem Altbekannten. Neu und originell ist hingegen die Idee mit den Tattoos und ihren Sammlern. Das bringt frischen Wind ins Genre, da es hier nicht bei simplen Morden bleibt. Zudem liefern die Tattoos gleich auch noch ein logisches Motiv des Täters mit, weshalb "Tattoo" nicht mit einen unsinnigen Alibi-Motiv leben muss, wie das bei so manch anderem Genre-Kollegen der Fall ist. Unerwartet sind dann noch Minks' Ableben und die wahre Identität des mordenden Tattoo-Jägers. Hier muss man Schwentke zugute halten, dass er sich immerhin was hat einfallen lassen und die Handlung nicht einfach in 08/15-Manier runtergeschrieben hat. Leider wird das bei deutschen Filmen viel zu oft gemacht. Viele Regisseure drehen einfach nur die üblichen Genre-Standarts ab und schauen sich Elemente von Kollegen aus Übersee ab. Letzteres ist zwar auch in "Tattoo" ja der Fall, doch Schwentke weiß hier geschickt dies zu kaschieren, weshalb es hier nicht bei blossem Kopieren bleibt, da Schwentke bezüglich Optik und Handlung auch eigene Ideen miteinarbeitet. Die Musikuntermalung ist recht gelungen und man bekommt auch einige härtere Sequenzen zu sehen, was "Tattoo" locker eine 18er Freigabe hätte bescheren können. Glücklicherweise hat man sich auf FSK 16 als Uncut-Version beschränkt. Das Ende lässt dann noch die Tür für eine mögliche Fortsetzung auf, da der Täter entkommen kann und Schrader sich tätowieren lässt, um ein potentielles Zielobjekt des Tattoo-Jägers zu werden. Wann und ob es eine Fortsetzung überhaupt geben wird, steht noch in den Sternen. Schlecht wäre es nicht... doch man soll es ja nicht wagen mit einer solch debilen und lachhaften Fortsetzung wie "Anatomie 2" daher zu kommen.

Im Endeffekt ist "Tattoo" ein solider Thriller aus heimischen Gefilden, der Genre-Vorbild "Sieben" kopiert und dieses aber nicht erreichen kann. Eigene Ideen und eine abwechslungsreiche Handlung machen den Film dennoch zu einem unterhaltsamen Streifen, den man sich auch ruhig mehr als einmal anschauen kann.

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