Franks Bewertung

starstarstarstar / 1

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

22.10.2012
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Review

von Frank Trebbin

Ein Animationsfilm. Irland im 9. Jahrhundert. Immer wieder wird die grüne Insel von Wikingern überfallen, die brandschatzend durch die Gegend ziehen. In der Abtei Kells, die in einem abgeschiedenen Wald liegt, lässt deshalb der gestrenge Abt Cellach Festungsanlagen bauen und treibt die Mönche zu immer härterer Arbeit. Sein 12jähriger Neffe Brendan hingegen lässt sich eher von dem im Kloster erschienenen Bruder Aidan, einem bekannten Buchmaler, anleiten, der an die Macht des Wortes glaubt. Um ein sagenumwobenes Buch zu vollenden, muss Brendan für Bruder Aidan Abenteuer im für ihn eigentlich verbotenen Wald, der gefährliche mythische Wesen beherbergt, bestehen…

Wie sehr man als Zuschauer heute von der zuckersüßen Disney-Klebrigkeit und den ach so perfekten, fotoreal wirkenden 3D-Animationsfilmen vereinnahmt ist, merkt man erst daran, wenn mal etwas völlig anderes auf den Tisch kommt: zum Beispiel Tomm Moores „Das Geheimnis von Kells“, ein scheinbar althergebrachtes „Zeichentrick“-Abenteuer ohne (erkennbare) gepixelte Panels und dazu noch in einem Stil präsentiert, der irgendwo zwischen alter Buchdruckkunst und der abstrakten Malerei eines Pablo Picasso angesiedelt ist. Und sicherlich war es genau jener Stil, der dazu führte, dass diese belgisch-französisch-irische Co-Produktion 2010 eine Oscar-Nominierung als bester Animationsfilm erhielt, denn nach einigen wenigen Minuten der Eingewöhnung unterliegt man schnell dem besonderen Charme einer (einnahmetechnisch sehr gewagten) Kunstrichtung, die heute nur noch selten bedient wird. Doch auch der Inhalt, der sich an alten irischen Mythen anlehnt, ist gleichsam verspielt wie magisch und vermag das Herz von jungen wie erwachsenen Zuschauern zu erwärmen. So passt die Geschichte um Brendans Vollendung jenes sagenumwobenen, aber jedermann schnell identifizierbaren Buches mit der darin enthaltenen Aussage um die Macht des geschriebenen Wortes perfekt zu diesem Film, den man schon fast ehrfurchtsvoll wie eine kostbare Gutenberg-Bibel (eine schöne Parallele!) zu genießen weiß. Auf BD 16:9.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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