Kinderpsychologe Dr. Malcolm Crowe, der vor einem Jahr von einem erwachsenen Ex-Patienten schwer verletzt wurde und der seitdem an seinem Beruf hadert, nimmt sich des neunjährigen Cole Sear an, der unter merkwürdigen Angstzuständen leidet. Die geschiedene Mutter denkt, daß Cole einfach nicht mit der neuen Familiensituation klarkommt, doch Dr. Crowe findet in vielen, vielen Einzelgesprächen den wahren Grund für das Verhalten des Jungen: Cole sieht nämlich die Geister von Verstorbenen, die in dieser Welt verweilen, ohne zu wissen, daß sie gestorben sind...
Eines möchte ich mal gleich vorneweg schicken: Wenn sich das Horrorgenre über das Jahr 2000 hinweg so weiterentwickelt, wie es sich 1999 mit "The Sixth Sense" gezeigt hat, dann stehen uns noch viele, viele gute Filme bevor, denn M. Night Shyamalans Psycho- bzw. Geisterthriller ist durch seine Besinnung aufs Wesentliche einer der besten Vertreter dieses Sujets geworden. Das Wesentliche bedeutet hier nämlich unter völligem Verzicht auf bombastische Spezialeffekte sich auf eine sorgfältig erzählte Geschichte zu konzentrieren, die lebendige Figuren und keine der üblichen Abziehbildcharaktere enthält und die sich mit der Bedeutung des Todes beschäftigt, ohne dabei mit theologischen Deutungsmustern zu spielen. Geschickterweise wird dabei sogar auf eine Erklärung der Coleschen Fähigkeiten verzichtet, so daß der Zuschauer mit einer bedrohlich erscheinenden diesbezüglichen Selbstverständlichkeit fertig werden muß, die die eh schon im zweiten Teil durch superb gesetzte Schocks und Thrill angeheizte Gruselatmosphäre um ein Vielfaches verstärkt. Getragen wird "The Sixth Sense" allerdings auch durch das wunderbar sichere Spiel des Kinderdarstellers Haley Joel Osment, der durch einen sich zurücknehmenden Bruce Willis in der Rolle des Kinderpsychiaters unterstützt wird. Beide liefern einen beängstigenden schauspielerischen Par-Force-Ritt ab, der mit Sicherheit die Meßlatte für solche Sache um einiges nach oben verschoben haben dürfte. Fazit: Wer nicht nur auf Freddy-Krueger-Manierismen und CGI-Gewitter steht, der wird bei "The Sixth Sense" das An-den-Nägeln-Knabbern wieder lernen! Alternativtitel: "Der sechste Sinn". Auf Video und DVD (16:9) letterboxed (1,78:1). Des weiteren mit Toni Collette, Olivia Williams u.a.
© Selbstverlag Frank Trebbin