Director's Cut
Clyde Sheltons Frau und Tochter werden bei einem sinnlosen Wohnungsüberfall getötet. Als die vermeintlichen Täter geschnappt werden, schließt Staatsanwalt Nick Rice, der nur seine Aufklärungsrate vor Augen hat, einen Handel mit dem eigentlichen Mörder ab: Dieser entgeht (fast) straffrei, wenn er dafür seinen Kumpel ans Messer liefert. Der gutbürgerliche Clyde schäumt vor Wut und wartet zehn lange Jahre bevor er Rache nimmt an dieser verlogenen Justiz...
Eins mal gleich vorneweg: Wer sich vorurteilsfrei darauf einlässt, dass hier die „Ein Mann sieht rot“-Masche mit der Gimmick-Verliebtheit eines James Bond gekreuzt und damit fernab der realistischen Möglichkeiten angesiedelt wurde, der sollte ohne zu zögern zugreifen, denn F. Gary Gray hat mal wieder einen durch und durch spannenden Thriller gefertigt, der einem kaum Zeit zum Luftholen bietet und mit jeder Menge Überraschungen aufwartet. Allerdings steht und fällt sein „Gesetz der Rache“ mit dem etwas holperigen, inhaltlich kontroversen Schluss, bei dem offenbar Drehbuchautor Kurt Wimmer mächtig die Pferde durchgegangen sind und das rückblickend zeigt, welch überdrehten Unsinn wir da aufgetischt bekommen haben. Doch keine Angst, dank einer vorzüglichen Besetzung und einer edlen Kino-Optik bleibt „Gesetz der Rache“ als eine solide Produktion mit hohem Unterhaltungswert in Erinnerung. Bildformat: 2,35:1. Mit Gerard Butler, Jamie Foxx, Bruce McGill, Colm Meaney u. a.
Anmerkungen aus 2020:
„Gesetz der Rache“ – irgendwie erinnert der deutsche Verleihtitel im Gegensatz zu dem gesetzestreuer-Bürger-Original doch eher an einen alten Western – ist jetzt neu auf HD-Medium in der sogenannten Directors-Cut-Fassung erschienen, die den Selbstjustiz-Thriller um gut 9 Minuten länger und (an zwei Stellen) merklich blutiger macht. Ansonsten werden hier und da Szenen leicht ausgebaut bzw. Dialoge noch etwas länger geführt. An dem viel gescholtenen Schluss hat man jedoch leider nichts geändert – obwohl heute betrachtet dieser nicht mehr ganz so negativ (im Sinne von überraschend-zusammengeschustert) auffällt wie damals. Da gibt es mittlerweile ganz andere Kaliber. Zudem darf man das sarkastische Lehrer-und-Lehrpieps-Ende, das vermuten lässt, dass Jamie Foxx‘ Figur zukünftig keine dreckigen Deals mehr schließt, schon als gehörigen Wink in Richtung Kritik am Justizsystem der USA verstehen – auch wenn (und ich wiederhole es gerne) Kurt Wimmer inhaltlich offenbar etwas die Pferde durchgegangen sind und man punkto Logik die Augen vor so viel wohlfeil inszenierten Stuss schließen mag.
Ab 13. Februar 2020 als Blu-ray Steelbook erhältlich.
© Selbstverlag Frank Trebbin