Rechtsanwalt Chris Cleek ist ein Redneck wie er im Buche steht: religiös verbrämt, seine Frau und die drei Kinder mit harter Hand führend und am liebsten jedes Wochenende draußen zur Jagd. Dort trifft er nämlich immer wieder auf eine total verwilderte Frau, die er in den Mittelpunkt seiner erotischen Tagträume erhebt. Eines Tages fängt er diese Frau, verschleppt sie in seinen Scheunenkeller und präsentiert sie der verdutzten Familie als armes Geschöpf, welches es zu säubern und mit allen Mitteln zu sozialisieren gilt…
Wer bei diesem Kurzinhalt ein lupenreines Torture-Porn-Filmchen erwartet, der irrt gewaltig – wirklich gewaltig! „The Woman“ ist nämlich trotz aller diesbezüglichen oberflächlichen Versatzstücke ein heftiger, ziemlich kontroverser Film über den Geschlechterkampf schlechthin und zudem noch ein unverstellter Blick auf den Zustand der US-Gesellschaft, in der der Mann immer noch jagen geht, seine ganz persönlichen Abu-Ghraibs betreibt und die Frau alles abnickt und nett dazu lächelt. Das alles lässt viel Raum für Interpretationen – sowohl im Hinblick auf das Sendungsbewußtsein des selbstverständlich mit Waffen ausgerüsteten Durchschnittsbürgers als auch im sexual-psychologischen Kontext, bei die Bigotterie angeprangert wird und unangenehme Fragen aufgeworfen werden. Und da Lucky McKee das Ganze zudem als Gratwanderung zwischen krasser Groteske, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt, und düsterem Farmhouse-Horror inszeniert hat, ist „The Woman“ wahrlich keine leichte Kost geworden und befriedigt keinesfalls die Erwartungen des üblichen Genre-Nerds. Im Gegenteil: flott unterhalten wird man da irgendwie nicht, denn zu befremdlich ist die gesamte Atmosphäre, die im Hause Cleek herrscht. Nach einer gut einstündigen Zustandsbeschreibung der Idylle des american way of life lässt Lucky McKee schließlich die Situation eskalieren, als eine Lehrerin ins Haus kommt und Vater Chris mit ein, zwei unverfänglichen Sätzen sogar noch als möglichen Schänder seiner heimlich schwangeren Tochter entlarvt. Da wird dann doch noch kurz dem zahlenden Zuschauer Tribut gezollt und eine knackige Blutorgie losgetreten, die in ihrer Ungeschlachtheit sicherlich ihresgleichen sucht. Fazit: intelligent, mutig und keinesfalls das, was man erwartet. Die DF ist uncut. Auf DVD (16:9) letterboxed (2,35:1). Mit Carlee Baker, Shana Barry, Marcia Bennett, Angela Bettis u.a.
© Selbstverlag Frank Trebbin