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Final Destination geht in die fünfte Runde. Bei 47 Millionen Dollar Produktionskosten wurde derzeit bereits das Vierfache allein in den Lichtspielhäusern wieder eingespielt. Wer hätte das vor elf Jahren, bei der Veröffentlichung des ersten Teils um die vom Tod zu Tode verurteilten Jugendlichen gedacht? Die Story ändert sich zwar eigentlich jedes weitere Mal null, aber das scheint das Kinopublikum der Reihe nicht zu entfremden: Ein Teenie hat stets eine Vision vom unmittelbar bevorstehenden - äußerst unsanften (und damit sehr unterhaltsamen) - Ableben seiner eigenen Wenigkeit sowie der neben ihm reisenden, nichts ahnenden Schulklasse, Freunde, Geschwister oder - wie im aktuellen Fall - Firmenbelegschaft. Durch die Vorahnung gewarnt, verlässt nun bereits zum fünften Mal ein kleiner Haufen Lebensdurstiger das schnell sinkende Schiff (oder Flugzeug oder Auto-, Achter-, Rennbahn), um sich sozusagen am geschenkten Leben zu laben. Doch zu früh angestoßen! „Death doesn't like to be cheated" und so nimmt der Sensenmann erneut Anlauf. Und diesmal hat er seine Turnschuhe an.

Vom allgegenwärtigen Melken erfolgreicher Kinohits bleibt auch „Final Destination" (2000) nicht verschont. Vor allem im Horrorbereich lassen sich die - von vornherein ja finanziell eher risikolosen - Kassenschlager prima mit weiteren Teilen vermarkten. Ihre Produktionskosten sind nicht selten in den ersten Tagen wieder eingespielt und anschließend scheißt der Esel eben nur noch Gold. Bei SAW etwa hat es beispielhaft geklappt, ein interessantes Grundkonzept immer und immer weiterzuspinnen, bis man schließlich eine wahre Kultreihe in der Walhalla des Genrefilms deponieren durfte. SAW 7 war denn auch ein echter Höhepunkt der Sequels. Nun, ganz so hoch hinaus möchte (oder kann) die Final Destination Serie natürlich nicht. Aber sich wie beispielsweise die „Resident Evil"-Filme gemächlich, doch pekuniär erquickend im Kino zu etablieren, dünkt offenbar hinlänglich erstrebenswert. Teil 5 der Reihe schlägt sich jedenfalls am Boxoffice mehr als zufriedenstellend. Und das obwohl der vierte Teil des endgültigen Reiseziels wahrlich ein Schlag in die Magengrube eines jeden echten Horrorfans war. Billig und ohne die geringste Ambition dahininszeniert, um mittels 3D schnell und trendig an der Kinokasse das geschenkte Geld der unbedarften Jugend abzugreifen, schien nicht eben ein nachhaltiges Franchise-Konzept zu sein - eher Ausverkauf! David R. Ellis, der schon (wesentlich besser) Teil 1 und 2 inszenierte, hat sich und seiner Karriere mit dem öden „Final Destination 4" sicherlich keinen Gefallen getan. Und doch wurde nun mit dem fünften Teil, völlig unverhofft und trotz 3D, die Reihe auf einen neuen Höhepunkt gehievt.

Diesmal überleben die Delinquenten einen (mit viel positiver feuilletonistischer Kritik bedachten, auf der Lions Gate Bridge in Vancouver gefilmten) fulminanten Brückeneinsturz. Nach dem stilvoll ins Werk gesetzten, ungewöhnlich ausführlichen Vorspann des Films, darf man sich dann also als Kinoroutinier erst einmal etwas fürs Auge reichen lassen, das aufgrund der vortrefflichen Inszenierung sofort überzeugt und Lust auf mehr macht.

Steven Quales „Final Destination 5" ist das, was Genrefans im Kino sehen wollen. Zwar nicht mehr, aber eben lobenswerter Weise auch nicht weniger. Kein einfallsloses Kopieren bereits erlittener Tode und kein einfach übergestülptes 3D. Die Inszenierung des eher unbekannten Regieaspiranten Quale repräsentiert das, was man etwas frei als sympathisches Entgegenkommen bezeichnen möchte. Durchdachte Dialoge, überzeugende Darsteller, herausragende 3D Effekte und kreative Ideen lassen Genrejünger jubeln oder einfach nur eine spritzige Filmparty gelingen. Wo noch ein Part zuvor frecher Ausverkauf und gähnende, fast zum Fremdschämen einladende Langeweile den Ton angaben, wird hier wieder ordentliche Arbeit geleistet. Natürlich darf man keine wirkliche Innovation, große Veränderungen oder irgendwelche Oscarambitionen erwarten (Wer das tut, bleibt besser zuhause und ist dort intellektuell gefrustet), dafür bekommt man aber eben genau das, was man sich als Spaßfreund erhofft. Und darum geht's doch letztendlich. Ohne hier zu viel zu verraten oder falsche Erwartungen zu wecken, darf gesagt werden, dass diesmal gar ein paar neue Ideelein den Weg in die Reihe gefunden haben. Vor allem das Ende zeugt von wachem Geist beim Screenplay, für das sich Eric Heisserer, der Drehbuchlieferant für das diesen Herbst anlaufende „The Thing"-Prequel verantwortlich zeichnet. Zusammen mit der Neubesetzung des Regiestuhls hat New Line Cinema wohl vernünftigerweise nach dem finanziell zwar erfolgreichen, doch qualitativ minderwertigen vierten Teil die Notbremse gezogen und damit Bahn frei gemacht für eine Fortsetzung der inzwischen überaus bekannten Reihe.

Um ein wenig den Appetit anzuregen: Wenn man dem unnachgiebigen Tod eben erst von der Schippe gesprungen ist und der nun dämonisch auf Rache sinnt - was sollte man dann tunlichst nicht tun? Richtig,... völlig verblödet zum Augenlasern rennen.

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