3D-Review
Eine Lanze für „Conan“. Nachdem das Remake (besser: der Relaunch) von John Milius’ kultisch verehrtem Arnold-Schwarzenegger-Vehikel aus dem Jahre 1982 hier wie dort verrissen wurde, versuche ich mich jetzt mal an einer Art Pflichtverteidigung. Viele Kritiker haben der neuerlichen Verfilmung des Stoffes, der ebenso heute wie damals einfach nur viele untereinander austauschbare Fantasy-Motive aneinanderreiht, mal eben vorgeworfen, dass im direkten Vergleich mit dem Original dieses (natürlich) besser abschneidet und Marcus Nispel nach seinem „Pathfinder“-Desaster nur einen weiteren Beweis seines filmischen Unvermögens abliefert. Doch ist der neue „Conan“ wirklich sooooo schlecht? Mitnichten. Im Gegensatz zu John Milius, der seinem Oeuvre getreu schwülstig und ernst zur Sache ging und eine Fantasy-Welt fernab jeglichen Comic-Relief schuf, ist es nämlich Marcus Nispel durchaus gelungen, den Pulp-Charakter der literarischen Vorlage kongenial umzusetzen und trotz aller Blutrünstigkeit so etwas wie ein bonbon-buntes Sword-and-Sorcery-Spektakel zu schaffen, das einfach nur unterhalten will (hier der Kurzinhalt: Klein-Conan wird dem Mutterleib entrissen, wächst stattlich heran, sucht die Mörder seiner Eltern und vernichtet nebenbei noch ein magisches Kleinod). Kein Nietzsche, keine Walhalla-Indoktrinierung, sondern einfach nur Eye-Candy für einen zünftigen Männerabend. Bier darf gereicht werden, Zoten dürfen gerissen werden und hinterher weiß jedermann, dass es am heimeligen Herd doch am schönsten ist.
Das alles ist – und darüber gibt es kaum Zweifel – recht sorgsam inszeniert worden; Sets und Bauten spiegeln die eingesetzten Produktionsgelder wider und die heutige CGI-Technik erledigt jenen Rest, der 1982 nur mühsam darzustellen war. Natürlich gibt es Fantasy-Streifen, die weiter, schneller, höher sind, doch immerhin bietet der 2011er „Conan“ eine temporeiche Handlung, die möglichst viele exotische Schauplätze verbindet, ein Maximum an Blutvergiessen ohne dabei in Sadismus unterzugehen und alles in allem eigentlich die (fast) perfekte Umsetzung jenes Frank-Fazzetta-Bildes, das einem jeden Fantasy-Fan im Kopf herumspukt. Warum also nörgeln? Klar, Jason Momoa ist nicht Schwarzenegger (will er ja auch gar nicht sein), sondern wahrscheinlich schon eher die bestmögliche Conan-Verkörperung, die quasi ihren Ursprung in den seit Jahren auch erfolgreichen Comic-Heften hat. Und damit knüpft „Conan“ (2011) auch direkt an ein Publikum an, dass eher mit heutigen Subkultur-Verweisen aufgewachsen ist als mit einem Film, der 1982 zwar für Furore und Schauwerte sorgte, aber bei heutigem Lichte betrachtet unweigerlich an Wirkung verliert (Nicht, dass mich jemand falsch versteht: auch ich mag die John Milius Version ungemein, doch hatte dieser schon immer Längen und Durchhänger). Einzig und alleine das unnötige Gebalze um eine 3D-Fassung des heutigen „Conan“ könnte man als vorwerfbares Makel ansehen (siehe unten), denn ansonsten will der Film nur eins: Spaß verbreiten - Männerabend-Spaß eben! Auf BD (16:9) letterboxed (2,35:1) und in 3D (konvertiert, teilweise gelungen, über weite Strecken jedoch kaum wirklich räumlich, keine Pop Outs und damit nicht unbedingt ein Must-See). Mit Jason Momoa, Rachel Nichols, Stephen Lang, Rose McGowan u.a.
© Selbstverlag Frank Trebbin