Paul und Aubrey feiern ihren 30. Hochzeitstag und haben dazu ihre vier mittlerweile erwachsenen Kinder nebst Anhang in ihr abgelegenes Waldhaus eingeladen. Doch schon gleich beim Dinner brechen alte Feindschaften wieder auf und so muss sich der eher erfolglose Crispian, der mit der hübschen Erin aufgetaucht ist, die Hänseleien seines Bruders Drake anhören. Doch bevor der Streit richtig ausbricht, fliegen Pfeile durch das Fenster, erste Opfer sind zu beklagen und die fragile Familie sieht sich drei Angreifern gegenüber, die mit martialischem Gerät auf sie losgehen. Erin ergreift als einzige die Initiative und schlägt zurück…
Nun ja, was wurde doch Adam Wingards „You’re Next“ als faustdicke Überraschung im Home-Invasion-Subgenre angekündigt und teilweise auch so gefeiert. Bei näherem Hinsehen stellt man jedoch nüchtern fest, dass, ja ok, der Film durchaus seine Härten und bitter-bösen Überraschungen hat, doch auch, dass „You’re Next“ über weite Strecken sehr anstrengend daherkommt und schon deshalb nicht wirklich der ganz große Wurf sein kann. Manche nennen es wohl modern gefilmt, doch vielen Zuschauern dürfte das ständige Gewackel der Handkamera sowie das dichte Herangehen an die Protagonisten einfach nur auf die Nerven gehen und so fragt sich der eine oder andere, was wohl ein John Carpenter aus genau diesem Stoff gemacht hätte. Da wird bspw. der erste Angriff wie eine Art Horrorfilm-Version der „James Ryan“-Omaha-Beach-Sequenz inszeniert – allerdings hier ohne Sinn für Übersicht, aber dafür mit einem Maximum an Terror auf der Tonspur, will heißen: Gekreische pur und Dissonanzen als Soundtrack. Überhaupt fällt auf, dass Adam Wingard dem ausgeklügelten, sehr aggressiven Sound mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat als der schnöden Shot-on-Video-Optik. Das alles führt dazu, dass „You’re Next“ leider nur als durchwachsen empfunden wird, trotz der – man darf es ruhig wiederholen – teilweise wirklich bitter-bösen Twists und so mancher Gewalteinlage. Schade drum. Auf BD letterboxed (2,35:1) Mit Sharni Vinson, AJ Bowen, Nicholas Tucci, Joe Swanberg u. a.
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