Ort der Handlung ist die als verlassen geltende Insel Tung Ping Chan, die ein paar Seemeilen vor Hongkong liegt. Der Lehrer Cheung und acht seiner Schüler lassen sich zu der Insel übersetzen, um dort ein paar Studien zu betreiben. Was keiner aus der Reisegruppe ahnt: Auf der Insel befindet sich eine derangierte Familie– allesamt illegale Einwanderer aus der Volksrepublik China. Nach dem Tod der Mutter liegt das Schicksal der Emigranten ganz in den Händen der drei Söhne: Sam Fat, Yee Fat und Tai Fat. Schon bald machen sie Bekanntschaft mit Cheung und seinen Schülern, die erkennen müssen, daß sie den drei Brüdern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. Sie flüchten über die Insel und verschanzen sich in einem leerstehenden Haus am Strand…
„The Island“ ist einer der besten Hongkong-Horrorfilme, weil er stark nach westlichem Muster zugeschnitten ist und ihm trotzdem nicht die asiatische Wildheit des Genres fehlt. Das Handlungsgerüst orientiert sich eindeutig an Tobe Hoopers „Ketten-Sägen-Massaker“ und erreicht weitaus deutlichere Parallelen zu dem Klassiker als z. B. Tsui Harks „Wir kommen und werden Euch fressen“, von dem man das ja auch behauptet. Angefangen bei dem nicht beachteten Durchgang-Verboten-Schild über die Figurenkonstellation der Fat-Familie bis hin zur merkwürdigen, latent gewalttätigen Atmosphäre auf der Insel erinnert vieles an Hoopers genialen Film aus dem Jahre 1974. Zum Ende hin findet die Handlung allerdings einen Dreh in Richtung Sam Peckinpahs „Wer Gewalt sät“, denn die Situation des Belagertwerdens wird ähnlich brutal bereinigt. Das Ende ist also eine Gewaltorgie, die sowohl formal als auch inhaltlich weit über dem Durchschnitt steht. Zwar fließt in „The Island“ nicht so viel Blut wie in anderen Splattermovies, doch wird die Gewalt viel realistischer und für den Zuschauer „erfahrbarer“ geschildert. Das manipulative Moment des befreienden Gegenschlags mit der zutiefst befriedigenden Erfahrung, überlebt zu haben, gewinnt in „The Island“ eine neue Dimension. Mit John Sham, Helen Au, Amy Kwok, Ronald Wong u. a.
© Selbstverlag Frank Trebbin