Franks Bewertung

starstarstarstar / 4

0-5 Sterne für den Film, gefolgt von dem "Härtegrad" auf einer Skala von 0-10

Diese Kritik stammt aus der Buchreihe "Die Angst sitzt neben Dir"


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Review

von Frank Trebbin

Japan im 16. Jh. Es herrscht Krieg. Eine junge Frau und ihre Schwiegermutter hausen in einer erbärmlichen Hütte an einem See und halten sich dadurch am Leben, daß sie verletzten Samurais auflauern, sie töten und und ausplündern, um deren Kleidung gegen Mais und Hirse einzutauschen. Eines Tages taucht ihr ehemaliger Nachbar Hachi wieder auf und teilt ihnen mit, daß der Ehemann der jungen Frau im Kampf gefallen sei. Hachi und die Witwe kommen sich bald körperlich näher. Um ihre Schwiegertochter von dieser Beziehung abzuhalten, erschreckt die Mutter sie mit einer Dämonen-Maske, die sie vorher einem getöteten Samurai entwendet hat. Doch diese Maske ist mit einem Fluch belegt…

Wenngleich „Onibaba– Die Töterinnen“ mehr eine kunstvoll verpackte Kritik am Krieg schlechthin ist, so darf er doch hier aufgrund der horrorgerechten Schlußpointe der zynisch anmutenden Handlung nicht fehlen. Regisseur Kaneto Shindo füllt seinen Film dann auch mit grandiosen Bildern über Existenzängste, sexuelle Frustrationen und die Roheit des schieren Überlebenskampfes. Die konsequent ausgenutzte CinemaScope-Fotografie sowie der Einsatz eines mit Jazz-Elementen versetzten Soundtracks voller klassischer japanischer Percussion-Musik sind die technischen Höhepunkte eines Streifens, der neben Masaki Kobayashis „Kwaidan“ in den 60er Jahren das japanische Kino in Richtung Westen öffnete. Die Szenen, in denen der Wind ein Meer von Schilfpflanzen in Schwingung versetzt, in deren Mitte sich niederstes menschliches Verhalten abspielt, bleiben noch lange in der Erinnerung des Zuschauers haften. „Onibaba– Die Töterinnen“ funktioniert sowohl als Parabel auf die Sinnlosigkeit des Krieges als auch als berührendes Drama über die einfachen Leute vom Lande und steht damit im krassen Gegensatz zum heroisierenden Samurai-Film. Shindos cineastisches Meisterwerk liegt mir leider nur als englischsprachige Widescreenkassette vor (letterbox: 2,1:1, Laufzeit (PAL): 98 Minuten). Die o.g. deutsche Lauflänge ist dem Lexikon des Internationalen Films entnommen und bezieht sich auf eine Kinoprojektion. Demnach müßte die deutsche Fassung geschnitten sein. Mit Nobuku Otowa, Yitsuko Yoshimura, Kei Sato, Jukichi Uno u.a.

© Selbstverlag Frank Trebbin

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