3D-Review
Wollen wir doch mal einen Holzpflock für „Dracula di Dario Argento“ brechen! Der in Fankreisen arg geschmähte Film ist – wenn man ihn losgelöst von den wehmütigen Erinnerungen an „Suspiria“ und Co. und mal völlig wertneutral betrachtet – ein faires Stück klassischen Schauerkinos, das zwar nicht ganz frei von plakativem Trash-Splatter-Charme ist aber dafür deutlich den Geist der altbekannten Hammer-Films-Produktionen rund um Terence Fisher, Christopher Lee und Peter Cushing atmet. So erweckt Argento die altbekannte Vampirlegende (auf einen Kurzinhalt verzichte ich hier deshalb gerne – schlag‘ nach bei Stoker!) nicht als gehypte Teenager-Mär à la „Twilight“, nicht als gestyltes Caper-Movie wie in der Wes-Craven-Version und auch nicht als überlebensgroße Oper wie bei Francis Ford Coppola sondern verortet seinen „Dracula“ inhaltlich wie stilistisch irgendwo zwischen den besagten britischen Horrorfilmklassikern und dem Oeuvre Mario Bavas. Ja, richtig gelesen: „Dracula di Dario Argento" erinnert an vielen kleinen Stellen (die Szenen in der Felsenkrypta, die beispielsweise „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ hofieren) an den großen, alten Meister des italienischen Genrekinos, mit dem Argento ja noch bei seinem „Horror Infernal“ zusammenarbeiten durfte. Die diffuse Künstlichkeit der Sets, das (hier eher zurückhaltend eingesetzte) Spiel mit den Farben aber auch das angenehm Altbackene in punkto Tempo und Kameraführung sprechen – so finde ich – eine deutliche Sprache. Wären da nicht ein paar wirklich belanglose („cheesy“ trifft es wohl eher) CGI-Tricks und die Entgleisung rund um die Gottesanbeterin, so könnte man glatt meinen, dass „Dracula di Dario Argento“ bereits viele, viele Jahre auf dem Buckel hätte und eben mal nach „Andy Warhols Frankenstein“, mit dem er die eingangs genannte Trash-Splatter-Note gemeinsam hat, im damals kurz aufblühenden 3D-Frühling des Jahres 1973 das Licht der Kinos erblickte.
Somit dürfte dann auch klar sein, warum so viele Horrorfilmfans von heute enttäuscht sind, denn die nicht zu leugnende Gemächlichkeit, die unverwässerte Story an sich sowie das Fehlen jeglicher moderner Schnitt- und Bildtechniken machen es einem jungen Publikum bei einer Laufzeit von 110 Minuten schwer, sich trotz stimmungsvoller Drehorte und achtbarer darstellerischer (Ja, ja, ich weiß: Thomas Kretschmann ist ein bisschen zu blass in der Titelrolle) Leistungen mit der Gesamtpräsentation anzufreunden. So ist dann auch Dario Argentos erster Ausflug in das Gefilde der dritten Dimension nicht das überbordende Seherlebnis geworden was sich so mancher erhofft hatte, sondern – und da tritt er wieder in den Vergleich zum Udo-Kier-Klassiker ein – nur Mittel zum Zweck, um die Kinokasse klingeln zu lassen. Überhaupt hat man das Gefühl, dass Argento selbst bzw. sein Kameramann so einige Probleme mit der 3D-Technik gehabt haben müssen, denn während einige Pop-Outs arg überzogen geraten sind und so manche Schwarz-in-Schwarz-Fläche für Irritationen sorgt, flacht an anderer Stelle das Bild doch deutlich ab (Dies gilt für die hier besprochene Bluray-Fassung). So ist „Dracula di Dario Argento“ rein 3D-bildtechnisch betrachtet nicht unbedingt gleichförmig homogen aber wegen der überwiegend trotzdem noch gut gestaffelten Tiefenwirkung dennoch die geeignete Wahl, um sich diesem klassischen Vampirstoff zu nähern. Und wenn dann das zugegebenermaßen sterile CGI-Blut mal in Richtung Wohnzimmer spritzt, schließt sich endgültig der Kreis zu sämtlichen vormals genannten, seelenverwandten Filmen, die Argento auf seine ganz eigene Weise liebevoll und vor allem sehenswert zitiert.
© Selbstverlag Frank Trebbin