3D-Review
Irgendwann in der Zukunft gibt es auf der zerstörten Erde nur noch die schützenden Mega-Citys, in denen die „Judges“ als Richter und Vollstrecker in einer Person für Ordnung sorgen. Und einer von ihnen ist Dredd, der den Ruf hat, ein ganz besonders harter Judge zu sein. Dredd bekommt für einen Tag die Rekrutin Cassandra Anderson an seine Seite und gerät bei der Untersuchung eines Dreifach-Todesfalles in einem Moloch von Hochhaus auch prompt an die Schergen der dort residierenden Drogenkönigin Ma-Ma, die natürlich ihr Domizil schützen will und das Hochhaus absperren und die Jagd auf Dredd und Anderson eröffnen lässt…
Die bange Frage, ob das Relaunch des 1995-Sylvester-Stallone-Vehikels genauso glattgebügelt und damit enttäuschend daherkommt, ist schnell beantwortet: nein, Pete Travis, der schon mit seinem „8 Blickwinkel“ bewiesen hat, wie sich modernes Action-Kino geben kann, hat hier alles richtig gemacht. Die Handlung rangiert unter dem Motto „straight forward“ und wird durch keinen Love-Interest-Nebenstrang oder dergleichen gestört, Action ist hier wahrlich kein Fremdwort (auch wenn – wie bereits aufgrund der wir-kämpfen-uns-Stockwerk-für-Stockwerk-vor-Handlung geschehen – „Dredd 3D“ wirklich nicht mit „The Raid“ vergleichbar ist) und – ganz wichtig in Bezug auf die Comic-Vorlage – die Härte stimmt. Gefangene, wie man so schön sagt, macht der Film nun wirklich nicht und die dargebotene Gewalt wird den einen oder anderen etablierten Kritiker auf den Plan rufen. Teilweise geht Pete Travis sogar das Wagnis ein, explizite Details in Super-Zeitlupe zu zeigen. Damit hinterlässt „Dredd 3D“ zumindest im Bereich der Mainstream-Produktionen, die nicht dem Horrorgenre zuzuordnen sind, eine gewisse Duftmarke, auch wenn das Ganze nicht wirklich so extrem brutal geraten ist wie manche meinen (oder wie z. B. der knochenbrechend harte „The Raid“), denn mindestens gleichsam verstörender ist die unreflektierte Haltung gegenüber der dem Thema innewohnende „legale“ Selbstjustiz durch die Judges. Kein bisschen Ironie flackert da auf und selbst die Novizin Anderson zuckt nur wenig beim Vollstrecken ihrer Urteile. Die düstere Utopie um die überfüllten Mega-Citys wird kurz angerissen bzw. bildet den Unterbau für die erzählte Geschichte, überbordende Science-Fiction-Elemente sucht man hier vergeblich. Das alles passt jedoch wie aus einem Guss zusammen, das alles macht riesigen Spaß. Bleibt zum Schluss aber doch noch eine Frage offen: Was – die Gage mal außen vor – bewegt einen charismatischen Schauspieler wie Karl Urban dazu, eine Rolle anzunehmen, die von ihm verlangt, einen kompletten Film lang das Gesicht hinter dem Visier eines Helmes zu verstecken? Auf BD letterboxed (2,35:1) und in 3D (obwohl in dieser Technik gefilmt eher zurückhaltend räumlich, wenige Pop-Outs, dafür aber mit zwei, drei gezielt eingesetzten Money-Shot-Szenen gut pointiert; kann aber bedenkenlos auch in 2D gesehen werden).
© Selbstverlag Frank Trebbin