Los Angeles. Aus Frank ist aufgrund einer verkorksten Kindheit der menschenscheue Besitzer einer Werkstatt für Schaufensterpuppen geworden, der des nachts heimlich durch die Straßen schleicht, Frauen auflauert und sie skalpiert. Mit den Haaren seiner Opfer drapiert er seine leblosen „Mitbewohner“ aus, stellt sie so in seiner heruntergekommenen Wohnung aus und sinniert in endlosen Monologen über die Schuld seiner Mutter. Eines Tages steht die junge französische Fotokünstlerin Anna vor seiner Werkstatt und ist fasziniert von Franks alten restaurierten Schaufensterpuppen. In Frank regt sich so etwas wie Gefühle für das andere Geschlecht...
Alexandre Aja, der als selbstausgewiesener Horrorfilmfan bereits erfolgreich das Remake von „The Hills Have Eyes“ initiieren konnte, wagt sich nunmehr als Mit-Drehbuchschreiber und Co-Produzent an William Lustigs „Maniac“ von 1980 heran, lässt aber Frank Khalfoun die Regie dabei übernehmen. Und dennoch trägt die Neuauflage unverkennbar seine Handschrift: die Gewaltspitzen sind extrem (wenn auch nicht so orgiastisch wie beim Original) und der Kameraeinsatz ist beeindruckend. In (fast) durchgängiger POV-Gestaltung geht es wiederum ab auf eine Reise in die Abgründe eines kranken Hirns, die nicht mehr ganz so nüchtern-nihilistisch wie anno dazumal daherkommt sondern eher durch diese Bildtechnik eine beängstigende Distanzlosigkeit schafft, die „Peeping Tom“-Nervenkitzel erzeugt. Der Zuschauer wird quasi selbst zum brutalen Mörder und kann sich dem Gezeigten kaum entziehen! Das alles wühlt sehr auf, ist mit althergebrachten F/X blutig unterlegt und Elijah Wood, der sich damit rollentechnisch betrachtet von seinem „Frodo“-Erbe lösen kann, erfüllt den Joe-Spinell-Part mit ganz eigenem Leben. War das Original noch ein dreckiger, kleiner B-Film, der die Splatter-Schiene bis zum Anschlag bediente und wegen seiner Erzählweise Neuland betrat, ist „Alexandre Ajas Maniac“, so der Titel der DF (Hände weg von der geschnittenen FSK-18-Fassung!), ein facettenreiches Psychogramm, das aufgrund der eingesetzten extremen Stilmittel schon eher dem Giallo-Subgenre zuzuordnen wäre. Unter der Aufsicht von William Lustig, der bei dem Remake sogar als Co-Produzent auftrat, erlebt der geneigte Fan härtester Psychothriller-Unterhaltung eine aufregende Neubearbeitung des Stoffes, die an Deutlichkeiten (hier spritzen sämtliche Körperflüssigkeiten) nichts missen lässt. Auf BD letterboxed (2,35.1). Des weiteren mit Nora Arnzeder, America Olivo, Liane Balaban u.a.
© Selbstverlag Frank Trebbin